Wat’n dat? – Frust und Lust der Watvogel-Beobachtung

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Steinwälzer am Strand.

Es war die totale Überforderung. Alleine – und zum ersten Mal ohne sachkundige Hilfe – stand ich am Ufer des Wattenmeers. Das auflaufende Wasser drängte Dutzende, nein, Hunderte von Vögeln auf einer immer kleiner werdenden Fläche zusammen. Mit ihren Schnäbeln stocherten die Vögel hektisch im noch nicht vom Wasser bedeckten Sand nach Nahrung. Ich zielte mit dem Fernglas mitten in das Gewühl und versuchte zu erkennen, um welche Arten es sich handelte. Dort leuchtete etwas Rotbraunes auf, hier war ein schwarzer Bauch zu erkennen, hier identifizierte ich einen langen, dort einen kurzen Schnabel. Alpenstrandläufer? Knutts? Pfuhlschnepfen? Uferschnepfen? Weiterlesen

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Die Zählung der Knochenbrecher

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Die Geier-Spezialistin Franziska Lörcher sucht den Horizont im Calfeisental nach Bartgeiern ab. (Bild: Markus Hofmann)

Tiefe Spuren im feuchten Boden verraten, dass hier vor kurzem noch Kühe die Abhänge abgegrast haben. Doch nun haben die Tiere die Alp verlassen. Die Hütte der Malanseralp auf 1833 Meter über dem Meer ist verriegelt und wartet auf den Winter, der sich in der Nacht zuvor bereits angekündigt hat. Es liegen ein paar Zentimeter Schnee, die Berggipfel rundum sind weiss. Nur einige Wanderer verirren sich derzeit ins einsame Calfeisental, das in der Nähe des Schweizer Kurorts Bad Ragaz liegt. An diesem Samstag Anfang Oktober hat aber auch Franziska Lörcher den langen Anfahrtsweg über Stock und Stein hinter sich gebracht. Um 9 Uhr in der Früh klemmt die Biologin und Geier-Spezialistin vor der Alphütte ihr Beobachtungsfernrohr aufs Stativ und blickt in Richtung Westen, wo der 3000 Meter hohe Piz Sardona das Calfeisental verschliesst. Lörcher wartet auf den Auftritt des grössten Vogels der Alpen: den Bartgeier.

Vom 7. bis 15. Oktober finden die internationalen Bartgeier-Beobachtungstage statt. Im ganzen Alpenraum sind Ornithologen und Wanderer aufgerufen, nach Bartgeiern Ausschau zu halten und ihre Beobachtungen auf den einschlägigen Internetseiten zu melden. Anhand der Daten soll der Bestand der Bartgeier ermittelt werden. Mehrere Hundert Beobachter nähmen in den Alpen an der Aktion teil, sagt Lörcher, die für die Schweizer Stiftung „Pro Bartgeier“ sowie die „Vulture Conservation Foundation“ arbeitet und die Beobachtungstage mitkoordiniert.

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Vogelbeobachter unter Beobachtung

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Vom Beobachten der Beobachter: Floh von Grünigen porträtiert Vogelbeobachter. (Ausschnitt einer Zeichnung von von Grünigen; Foto: M. Hofmann)

Ein richtiger Birder, oder sagen wir besser: ein süchtiger Birder, kann den Tag nicht beenden, ohne einen Blick auf ornitho.ch zu werfen. Auf dieser Homepage tragen Vogelbeobachter ihre Sichtungen ein, geordnet nach Datum und Ort, mit Eigennamen versehen oder anonym. Wer also wissen will, was tagsüber über die Schweiz geflogen ist, ruft am Abend diese Seite auf. Zu diesen Birdern gehört der Berner Künstler Floh von Grünigen. Während der Lektüre der Meldungen aus dem Kanton Bern fielen ihm die Namen einiger sehr fleissiger Vogelbeobachter auf. Und so begann er sich vorzustellen, wie diese Birder wohl aussehen mögen. Aus der Phantasie zeichnete von Grünigen Porträts der Vogelbeobachter.

Doch hatten diese eingebildeten Porträts etwas mit der Wirklichkeit zu tun? Von Grünigen schrieb die Birder an und bat sie um eine Foto. Zu seiner Freude und Überraschung erhielt er Antwort.

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Die Ökologisierung der Landwirtschaft hilft den Vögeln (noch) nicht

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Den Rotkopfwürger hält nichts mehr in der Schweizer Landwirtschaft. Er ist verschwunden. (Bild: Michele Lamberti)

Die erste Enttäuschung erfolgte 2005. Damals wurde untersucht, ob die Ökologisierung der Landwirtschaft den Brutvögeln zugute kommt. Das Resultat lautete: kaum.

Die Schweizer Landwirte müssen seit den 1990er Jahren einen ökologischen Leistungsnachweis erbringen, wollen sie Direktzahlungen erhalten. Unter anderem sind die Bauern angehalten, sieben Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche als sogenannte Biodiversitätsförderflächen zu bewirtschaften. Dies soll, wie der Name sagt, gefährdeten Tier- und Planzenarten helfen.

