Einjähriges Berufkraut: nicht so schlimm für die Biodiversität wie befürchtet – neue Studie

Gehört das Einjährige Berufkraut hinter Gitter oder gleich ausgerissen? (Bild: jhenning/Pixabay)

Gemäss Gesetz ist die Sache klar: Sogenannte invasive gebietsfremde Organismen „dürfen nicht für den direkten Umgang in der Umwelt in Verkehr gebracht werden“. So steht es in der Schweizer Freisetzungsverordnung.

Das hat einen guten Grund: Invasive gebietsfremde Organismen haben das Potenzial, heimische Arten zu verdrängen und die Biodiversität zu gefährden. Dies betonte der Weltbiodiversitätsrat IPBES in einem Bericht 2023. Auch für den Menschen können diese Organismen schädlich sein. Bekanntes Beispiel dafür in der Schweiz ist die Ambrosia artemisiifolia, das Aufrechte Traubenkraut, das bei Menschen starke allergische Reaktionen auslösen kann.

Im Anhang zur Verordnung hat der Bundesrat die betreffenden Organismen aufgelistet. Darunter auch: Erigeron annuus, das Einjährige Berufkraut. „Info Flora“, das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora, äussert sich eindeutig: Das Einjährige Berufkraut stelle „ein grosses Risiko für zahlreiche einheimische geschützte Pflanzenarten“ dar. Auch die „Flora des Kantons Zürich“ wählt entschiedene Worte: „Das Einjährige Berufkraut dringt zunehmend in Magerwiesen ein und bedrängt die einheimische Flora.“

Berufkraut-Jagd im Quartier

In der Schweiz gibt es verschiedene Bestrebungen, invasive gebietsfremde Arten wie das Berufkraut zu bekämpfen. Selbst die Zivilbevölkerung ist dazu aufgerufen, sich beim Ausreissen der Pflanzen zu beteiligen. In Zofingen etwa steht demnächst wieder ein solcher Anlass an: Neben dem Drüsigen Springkraut und nordamerikanischen Goldrute steht das Einjährige Berufkraut im Visier. Bebildert ist der Aufruf: mit einem Einjährigen Berufkraut.

Doch hat das Einjährige Berufkraut, das ursprünglich aus Nordamerika stammt und seit dem 17. Jahrhundert in Europa vorkommt, einen derart negativen Einfluss auf die heimische Flora? Denn auffällig ist, dass es in Europa neben der Schweiz lediglich in der Slowakei und Montenegro rechtlich als invasive gebietsfremde Art gilt.

Forscherinnen und Forscher schauten sich deshalb die Pflanze und ihr Wirken rund um Zürich nochmals genauer an. Die Studie von Katharina Genucci et. al. ist bei „Tuexenia“ erschienen.

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Grün ist nicht gleich grün: Gesundheitliche Vorteile von Bäumen in Wohngebieten

Bäume vor dem Haus wirken sich positiv auf die Bewohner aus. (Bild: Nicolas DEBRAY/Pixabay)

Im Grünen zu leben, ist gut für die Gesundheit. Dafür, so zeigen Studien, gibt es etliche Hinweise. Insbesondere Herz und Kreislauf profitieren, wenn man sich in naturnaher Umgebung aufhält: Ein Spaziergang im baumreichen Park tut dem gestressten Städter wohl. Oder reicht dafür auch ein Grünstreifen mit etwas Gras vor dem Haus?

Nein, kommen Forscherinnen und Forscher am Beispiel der USA zum Schluss. Gemäss ihrer im Journal „Environmental Epidemiology“ veröffentlichten Studie ist die Beschaffenheit des Grünraums für den gesundheitlichen Effekt durchaus von Belang.

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Wegen Corona-Lockdown: Winterammern in Kalifornien wächst der Schnabel

Wo gibt’s was von Menschen Weggeworfenes zu fressen? Winterammern in Städten verschmähen Food Waste nicht. (Bild: Deborah Jackson/Pixabay)

Erneut gibt es handfeste – oder in diesem Fall: „schnabelfeste“ – Hinweise darauf, wie sich die menschlichen Massnahmen während der Coronapandemie auf Wildtiere ausgewirkt haben könnten. In den letzten Umweltnotizen berichtete ich von Rotmilanen, die während des Lockdowns weniger Aas überfahrener Tiere entlang von Strassen fanden und deshalb ihre Nahrungssuche anpassten.

