Il faut cultiver notre jardin

duerer_rasenstueck.jpg
Jedes Stück Wiese zählt. Albrecht Dürer: Das grosse Rasenstück (1503).

„Mais il faut cultiver notre jardin.“ Die Welt ist unverbesserlich. Aber wir müssen unseren Garten bestellen. So Voltaire im „Candide“ von 1759.

Sich darauf konzentrieren, was möglich ist. Dort anpacken, wo man wirklich etwas verändern kann. In seinem nächsten Umfeld. Denn die Zeitläufte kann ein einzelner kaum verändern.

Also die Schaufel in die Hand nehmen oder den Bagger bestellen. Und „Natur schaffen“. Die biologische Vielfalt in der Schweiz ist auf Talfahrt, obwohl seit ein paar Jahren auf politischer Ebene einiges gegen diesen Trend unternommen worden ist. Daher zählt nun jede einzelne Aktion – und sei sie noch so klein und bescheiden.

Das ist die Botschaft von „Natur schaffen“, einem soeben erschienenen Buch von Gregor Klaus und Nicolas Gattlen. Angestossen wurde es vom Forum Biodiversität Schweiz, dem Birdlife Schweiz sowie Pro Natura, unterstützt wurde das Projekt vom Bundesamt für Umwelt.

Weiterlesen

Abfall – Nachlass des Künstlers

P1090866
„Where the Slaves Live“ von Adrian Villar Rojas in der Fondation Louis Vuitton in Paris. (Bild: Markus Hofmann)

Was hinterlässt ein Künstler der Nachwelt? Seine Werke. Bilder, Bücher, Skulpturen, Musikstücke. Doch nicht nur. Wie von allen anderen Menschen bleiben auch von ihm Spuren seines alltäglichen Lebens zurück. Gegenstände, die wie die Kunstwerke die Zeit ihres Erschaffers überdauern, die nach dem Tod aber zu Abfall werden. Kleidungsstücke, Schuhe, Utensilien aller Art.

Viele dieser Objekte bleiben genauso wie die Kunst der Nachwelt erhalten. Nichtabbaubare Plastikteile enden in der Natur, wo sie Fossil-ähnlich Jahrhunderte überdauern. Die von den Menschen verursachten Treibhausgasemissionen beeinflussen das Klima möglichweise über Jahrtausende. Nach dem Tod des Menschen wirkt seine ehemalige Präsenz lange nach. Der Mensch verschwindet nicht „wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand“, wie Michel Foucault schrieb. Er hat sich der Erde bereits tief eingeschrieben. Weiterlesen

Der Komodowaran – PSY der Reptilienwelt

scary-975672_1280
Nach ihm wird auf Wikipedia am meisten gesucht: nach dem Komodowaran.

Adeles Superhit „Hello“ ist bisher auf Youtube 1,5 Milliarden mal aufgerufen worden, „Gangnam Style“ von PSY gar über 2,5 Millarden mal. Solche Zahlen bedeuten Beliebtheit. Und was für Musiker gilt, sollte doch auch auf Reptilien zutreffen, dachten sich Forscher der Universitäten von Oxford und Tel Aviv. Und so untersuchten sie, welche Reptilien im Jahr 2014 am meistens ins Suchfeld der Online-Enzyklopädie Wikipedia eingegeben wurden. Sie nahmen insgesamt 10’002 Artikel und deren Anklickraten unter die Lupe. Weiterlesen

Es wäre möglich: Welternährung ohne Waldverlust

bratwurst-1174296_1280
Der Erhalt der Wälder hängt von unserer Ernährungsweise ab.

Oft muss Wald weichen, wenn es Flächen für die Nahrungsmittelproduktion braucht. Ob Äcker, Plantagen oder Weiden: Sie breiten sich vielerorts auf Kosten von Wäldern aus.

Doch das müsste nicht sein. Eine ausreichende Ernährung der Weltbevölkerung im Jahr 2050 ist möglich, ohne dass die Waldfläche zurückgehen muss, wie Forscher der Alpen-Adria Universität in Klagenfurt zeigen, nachdem sie 500 verschiedene Zukunftsszenarien durchgerechnet haben. Weiterlesen

Einblick in die Fledermauswelt dank Maschinen

Free-tailed_bats
Nächtlicher Ausflug von Fledermäusen. (Bild: Cliff Cooper)

Um zu wissen, was fehlt, muss man eine Ahnung davon haben, was überhaupt da ist. Bei nachtaktiven Fledermäusen ist das gar nicht so einfach. Doch zum Glück geben Fledermäuse Laute von sich, um sich zu orientieren. Teilweise liegen die Echolotungen im Hörbereich des Menschen, andernfalls kann man sie dank Technik hörbar machen.

Allerdings sind die Rufe der Fledermäuse nicht in allen Fällen leicht voneinander unterscheidbar. Doch nun ist es gelungen, eine Methode zu entwickeln, die ein erstaunlich gutes Ergebnis bei der Bestimmung von Fledermäusen erzielt. Weiterlesen

Hummelzucht gefährdet Wildhummeln

hummel-850535_1280
Hummeln sind für die Bestäubung von Pflanzen zentral. Doch verschiedene Umweltfaktoren machen ihnen zu schaffen.