Ein paar Jahre nach 2005 kam eine Bestandeserhebung für den Kanton Zürich wiederum zu einem tristen Ergebnis: Der ökologische Ausgleich habe im Kanton Zürich den fortgesetzten Rückgang der Vogelarten „nur geringfügig abzudämpfen“ vermocht, hiess es. Nun hat man sich den Kanton Basel-Landschaft etwas genauer angeschaut. Und auch hier zeigt sich: Die Situation der typischen Brutvogelarten hat sich „in den letzten 20 Jahren weiter deutlich verschlechtert“ (Nicolas Martinez, Stefan Birrer: Entwicklung ausgewählter Vogelarten im Landwirtschaftsgebiet des Kantons Basel-Landschaft, Der Ornithologische Beobachter, Band 114, Heft 3, 2017, 161-178; noch nicht online). Weiterlesen

Das Mädchen, das den Steinadler knuddelt

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Aisholpan aus dem Film „The Eagle Huntress“ mit ihrem Steinadler. (Sony Pictures Classics)

Die Geschichte des preisgekrönten Dokumentarfilms „The Eagle Huntress“ (2016) ist einfach und daher rasch erzählt. Aisholpan, ein 13-jähriges Mädchen aus der Mongolei, möchte dem Weg ihrer männlichen Vorfahren folgen und Adlerjäger werden. Eines Tages reitet sie deshalb mit ihrem Vater ins Altai-Gebirge, um nach einer gefährlichen Kletterpartie ein junges, noch nicht flugfähiges Steinadler-Weibchen aus einem Nest zu holen. Die kasachischen Nomaden richten die Steinadler vor allem für die Jagd auf Füchse und Hasen ab.

Aisholpan zeigt nicht nur keinerlei Furcht vor dem mit Klauen und Schnabel bewehrten Greifvogel, sie verfügt auch über grosses Talent im Umgang mit dem wilden Tier. Bald beherrscht sie die Techniken der Beizjagd so gut, dass sie an einem Wettkampf teilnehmen kann und dort gegen erfahrene männliche Adlerjäger gewinnt. In einer Disziplin stellt sie gar einen neuen Rekord auf. Trotz abschätziger Bemerkungen einiger Adlerjäger wagt sie es, im strengen Winter auf die Jagd zu gehen. Nach einigen missglückten Versuchen gelingt es ihr, mithilfe ihres Steinadlers einen Fuchs zu erlegen. Nun ist Aisholpan eine richtige Adlerjägerin geworden.

Der Regisseur Otto Bell preist den knapp 90-minütigen Dokumentarfilm als eine Geschichte der Emanzipation an: Ein Mädchen setzt sich in einer nomadischen Tradition gegen eine männliche Übermacht durch. Das tönt zwar gut, stimmt aber nicht.

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Bartgeier-Ausstellung mit bester Aussicht

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Die Zierde der Ausstellung: Ein präparierter Bartgeier. Wer Glück hat, erspäht einen lebenden  Gypaetus barbatus rund um den Torre Belvedere im Oberengadin. (Bild: Markus Hofmann)

Am 24. Juni kam die schlechte Nachricht. BG960 ist tot. Das Bartgeier-Weibchen, geschlüpft in einer spanischen Aufzuchtstation am 2. März dieses Jahres, ausgesetzt am Pfingstmontag anfangs Juni bei der Melchsee-Frutt, hat einen Sturz nicht überlebt. Ja, auch Vögel, vor allem junge, können abstürzen. Auch wenn dieser Tod ein bedauerlicher Verlust ist, der Wiederansiedlung der einst ausgerotteten Bartgeier im Alpenraum tut er keinen Abbruch. Ohnehin: 12 Prozent aller ausgesiedelten Bartgeier überleben das erste Lebensjahr nicht. Seit 1986 wurden über 200 Bartgeier in den Alpen ausgesetzt, in der Schweiz sind es über 40. Derzeit besiedeln wieder bis zu 250 Bartgeier den Alpenraum. Wer mehr über die früher auch Lämmergeier genannten Vögel mit einer Spannweite von knapp drei Metern erfahren will, kann dies nun in Maloja tun. In einer kleinen, aber spektakulär gelegenen Ausstellung. Weiterlesen

Vögel singen nicht

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Amsel schackern, orgeln, rollen und quirlen.

Nüchtern ist die Sprache der Wissenschafter. Zu den Lautäusserungen der Vögel sagen sie: Lassen die Vögel in ihrem Stimmkopf Luft an den Membranen vorbeiströmen, beginnen diese zu schwingen, und es entstehen Laute, die den Vögeln als akustische Signale dienen. Der Laie sagt dem gemeinhin: Vögel singen und rufen. Derzeit kann man am frühen Morgen oder nach Feierabend die Amselmännchen hören, wie sie, ganz oben auf einem Baum oder einem Hausdach stehend, virtuos singen. Doch singen die Amseln wirklich? Nein, sie schackern, orgeln, rollen, quirlen, am Ende einer Strophe schnirpen sie, und klingt es ausnahmsweise nicht besonders schön, dann schirkt die Amsel. Weiterlesen