Im neusten Fall geht es nicht um eine Änderung des Verhaltens, sondern um eine der Morphologie: Die Schnabelform von Winterammern in Kalifornien änderte sich in kürzester Zeit – was möglicherweise ebenfalls mit dem Lockdown während der Pandemie zu tun hat, wie Forscherinnen im Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences“ berichten.

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Plötzlich weniger Aas auf der Strasse: Wie der Covid-Lockdown das Verhalten der Rotmilane beeinflusste

Rotmilane sind ausgesprochene Opportunisten: Sie holen sich die Nahrung – ob tot oder lebendig – dort, wo sie grad vorhanden ist. (Bild: Markus Hofmann)

Ich habe ihn immer noch im Ohr. Den Appell von Bundesrat Alain Berset während des Covid-19-Lockdowns im Frühling 2020: „Bleiben Sie zuhause.“

Der Aufruf wurde gehört. Während ein paar Wochen nahm die menschliche Mobilität massiv ab. Die noch fahrenden Züge waren fast leer. Auf den Strassen waren kaum Autos unterwegs.

Wo kaum Autos fahren, werden kaum Wildtiere überfahren. Und wo kaum Wildtiere zu Tode kommen, finden Aasfresser wie der Rotmilan keine Nahrung mehr.

Wie also reagierten die Rotmilane, die nicht nur kleine Tiere jagen, sondern auch Aas nicht verschmähen, auf solch plötzliche Veränderungen im Nahrungsangebot? Fressen sie mehr Mäuse? Diesen Fragen gingen Benedetta Catitti et. al. in der Westschweiz nach. Ihre Studie ist in „Biology Letters“ erschienen.

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Tolerante Stadteidechsen: Mauereidechsen in Städten haben mehr soziale Kontakte als ihre Artgenossen auf dem Land

Ist da jemand? Mauereidechsen können sich in Städten nicht so leicht aus dem Weg gehen. (Bild: Joël/Pixabay)

Mauereidechsen (Podarcis muralis) leben territorial und sind eher einzelgängerisch veranlagt. Doch in der Stadt zeigen sie sich sozial tolerant. Oder zumindest: toleranter als Mauereidechsen auf dem Land.

Das konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer Untersuchung in Kroatien belegen. Ihre Studie ist in „Biology Letters“ erschienen. Sie zeigten damit auch, wie sich die Verstädterung der Welt auf das Sozialverhalten von Wildtieren auswirken kann.

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Nichts wie weg: Wölfe nehmen vor menschlichem Geplauder Reissaus

Hat da jemand etwas gesagt? Wölfe reagieren auf menschliche Stimmen mit Flucht. (Bild: Markus Hofmann)

Wer hat Angst vor dem bösen grossen Wolf?

Die Beutetiere des Wolfs haben allen Grund dazu.

Ganz anders als die Menschen.

In ihrem Fall ist es gerade andersrum: Der Wolf hat gehörig Angst vor dem Menschen. Es genügt ein menschliches Geplauder. Und weg ist der Wolf.

Dies konnten Forscherinnen und Forscher in Polen filmisch dokumentieren. Die Ergebnisse des Experiments von Katharina Kasper et. al. ist in Current Biology erschienen.

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Wo Biber bauen, da fliegen mehr Fledermäuse

Der Biber: ein Renaturierungs-Ingenieur. (Bild: Ralf Schick/Pixaba)

Biber sind aktive Biodiversitätsförderer. Dort, wo sie ihre landschaftsarchitektonische Kraft zur Geltung bringen, entstehen Lebensräume, die – zumal in der dicht bewohnten und bebauten Schweiz – selten geworden sind.

Biber fällen Bäume, bauen Dämme, stauen Bäche und überfluten Landstriche, was einer ganzen Reihe von Arten zugute kommt, insbesondere Fischen und im Wasser lebenden Wirbellosen.

Doch auch terrestrische Arten profitieren von den Baukünsten der Biber. Zum Beispiele die Fledermäuse. Wie genau sie dies tun, hat eine Gruppe von Schweizer Forschern untersucht. Die Studie von Valentin Moser et. al. ist im „Journal of Animal Ecology“ erschienen.

