Kinder weniger draussen als Gefangene

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So was, was ist denn das? Die natürliche Umwelt ist vielen Kindern fremd.

„Every prisoner who is not employed in outdoor work shall have at least one hour of suitable exercise in the open air daily if the weather permits.“ So lauten die Uno-Regeln: Mindestens eine Stunde lang sollen sich Gefangene täglich an der frischen Luft die Beine vertreten dürfen.

Damit übertreffen sie manche freie Kinder. Eine Umfrage hat nämlich ergeben, dass in Grossbritannien fast ein Drittel der 5- bis 12-Jährigen eine halbe Stunde oder weniger Zeit pro Tag draussen verbringen. Und 20 Prozent spielen kaum je unter freiem Himmel. Weiterlesen

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Alaska-Schmetterling als Klimazeiger

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Oenis tanana: seit 28 Jahren die erste neuentdeckte Schmetterlingsart Alaskas.

Die Entdeckung einer neuen Insektenart schreckt kaum jemanden auf. Jährlich verlängert sich die Liste der neu bestimmten Arten. Meistens stösst man in tropischen Gebieten auf bisher unbekannte Käfer, Ameisen oder Wespen. Selten sind Neuentdeckungen hingegen in den kalten Gefilden. Und noch seltener in der Arktis.

Doch nun gibt es Neues von dort zu vermelden. Es sieht ganz danach aus, als sei es Lepidopterologen gelungen, in Alaska eine neue Schmetterlingsart zu bestimmen (Studie in „The Journal of Research on the Lepidoptera“). Noch ist die Forschung nicht ganz abgeschlossen, doch die Chancen sind intakt, dass Oenis tanana (engl. Tanana Arctic), nicht nur eine neue Schmetterlingsunterart, sondern wirklich eine neue Art ist. Es wäre der erste Schmetterlingsfund in Alaska seit 28 Jahren. Und möglicherweise ist O. tanana die einzige endemische Schmetterlingsart Alaskas. Weiterlesen

Brexit schwächt Umweltschutz

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Düstere Wolken über den britischen Inseln: Ein Ausstieg aus der EU hätte negative Folen für die Umwelt.

Nicht nur könnte ein Austritt Grossbritanniens aus der EU der britischen Wirtschaft hohen Schaden zufügen. Dem sogenannten Brexit wohnt auch das Potenzial inne, den Umweltschutz in Grossbritannien zu schwächen. Zu diesem Schluss kommt das Institute for European Environmental Policy (IEEP), das die umweltrechtlichen Konsequenzen eines Brexit untersuchte. Dabei wurde es von Umweltorganisationen unterstützt.

Ein vollständiger Ausstieg Grossbritanniens aus der EU berge substanzielle Risiken für die Zukunft des britischen Umweltrechts, meint das IEEP. Grossbritannien wäre künftig davon ausgeschlossen, am europäischen Umweltrecht mitzuwirken. Und es bestehe die Gefahr, dass die britische Regierung die Umweltstandards senken würde, um Wettbewerbsvorteile ausserhalb der EU zu gewinnen. Ein Brexit hätte zudem negative Folgen für die boomende Industrie der „Grünen Wirtschaft“; Investitionen in diese würden wohl weniger nach Grossbritannien fliessen. Weiterlesen

Müll mindert Reiselust

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Das menschliche Nahrungsangebot macht Weissstörche zu Standvögeln.

Wieso in die Ferne reisen, wenn das Überlebensnotwendige gleich unter den eigenen Flügeln liegt?

Weissstörche gehören zu den Zugvögeln; sie brüten in nördlichen Gefilden und ziehen im Winter, wenn die Nahrung knapp wird, in den Süden. So hat man es zumindest beobachtet, und so steht es in den einschlägigen Fachbüchern. Doch nun hat sich das Verhalten der Weissstörche innert kurzer Zeit stark verändert. Offene Mülldeponien veranlassen die Störche dazu, ihr Zugverhalten einzustellen. Forscher der University of East Anglia haben mithilfe von den Tieren aufgeschnallten Ortungsgeräten erstmals nachweisen können, dass Störche Europas gar nicht mehr ziehen, sondern teilweise zu Standvögeln geworden sind (Studie hier). Weiterlesen

Den Schönen gehört die Wissenschaft

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Da schmilzt das Forscherherz: Koalas stehen in der Gunst der Wissenschaft ganz oben.

