Vom Gänsegeier bis zum Italiensperling: die besten Orte zur Vogelbeobachtung in der Schweiz

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Gänsegeier sind nun im Sommer auch in der Schweiz anzutreffen. (Bild: Guy Rey-Bellet/Pixabay)

Die Schweiz ist ein kleines Land. Und doch brüten hier 210 Vogelarten. Zählt man noch die Vögel dazu, die das Land auf ihrem Zug regelmässig durchqueren oder sich auch mal hierher verirren, verdoppelt sich die Zahl: Fast 420 Arten wurden bisher in der Eidgenossenschaft nachgewiesen. Für Vogelbeobachterinnen und -beobachter ist die Schweiz daher ein lohnendes Ziel. Dies vor allem auch wegen der Bergvögel wie dem Mauerläufer, der Alpenbraunelle oder dem Zitronengirlitz.

Die Kleinheit des Landes bietet zudem den Vorteil, dass die Hotspots der Vogelbeobachtung in vernünftiger Zeit erreichbar sind; auf ein Auto kann man getrost verzichten, denn der öffentliche Verkehr führt selbst in abgelegene Orte. Von Zürich aus lässt sich fast das ganze Land in einem Tag bereisen – inklusive Rückreise.

Darüber, wo es sich besonders lohnt, nach Vögeln Ausschau zu halten, gibt seit über 20 Jahren das Buch „Vögel beobachten in der Schweiz“ Auskunft. Nun ist es in der vierten Auflage erschienen. Seit der letzten Auflage sind etliche Jahre vergangen, in denen sich einiges getan hat in der Schweizer Vogelwelt. Die vier Autoren hatten daher allen Grund, neue Gebiete hinzuzufügen. Weiterlesen

„Die Bauern sind nicht an allen Umweltproblemen schuld“: Ein Bauer und Politiker wehrt sich gegen den schlechten Ruf der Landwirtschaft und gründet ein Vogeldorf

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Einer der Lieblingsorte von Andreas Aebi: Der Kuhstall, in dem Rauchschwalben brüten. (Bild: Markus Hofmann)

Es ist leicht, den Bauernhof von Andreas Aebi zu finden: immer den Schwalben nach. Dort, wo Mehl- und Rauchschwalben wie ein Mückenschwarm ums Gehöft fliegen, wartet auch schon Aebi und deutet unter den Dachfirst einer Scheune. Kürzlich hat er hier eine Reihe von künstlichen Mehlschwalbennestern angebracht.

Anders als über 150 andere Kunstnester, die Andreas Aebi auf seinem Hof zählt, sind sie noch leer. „Das wäre ein Highlight, wenn die Schwalben auch diese Nester beziehen“, sagt er: „Gleich darunter an der Scheunenwand kommt dann das Schild hin. Damit es alle sehen, die am Hof vorbeifahren.“ Auf dem Schild wird stehen: Vogeldorf.

Wir sind im ersten Vogeldorf der Schweiz, in Alchenstorf, einer 600-Seelen-Gemeinde in der hügeligen Landschaft des Emmentals im Kanton Bern, die noch immer landwirtschaftlich geprägt ist. Die Bauern betreiben vor allem Viehzucht und Milchwirtschaft. Das saftige Grün der Weiden zwischen den Dörfern und Wäldern springt einen wie auf einer nachträglich kolorierten Postkarte förmlich an. Der Dung der Kühe versorgt den Boden mehr als genügend mit Nährstoffen. Aus dieser Gegend stammt der berühmte Emmentaler-Käse: der mit den Löchern, im Ausland schlicht auch „Schweizer Käse“ genannt.

Der Bundespräsident reist ins Vogeldorf

Auch Andreas Aebi ist Bauer, neben vielem anderen: Er ist Abgeordneter im Nationalrat, der grossen Kammer des Schweizer Parlaments, er ist Präsident der Schweizerischen Rinderzüchter, Auktionator, Reiseveranstalter – und er ist der Erfinder des Vogeldorfs. Vor knapp einem Jahr lud er zum Fest und hob das Vogeldorf aus der Taufe.