Hummeln sind längst zu Nutztieren geworden. Ihre Aufgabe besteht darin, Nutzpflanzen – insbesondere Tomaten – in Gewächshäusern zu bestäuben. Doch diese eigentlich sinnvolle Aufgabe könnte sich als fatal für ihre wilden Artgenossen herausstellen. Den wildlebenden Hummeln geht es nämlich – ähnlich wie den Bienen – schlecht. Einer der Gründe für den Hummel-Rückgang ist ein pathogener Pilz: Nosema bombi.

Für die schlechte Verfassung der nordamerikanischen Hummeln machte man bisher die europäischen Hummeln verantwortlich. Mit diesen sei eine neue Welle des Pilzes in die USA geschwappt, was zu einem starken Rückgang von Wildhummeln in den 1990er Jahren geführt habe, so die Vermutung. Doch nun zeigt sich, dass der Grund für die besorgniserregende Situation der US-Wildhummeln in den eigenen Gewächshäusern herumfliegt. Weiterlesen

Schmetterlinge im Schatten

meadow-brown-562458_1280
Das Grosse Ochsenauge schlägt sich gut: Es stellt an seine Umwelt keine allzu grossen Ansprüche.

Zum Frühlingsanfang eine gute und eine schlechte Notiz.

Zuerst die gute. In den Anden Ecuadors fand man viel mehr Spanner – eine Familie der Schmetterlinge – als bisher angenommen. Im untersuchten Gebiet von rund 25 Quadratkilometer Grösse zwischen 1020 und 3021 Meter über Meer gingen den Forschern 1857 verschiedene dieser Nachtfalter in die Lichtfalle. Zuvor bekannt waren „lediglich“ 1010. Weltweit gibt es ca. 26’000 Arten von Spannern.

Und nun die schlechte Nachricht – aus unseren Breitengraden. Zwischen 1840 und 2013 ist die Anzahl an Schmetterlingsarten in der Region um Regensburg in Bayern deutlich zurückgegangen.  Von den 117 Arten, die 1840 dokumentiert wurden, sind heute noch 71 übrig. Vor allem die Spezialisten unter den Schmetterlingen sind verschwunden, während die Generalisten ihre Bestände vergrössern konnten. Auch die Einrichtung von Naturschutzgebieten vermochte diese Entwicklung nicht ernsthaft aufzuhalten. Weiterlesen

Kinder weniger draussen als Gefangene

child-984041_1280
So was, was ist denn das? Die natürliche Umwelt ist vielen Kindern fremd.

„Every prisoner who is not employed in outdoor work shall have at least one hour of suitable exercise in the open air daily if the weather permits.“ So lauten die Uno-Regeln: Mindestens eine Stunde lang sollen sich Gefangene täglich an der frischen Luft die Beine vertreten dürfen.

Damit übertreffen sie manche freie Kinder. Eine Umfrage hat nämlich ergeben, dass in Grossbritannien fast ein Drittel der 5- bis 12-Jährigen eine halbe Stunde oder weniger Zeit pro Tag draussen verbringen. Und 20 Prozent spielen kaum je unter freiem Himmel. Weiterlesen

Alaska-Schmetterling als Klimazeiger

Oeneis-tanana-female-dorsal
Oenis tanana: seit 28 Jahren die erste neuentdeckte Schmetterlingsart Alaskas.

Die Entdeckung einer neuen Insektenart schreckt kaum jemanden auf. Jährlich verlängert sich die Liste der neu bestimmten Arten. Meistens stösst man in tropischen Gebieten auf bisher unbekannte Käfer, Ameisen oder Wespen. Selten sind Neuentdeckungen hingegen in den kalten Gefilden. Und noch seltener in der Arktis.

Doch nun gibt es Neues von dort zu vermelden. Es sieht ganz danach aus, als sei es Lepidopterologen gelungen, in Alaska eine neue Schmetterlingsart zu bestimmen (Studie in „The Journal of Research on the Lepidoptera“). Noch ist die Forschung nicht ganz abgeschlossen, doch die Chancen sind intakt, dass Oenis tanana (engl. Tanana Arctic), nicht nur eine neue Schmetterlingsunterart, sondern wirklich eine neue Art ist. Es wäre der erste Schmetterlingsfund in Alaska seit 28 Jahren. Und möglicherweise ist O. tanana die einzige endemische Schmetterlingsart Alaskas. Weiterlesen

Brexit schwächt Umweltschutz

lake-district-1000442_1280
Düstere Wolken über den britischen Inseln: Ein Ausstieg aus der EU hätte negative Folen für die Umwelt.

Nicht nur könnte ein Austritt Grossbritanniens aus der EU der britischen Wirtschaft hohen Schaden zufügen. Dem sogenannten Brexit wohnt auch das Potenzial inne, den Umweltschutz in Grossbritannien zu schwächen. Zu diesem Schluss kommt das Institute for European Environmental Policy (IEEP), das die umweltrechtlichen Konsequenzen eines Brexit untersuchte. Dabei wurde es von Umweltorganisationen unterstützt.

Ein vollständiger Ausstieg Grossbritanniens aus der EU berge substanzielle Risiken für die Zukunft des britischen Umweltrechts, meint das IEEP. Grossbritannien wäre künftig davon ausgeschlossen, am europäischen Umweltrecht mitzuwirken. Und es bestehe die Gefahr, dass die britische Regierung die Umweltstandards senken würde, um Wettbewerbsvorteile ausserhalb der EU zu gewinnen. Ein Brexit hätte zudem negative Folgen für die boomende Industrie der „Grünen Wirtschaft“; Investitionen in diese würden wohl weniger nach Grossbritannien fliessen. Weiterlesen