Sie machen einen grossen Teil der Säugetierarten Australiens aus. Doch erforscht, geschweige denn geschützt, werden sie kaum. Und dies aus einem Grund: Weil sie hässlich sind. Von 331 in Australien lebenden Säugetieren gehören 45 Prozent zu den „Hässlichen“. Aber lediglich etwas mehr als ein Zehntel der Studien, die sich mit den australischen Säugetieren beschäftigen, haben die Hässlichen, zu denen vor allem einheimische Fledermäuse und Nagetiere zählen, zum Thema. Zu diesem Schluss kommen Patricia A. Fleming und Philip W. Bateman in ihrem Aufsatz: „The good, the bad, and the ugly: which Australian terrestrial mammal species attract most research?“ in der Mammal Review.

Zu den „Guten“ gehören die bekannten – und beliebten – tierischen Aushängeschilder Australiens: Natürlich die Koalas, die Kängurus, die Schnabeltiere und Ameisenigel. An diesen interessiert die Wissenschaft in erster Linie die Physiologie, die Anatomie oder auch die Taxonomie. Kein Wunder bei Säugetieren, die Eier legen oder ihre Jungen im Beutel aufziehen. Weiterlesen

Park statt Museum

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Am Heimplatz in Zürich entsteht ein neues Kunsthaus. Andere hätten hier lieber Bäume gesehen. (Bild: Markus Hofmann)

Es ist eine der besten Lage in der Stadt Zürich. Der Heimplatz. Hier sind derzeit die Baumaschinen aufgefahren. Der Stararchitekt David Chipperfield und sein Team setzen hier, so hofft es die Stadt, ein neues Wahrzeichen, die Erweiterung des Kunsthauses Zürich. Ein schöner Bau, wie die Baupläne verraten, und ein Bau, den die Kunst und Zürich verdient haben. Dennoch: Wäre es nicht noch schöner gewesen, hier einen Park anzulegen? Einen kleinen Central Park à la Zürich? (Den Erweiterungsbau hätte man am Stadtrand bauen können, womit man die Peripherie aufgewertet hätte.)

Ich wüsste auch einen Starparkgestalter, der in seinem Fach einen genauso guten Ruf geniesst wie Chipperfield in seinem: Gilles Clément. Weiterlesen

Biodiversität im Schatten des Klimas

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Der Uno-Klimarat IPCC gehört mittlerweile zum Allgemeinwissen. Seine Berichte zum Zustand des Klimas, die er regelmässig veröffentlicht, werden in Politik und Medien breit rezipiert. Gänzlich in seinem Schatten steht hingegen der Biodiversitätsrat, genauer: die „Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystems Services“ (IPBES). Diese Plattform wurde 2012 von über 100 Staaten ins Leben gerufen – mit dem Ziel, Politik und Öffentlichkeit auf wissenschaftlicher Basis über die Biodiversität und ihre Verfassung zu informieren. Doch über die Fachkreise hinaus ist die IPBES bisher kaum bekannt. Vergangene Woche trafen sich ihre Mitglieder – darunter auch die Schweiz – in Kuala Lumpur. Ein Bericht zur (bedrohlichen) Situation der Bestäuber sorgte in der Schweiz für wenig Aufmerksamkeit. Eine Ausnahme machte das Radio SRF (Beiträge hier und hier).

Die Beschlüsse des Biodiversitätsrats wurden jedoch gar nicht rapportiert. Einer davon hat es aber durchaus in sich. Bis 2019 soll nämlich der globale Zustand der Biodiversität sowie der Ökosystemleistungen erhoben werden – dies nicht nur im Hinblick auf die sogenannten Aichi-Biodiversitäts-Ziele, die bis 2020 erreicht werden müssen, sondern auch unter Berücksichtigung der Uno-Nachhaltigkeits-Ziele, die letztes Jahr verabschiedet wurden. Weiterlesen