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Mensch gegen Maschine: Bei der Vogelbestimmung hat der Mensch die Nase vorn

Kommt weltweit zum Einsatz: die „Merlin Bird ID“.

Vogelbestimmung leicht gemacht: Hört man einen Vogelgesang, schaltet man die App auf dem Smartphone an – und schon weiss man, welche Art sich gerade bemerkbar macht.

Besonders beliebt ist die App „Merlin Bird ID“ des Cornell Lab of Ornithology. Für den Hobby-Ornithologen wie mich leistet sie gute Dienste. Gerade auch bei den Vogelrufen, die mir nicht so geläufig sind.

Doch ist die App zuverlässig? Und zwar so zuverlässig, dass sie auch für Forschungszwecke eingesetzt werden kann?

Das wollten Forscherinnen und Forscher in den USA herausfinden und liessen die App gegen den Menschen antreten. Die Resultate dieses Wettkampfs sind in den „Ornithological Applications“ erschienen.

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Mauersegler und Co.: Auch im Himmel sind sie nicht sicher vor Plastik

Mauersegler schnappen sich in der Luft alles, was sich für den Nestbau eignet – auch Plastik. (Bild: M. Hofmann)

Kennen Sie diesen Witz?

Was haben alle Menschen gemeinsam?

Mikroplastik in ihrem Körper!

Der Gag lässt sich auf andere Tierarten erweitern. Zum Beispiel: Was haben alle Vögel gemeinsam? – Plastik in ihrem Nest.

Nun, Letzteres ist empirisch noch nicht nachgewiesen. Aber die Gruppe der Vogelarten, die nachweislich Plastik und andere menschengemachte Stoffe in ihren Nestern verbauen, erweitert sich. Neben den Seevögeln (zum Beispiel Basstölpel oder Blässhuhn) und den eher erdgebundenen Vögeln (zum Beispiel Schwarzmilan) verwenden auch diejenigen Vögel, die den grössten Teil ihres Lebens fliegend in der Luft verbringen und ihr Nestmaterial dort einfangen, Plastik für den Nestbau.

Zum ersten Mal wurde dies bei drei Seglerarten in Europa untersucht: den Mauer-, Fahl-, und Alpenseglern. Und siehe da: In über einem Drittel der geprüften Segler-Nester wurde anthropogenes Material, vor allem Plastik, gefunden. Die Studie von Alvaro Luna et. al. ist vor ein paar Monaten in „Science of the Total Environment“ erschienen.

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Fremde Gegenstände im Nest halten Elstern fern. Denn diese mögen Unbekanntes gar nicht.

Klug und vorsichtig: Elster. (Bild: Markus Hofmann)

Krähenvögel wie Kolkraben oder Elstern gehören zu den klügsten Tieren. Mit der Cleverness geht eine weitere Eigenschaft einher: Vorsicht. Wenn Krähenvögel etwas nicht mögen, dann ist es das Neue und Unbekannte.

Sie sind neophob. Sie haben Angst vor dem Neuen.

Neophobie hilft beim Überleben. Wer eine neue Lage oder eine neue mögliche Futterquelle zuerst sorgfältig prüft, bevor er sich in sie stürzt beziehungsweise hinunterschlingt, vermeidet potenziell tödliche Gefahren.

Möglicherweise machen sich die Beutetiere der Krähenvögel diese Neophobie zunutze, wie die beiden norwegischen Forscher Magne Husby und Tore Slagsvold in einem Experiment mit Elstern und Kolkraben zeigen konnten. Die Resultate haben sie in Royal Society Open Science veröffentlicht.

Gefürchtete Nesträuber

Genauso wie Elstern und Kolkraben Neuem abgeneigt sind, so sind sie dem Nachwuchs anderer Vogelarten zugeneigt: Als Nesträuber, die Eier und Küken fressen, sind sie gefürchtet.

Doch zeigt das auszuraubende Nest eine Anomalie wie einen glänzenden Teelöffel oder eine weisse Hühnerfeder, schrillen bei Elstern und Kolkraben alle Alarmglocken: Achtung, da ist was Neues, was nicht dorthin gehört!

Verwenden also Vögel beim Nestbau menschengemachte Gegenstände oder artfremde grosse Federn, hält dies die Krähenvögel davon ab, das Nest auszurauben – zumindest für eine gewisse Zeit.

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