Eine Magerwiese im Zentrum Zürichs: So sollte es immer sein

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Magerwiese statt Pflastersteine mitten in Zürich. (Bild: M. Hofmann)

Es ist Freitagabend, die Aussenplätze der Restaurants und Bars sind gut besetzt und die Temperaturen mild, der Sommer ist nochmals zurückgekehrt. Doch mitten in Zürich herrscht eine entspannte Ruhe. Nur das Geschrei der Alpensegler, die in hohem Tempo hinter dem Zifferblatt der Fraumünsterkirche in ihren Nistplätzen verschwinden, ist deutlich zu vernehmen. Im Münsterhof, dem mondänen Herzen der Zürcher Altstadt, zücken Passanten ihr Handy. Sie nehmen aber nicht die Fraumünsterkirche oder das Zunfthaus zur Meisen in den Fokus. Sondern ein Stück Wiese. Weiterlesen

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Möwen, die die Stadt mehr lieben als das Meer

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Heringsmöwe im Anflug. (Bild: Ludovic Péron, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15062227)

Elgin ist ein idyllisches Städtchen in Schottland. Touristische Hauptattraktion sind die Überreste einer einstmals grossen Kathedrale, die während der Reformation zerstört wurde. Weit auffälliger als die Ruine ist derzeit aber etwas anderes: Auf fast jedem Dach der Stadt sitzt eine Möwe. Andere fliegen durch die Strassen, knapp an Passanten und Autos vorbei. Die Stadt ist eine grosse Möwenkolonie. Das Geschrei ruht kaum. Es ist das letzte, was man vor dem Einschlafen hört, und in der Früh wird man wieder davon geweckt. Diese Stadt, so scheint es, gehört den Möwen, nicht den Menschen.

Vor allem Silber- und Heringsmöwen haben den Ort in Beschlag genommen. Obwohl diese eigentlich am Meer heimisch sind, scheinen sie in Elgin, das doch einige Kilometer vom Strand entfernt liegt, nichts zu vermissen.

Dass sich die Möwen in britischen Städten wohl fühlen, bestätigt nun eine Studie in „Nature“. Es geht ihnen in den Städten gar so gut, dass ihre Bestände dort zunehmen, während sie ausserhalb urbaner Gebiete, also in ihren ursprünglichen Habitaten, abnehmen.

Doch das gefällt längst nicht allen Städtern. Nicht nur der Lärm stört. Auch der Dreck, den sie (auf Autos) hinterlassen. Oder ihr manchmal aggressives Verhalten. In Ruhe Fish and Chips essen? Nicht wenn sich in der Nähe ein paar hungrige Möwen aufhalten. Weiterlesen

In Zürich kreuchen und fleuchen mehr Tiere als noch vor zehn Jahren

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Hier finden sich Frösche, Libellen, Schlangen, Insekten, Schmetterlinge und Vögel: Weiher im Zürcher Stadtwald. (Bild: Markus Hofmann)

Seit zehn Jahren zählt die Stadt Zürich jährlich ihre wilden Tiere: die Reptilien, Amphibien, Tagfalter, Heuschrecken, Libellen und Vögel. Sie tut dies jeweils auf einem Zehntel des Stadtgebiets (ausser bei den Vögeln, da wird der Zensus jeweils zweiteilig links und rechts der Limmat durchgeführt). Nun war es also soweit: Die Zählung eines Gebiets fand zum zweiten Mal statt, womit sich ein Vergleich anstellen lässt. Und das Resultat zeigt Erfreuliches.

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Salgados Botschaft: Bewahrt die letzten Reste der Urnatur

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Sebastião Salgado. (Bild: Fernando Frazão/Agência Brasil – http://agenciabrasil.ebc.com.br/geral/foto/2016-10/camara-de-comercio-franca-brasil-premia-sebastiao-salgado, CC BY 3.0 br, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52614053)

Da schreitet Eva. Sie trägt lediglich Kopf-, Kinn- und Armschmuck. Auf einem umgefallenen Baumstamm balancierend überquert sie ein Gewässer im Dschungel. Auf der Suche nach Adam?