Seine politischen Beziehungen liess er bis ganz nach oben spielen. Und so nahmen nicht nur viele Bäuerinnen und Bauern sowie weitere Einwohner aus Alchenstorf am Festakt teil. Aus Bern reiste ein Mitglied der Schweizer Regierung an. Bundespräsident Ueli Maurer, ein Parteifreund Aebis, hielt eine Festrede. Und auch der ehemalige Trainer des 1. FC Köln, Hanspeter Latour, war da, der sich inzwischen fast gänzlich der Naturbeobachtung verschrieben hat (das Flugbegleiter-Porträt von Latour finden Sie unter diesem Link).

Wissenschaftliche Begleitung

Das Vogeldorf ist nicht irgendeine spleenige Idee eines Hobby-Ornithologen. Andreas Aebi meint es ernst damit. Das Vogeldorf ist ein Projekt, mit dem bestimmte Vogelarten sowie die Biodiversität insgesamt in Alchenstorf gefördert werden sollen.

Die Berner Fachhochschule begleitet das Vogeldorf wissenschaftlich, Birdlife Schweiz unterstützt es. Doch zuerst wird Inventur gemacht. Bereits sind Hecken, Obst- und Einzelbäume sowie das Siedlungsgebiet einer Beurteilung unterzogen worden. Die extensiv bewirtschafteten Wiesen werden untersucht. Und ein Ornithologe streift gerade durch die Gemeinde und schaut und hört, wo welche Vogelarten brüten.

Lesen Sie weiter bei den Flugbegleitern (€).

Nativisten, Liberale, Agnostiker: Die Einschätzungen nicht-einheimischer Arten gehen weit auseinder

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Inbegriff der invasiven Pflanze: der Staudenknöterich, hier am Platzspitz mitten in Zürich. (Bild: M. Hofmann)

Möchte man eine gemütliche Runde von Naturschützerinnen und Naturschützern etwas aufmischen, empfiehlt es sich, ein Thema aufs Tapet zu bringen: nicht-einheimische Arten. Stellt man die Frage in den Raum, ob die wirklich so schlimm seien, entspannt sich rasch eine auch emotionale Diskussion.

Denn klar ist: Nicht-heimischen Arten ist nicht so recht über den Weg zu trauen.

Alle Arten, die seit 1492, also seit der Entdeckung Amerikas, durch den Menschen in neue Lebensräume gebracht worden sind, werden „nicht-einheimische“ oder „gebietsfremde“ Arten genannt. Vermehren sich diese Arten stark, können sie ökologische und ökonomische Schäden verursachen. Diese Arten gelten dann als „invasiv“.

Solche invasive Arten werden als grosse Gefahr für die Biodiversität bezeichnet. Als Grund für die gegenwärte Biodiversitätskrise und das Massenaussterben stehen sie gar auf dem zweiten Platz nach der Veränderung und Zerstörung der Lebensräume durch den Menschen.

Eines der 20 internationalen Aichi-Ziele zum Schutz der Biodiversität besteht denn auch darin, invasive Arten in den Griff zu kriegen:

By 2020, invasive alien species and pathways are identified and prioritized, priority species are controlled or eradicated, and measures are in place to manage pathways to prevent their introduction and establishment.

Doch teilen diese Einschätzung alle Fachleute? Vor kurzem habe ich hier auf den Fall des Staudenknöterichs – einer invasiven Pflanze par excellence – hingewiesen, der Vögeln gute Brutbedingungen bieten kann.

Forscher aus der Schweiz und Benin machten die Probe aus Exempel und starteten eine Umfrage: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie hält ihr es mit den nicht-einheimischen Arten? Weiterlesen

Michael Moore knöpft sich die Umweltbewegung vor. Viel Neues fördert er aber nicht zu Tage

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Sondermüll: Windkraftwerke lassen sich nach Gebrauch nicht vollständig rezyklieren. (Bild: Alfred Derks/Pixabay)

Der Filmemacher und Oscarpreisträger Michael Moore sorgt wieder einmal für Ärger. Dieses Mal allerdings nicht auf der politisch rechten, sondern auf der links-grünen Seite. Seit dem 21. April 2020, dem Tag vor „Earth Day“, präsentiert Moore sein neuestes Produkt (während 30 Tagen gratis) auf Youtube: „Planet of the Humans“. (Die Anspielung auf „Planet of the Apes“ ist sogar im Schriftbild ersichtlich.)

Bereits ist der Film über 2,2, Millionen mal angeglickt worden. Regie geführt hat der langjährige Mitarbeiter von Moore, Jeff Gibbs. Daher sehen wir nicht Moore, sondern Gibbs in der Rolle des hartnäckigen Aufdeckers mieser Machenschaften.

Die miesen Machenschaften findet Gibbs nun bei den Grünen und der Umweltbewegung in den USA. Die erneuerbaren Energien würden die Welt nicht retten. Und die Umweltbewegung habe sich von Milliardären wie Micheal Bloomberg und Richard Branson kaufen lassen und so die eigene Sache verraten. So lauten die Anklagepunkte.

Ikonen der (amerikanischen) Umweltbewegung machen dabei keine besonders gute Figur. Bill McKibben, Autor von „The End of Nature“ und Gründer der Klimabewegung 350.org, kommt arg ins Stottern, als er gefragt wird, wer denn seine Organisation finanziell unterstütze. (McKibben hat inzwischen Stellung zum Film genommen und die an ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen.)

Während die Reaktionen auf der links-grünen Seite teilweise harsch ausfallen (gar von „Ökofaschismus“ ist die Rede, weil das Thema „Überbevölkerung“ (völlig zu Recht) kurz angesprochen wird), jubilieren Rechte, Klimaleugner sowie diejenigen, die den erneuerbaren Energien schon immer kritisch gegenüber gestanden sind. Weiterlesen

Kanada hat gewählt: und zwar eine nationale Flechte

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Der Star unter den kanadischen Flechten, die Rentierflechte. (Bild: Anders Wahl — Travail personnel, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2086181)

Mit 4814 von insgesamt 18’075 Stimmen hat sich die Rentierflechte (Cladonia stellaris) durchgesetzt. Sie ist nun die offizielle nationale Flechte Kanadas. In den letzten Tagen konnten die Kanadier abstimmen, welcher Flechtenart sie diese Ehre zuteil werden lassen wollten. Die Wahl fiel dann doch ziemlich klar aus. Auf den nachfolgenden Rängen landeten meine Favoriten: zum einen die Zierliche Gelbflechte, zum anderen die „Horsehair“-Flechte.

Damit fiel die Gunst der Wählerinnnen und Wähler auf eine sehr verbreitete Flechte Kanadas. Und wir ihr Name sagt: Besonders beliebt ist sie nicht nur bei den Menschen, sondern auch bei den Rentieren, denen sie als Nahrung dient.

Kanada steht vor der Wahl: Gesucht wird die Flechte der Nation

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Trotzt den härtesten Bedingungen: die Zierliche Gelbflechte. (Bild: Björn S… / CC BY-SA, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)

Kanada wählt am Donnerstag, 26. März 2020. Keinen neuen Präsidenten, kein neues Parlament. Sondern – eine nationale Flechte.

Über einen nationalen Baum verfügt Kanada bereits. Klar, es ist der Ahorn, dessen Blatt die Flagge Kanadas schmückt. Neben dem Ahorn kürte die Regierung bereits in den 1970er Jahren den Biber zum offiziellen Nationen-Tier.

Dass nun auch eine Flechte zu dieser Ehre kommt, ist kein Zufall. Denn Kanada zeichnet sich durch eine sehr hohe Artenzahl an Flechten aus. Möglicherweise ist Kanada neben Russland das Land mit der höchsten Flechten-Biomasse. Rund ein Zehntel der weltweit bekannten 25’000 Arten kommt in diesem nordamerikanischen Land vor.

Die Schweiz kann sich im Flechten-Ranking übrigens durchaus zeigen lassen: Obwohl flächenmässig viel kleiner als Kanada wachsen in der Schweiz rund 1800 Flechtenarten (von denen viele gefährdet sind).

Die Top-Flechte Kanadas soll nun per Abstimmung bestimmt werden. Im Internet kann man seine Stimme abgeben. Sieben Kandidatinnen stehen bereit. Weiterlesen

Der Blick in die Wolken hilft der Natur

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Einen Bezug zur Natur herstellen: Sich mal etwas Zeit nehmen, um die Wolken zu beobachten. (Bild: M. Hofmann)

An Problembewusstsein mangelt es nicht. 73 Prozent der 8- bis 15-Jährigen und 81 Prozent der über 16-Jährigen zeigen sich sehr besorgt über den Zustand der Natur. Und viele von Ihnen schauen auch sehr pessimistisch in die Zukunft.