Eva ist nicht Eva, sondern eine Angehörige des Stamms der Zo’é in Brasilien. Doch der berühmte Fotograf Sebastião Salgado hat die junge Schönheit in alttestamentarischer Manier inszeniert: die Urfrau in Schwarzweiss. Nun erhält Salgado den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Er ist der erste Fotograf, dem diese Ehre zuteil wird. Weiterlesen

Eine globale Premiere: London wird zur National Park City

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Die Weltstadt London zeichnet sich durch eine hohe biologische Vielfalt aus. Das soll so bleiben. (Bild: Zdravko Batalic/Pixabay)

Wieso kann die Grossstadt London eigentlich kein Nationalpark sein, fragte sich der ehemalige Geographie-Lehrer und heutige „Guerilla Geographer“ Daniel Raven-Ellison 2013. Kann es Nationalparks nur draussen auf dem Land geben?

Nein, war seine Antwort: Machen wir aus London eine „National Park City“!

Nach Jahren der Überzeugungsarbeit und Vorbereitung ist es nun soweit. Am 22. Juli 2019 ist der offizielle Launch der „London National Park City“. London wird damit zum Nationalpark – und wird es wiederum nicht. Weiterlesen

Mehr biologische Vielfalt im Garten: Sollen Schotter, Thuja und Kirschlorbeer verboten werden?

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Vielfalt statt eintöniger Rasen oder Schotter. (Bild: Markus Hofmann)

Taucht in Ihrem Garten ein sogenanntes invasives gebietsfremdes Tier auf oder blüht in Ihrem Rasen eine invasive gebietsfremde Pflanze, droht in Zukunft der Staat einzugreifen. Die Schweizer Regierung will das Umweltschutzgesetz entsprechend ändern. „Inhaberinnen und Inhaber von Grundstücken (…), die von invasiven gebietsfremden Organismen befallen sind oder befallen sein könnten,“ soll es neu im Gesetz heissen, „haben deren Überwachung, Isolierung, Behandlung oder Vernichtung in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden vorzunehmen oder diese Massnahmen zu dulden.“

Mit diesem Eingriff in das Privateigentum sollen nicht nur Menschen vor möglichen Gefahren, sondern es soll auch die biologische Vielfalt geschützt werden. Invasive gebietsfremde Arten können die Biodiversität negativ beeinflussen (auch wenn man dabei nicht unnötige Panik verbreiten sollte; siehe Fred Pearce: Die neuen Wilden).

Wenn sich der Bundesrat berechtigterweise um die Biodiversität sorgt und dabei sogar in die Gärten seiner Bürgerinnen und Bürger eingriffen will, so denke ich: Wieso geht er nicht ein paar Schritte weiter?

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Hol’s der Geier: Spanische Bauern lassen die Kadaver ihrer Nutztiere wieder vermehrt auf der Weide zurück

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Den Mönchsgeiern in Spanien fehlt es häufig an Nahrung. (Bild: zoosnow/Pixabay)

Es ist ein grosser Erfolg des Naturschutzes: In den 1970er Jahren betrug der Mönchsgeier-Bestand in Spanien gerade einmal 200 Paare. Heute liegt er bei 2500 Paaren, was 96 Prozent des europäischen Bestandes entspricht. Doch steigt die Zahl der Geier, braucht es auch mehr Futter, sprich: Aas. Und dieses ist häufig Mangelware.

Üblicherweise bedienen sich die Geier nicht nur an totem Wild, sondern auch an verendeten Nutztieren wie Schafen oder Kühen. Mit der Intensivierung der Nutztierhaltung, bei der die Tiere sich nicht mehr unbedingt dort aufhalten müssen, wo ihr Futter wächst, sondern im Stall, sowie verschärften Hygienevorschriften (Stichwort BSE), die von den Bauern das Entfernen toter Nutztiere verlangen, fehlt es den Geiern aber zunehmend an Nahrung.

In der spanischen Region Kastilien und Léon sind nun aber die Regeln geändert worden. In den vergangenen vier Jahren bemühten sich Naturschützer zusammen mit den Bauern – unterstützt durch die regionale Regierung – darum, dass die Geier wieder einen besser gedeckten Tisch vorfinden. Und es funktioniert. Weiterlesen