67 Prozent der Erwachsenen gehen davon aus, dass der Zustand der Umwelt in 20 Jahren noch schlechter sein wird, als er heute bereits ist. Lediglich 11 Prozent erkennen eine Chance auf Verbesserung.

Die Zahlen beziehen sich auf Grossbritannien und sind daher nicht ohne weiteres auf andere Länder übertragbar. Doch die Studie des National Trust, aus dem diese Zahlen stammen,* weist auf etwas hin, was durchaus allgemeine Bedeutung hat: Wie wenig es bedarf, dass sich jemand für den Naturschutz einsetzt.

Dafür braucht es keine weite Reise in den Amazonas oder in die Antarktis. Es genügt, mit offenen Sinnen durch den Alltag zu gehen, um einen sinnvollen Kontakt zur Natur herzustellen.

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„Der Gesang der Kohlmeise symbolisiert den Frühlingsanfang“

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„Stolz und majestätisch“: der Gesang der Kohlmeise. (Bild Oldiefan/Pixabay)

Jonas Landolt verfügt über eine beneidenswerte Fähigkeit. Der 29-jährige Schweizer kann Möwenarten, von denen die meisten nicht nur auf den ersten, sondern auch auf den zweiten und dritten Blick äusserst ähnlich aussehen, voneinander unterscheiden. Vor kurzem hat er sogar die Schweizerische Vogelwarte, das ornithologische Kompetenzzentrum des Landes, auf einen Fehler hingewiesen: Die Vogelwarte hatte eine Mittelmeermöwe als Steppenmöwe ausgewiesen. Mittlerweile hat die Vogelwarte die entsprechenden Bilder ausgewechselt.

Möwen-Exkursionen am Bodensee sind nur ein kleiner Teil des vielfältigen Angebots von Jonas Landolt. Der selbständige Umweltwissenschaftler produziert Naturfilme, leitet die Geschäftsstelle eines Zürcher Vereins, der ein Stadtquartier wieder naturnaher gestalten will, und erklärt dem Publikum im Schweizer Radio und Fernsehen, wie man einen Garten tier- und pflanzenfreundlich pflegt. Selbstverständlich benutzt er dazu keinen Mähroboter, sondern er weiss, wie man die Sense richtig führt. Etwas motiviert Jonas Landolt bei seiner Arbeit vor allem: Er will möglichst viele Menschen für den Natur- und Vogelschutz begeistern.

Die „Flugbegleiter“ haben ihm den Vogelfragebogen zugeschickt.

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Lasst die toten Tiere liegen – auch den Pflanzen zuliebe

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Am schönsten sind die Schottischen Hochlandrinder selbstverständlich lebendig. Doch auch als Kadaver haben sie einen grossen Nutzen für die Biodiversität. (Foto: Susanne Jutzeler, suju-foto/Pixabay)

Das Schottische Hochlandrind ist ein rundum symphatisches Wesen. Nicht nur äusserlich. Seit es auch für die schonende Beweidung in Naturschutzgebieten zum Einsatz kommt, ist die Anzahl seiner Verehrerinnen und Verehrer weiter angestiegen.

Doch nimmt es den letzten Weg alles Sterblichen (wenn es nicht vorher geschlachtet worden ist) und verendet, dann wird es zum Abdecker gebracht und entsorgt – aus Gründen des Gesundheits- und Umweltschutzes, wie es in der entsprechenden Verordnung der Schweiz heisst. Ausnahmen von dieser Praxis gibt es in Europa etwa in Spanien, wo man das Vieh zugunsten der dort lebenden Geier liegenlassen darf (siehe meine Umweltnotiz „Hol’s der Geier“).

Schade, dass man derart restriktiv mit den Nutztierkadavern umgeht. Besser wäre es, man liesse zu, dass einzelne Tiere an Ort und Stelle verwesen könnten. Dann nämlich würden die Hochlandrinder über ihren Tod hinaus einen Beitrag zur Verbesserung der Biodiversität leisten. Weiterlesen