Remembrance Day for Lost Species – Rituale für die Ausgestorbenen

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Beutelwolf oder Tasmanischer Tiger, 1936 ausgerottet. (Bild Baker; E.J. Keller. – Report of the Smithsonian Institution. 1904)

In Brighton trifft sich heute Abend um 18 Uhr eine Gruppe von Leuten, einige werden Laternen mit sich führen, andere ein Instrument spielen oder eine Maske tragen, wieder andere sind als Tiere verkleidet. Sie werden an den Strand spazieren und dort eines ausgestorbenen Tieres gedenken – des Beutelwolfs, auch Tasmanischer Tiger genannt. In London, an der Vanbrugh Park Road, wird zur selben Zeit ein Abendessen stattfinden in Erinnerung an den Dodo, einen flugunfähigen Vogel auf Mauritius, der Ende des 17. Jahrhunderts ausgerottet wurde. In Berlin lesen Schriftsteller aus ihren Gedichten und Künstler zeigen ihre Werke zu Ehren ausgestorbener Tiere. In Melbourne kümmert man sich in Gedenkveranstalungen um Arten, die in baldiger Zukunft ausgestorben sein könnten. Und in Englewood (USA, Colorado) kann man sich ein Stundenglas tätowieren lassen als Symbol für das andauernde Aussterben.

Der 30. November ist der Remembrance Day for Lost Species. Von Grossbritannien, über Belgien, Deutschland, Österreich bis nach China und Australien finden Rituale statt, um über den Verlust von Arten zu trauern.  Weiterlesen

Die Attraktion des Bedrohten

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H&M-Kindermode mit WWF-Label. (Bild Markus Hofmann)

Der WWF hat keine Angst vor den Grossen. Selber eine Macht scheut die Naturschutzorganisation nicht davor zurück, mit einflussreichen Unternehmen ins Geschäft zu kommen. Dies gehört gar zur Strategie: Um etwas zu bewegen, muss man die grossen Unternehmen dazu bringen, nachhaltig zu wirtschaften. Theoretisch ist das richtig. Das Vorgehen ist allerdings auch mit Gefahren für die eigene Glaubwürdigkeit verbunden. Der WWF gerät immer wieder in den Verdacht, Unternehmen unberechtigterweises ein grünes Etikett umzuhängen („Greenwashing“), wie der Streit um das „Schwarzbuch WWF“ von Wilfried Huismann exemplarisch zeigte.

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DiCaprios Klima-Lektion

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Leonardo DiCaprio in „Before The Flood“. (Screenshot: National Geographic/Youtube)

Leonard DiCaprio ist nicht nur ein preisgekrönter Filmstar. Er ist auch ein Friedensbotschafter der Uno, der sich in dieser Funktion besonders des Klimawandels annehmen soll. Ein Produkt seines Tuns auf internationaler politischer Ebene ist gerade erschienen. Im Dokumentarfilm „Before The Flood“ reist er auf der Suche nach Lösungen für den Klimawandel rund um die Erde. Der Film steht im Internet für eine Woche gratis zur Verfügung.

Als Prominenter der höchsten Preisklasse sowie Uno-Botschafter hat DiCaprio Zugang zu den Mächtigsten dieser Welt. Dieses Privileg nutzt DiCaprio. Anders als etwa im Film „Tomorrow“ interessiert DiCaprio weniger, was die Menschen in ihrem Alltag wirklich tun, um den Umweltverschlechterungen etwas entgegenzusetzen. Er holt vielmehr die Meinungen von Elon Musk, John Kerry, Obama oder dem Papst ab. Und klar: Er widerspricht diesen nicht.

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Ökosünden beichten? Besser gleich verzichten

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Gesündigt? Dann ab zur Beichte. (Bild Markus Hofmann)

Oje, nun gibt es einen „Ökobeichtstuhl“. Die Verbindung von „Öko“ und Religion wird gerne von denjenigen gezogen, die ökologisches Handeln als reine Glaubenssache und damit als im Grunde überflüssig abtun. Auch sogenannte Zukunftsforscher haben im „Ökologismus“ schon die neue „Weltrettungsreligion“ erkannt. Doch der Ökobeichtstuhl stammt weder von Öko-Kritikern noch von Hellsehern. Gebaut haben ihn Forscher der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (Institut für Umwelt und natürliche Ressouren). Derzeit steht er im neuen Kulturpark in Zürich. Weiterlesen

Verdacht auf vergiftete Wanderfalken – was tun?

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Im Visier fanatischer Taubenzüchter: Wanderfalke.

Am Boden liegen ein toter Wanderfalke und eine leblose Taube. Oder man findet – abseits von Gebäuden mit grossen Fenstern, mit denen Vögel zusammengestossen sein könnten – mehrere verendete Greifvögel. Oder man beobachtet eine Taube, die einen eigenartig und unnatürlich verschmutzten Nacken aufweist – pink-, violett-, blau- oder grünfarbig. Oder eine Taube flattert – möglicherweise in der Nähe eines Taubenschlags – unbeholfen umher, da ihre Flügel- oder Schwanzfedern kupiert sind. Dann ist der Griff zum Telefon angezeigt: Polizei (Tel. 117) und BirdLife Schweiz (Tel. 0444577020, wanderfalke@birdlife.ch) sind zu informieren. Denn möglicherweise liegen Fälle von vorsätzlicher Vergiftung von Greifvögeln vor. Ein Offizialdelikt, dem die Ermittlungsbehörden nachgehen müssen. Weiterlesen

„…wir sind jetzt ganz blöd dran!“

MARC CHARDONNENS IN ITTIGEN
Marc Chardonnens, Direktor des Bundesamtes für Umwelt (Foto: Heike Grasser/Ex-Press/Bafu)

Bisher hat der neue Direktor des Bundesamtes für Umwelt (Bafu), Marc Chardonnens, den Medien noch kaum Interviews gewährt. Ein Gespräch, das er der amtsinternen Medienabteilung gab und das auf der Bafu-Website erschien, sorgte im Frühling für erhöhte Aufmerksamkeit.  Zum Thema Abfall befragt, sagte er etwa: „Wir müssen (…) unseren Konsum mässigen. (…)  Unsere Gesellschaften müssen sich trauen, nach dem Sinn des Konsums zu fragen.“ Sofort wurde ihm dies als Zustimmung zur Initiative für eine „Grüne Wirtschaft“ ausgelegt. Seine Chefin, Umweltministerin Doris Leuthard, sowie ihre Bundesratskollegen, lehnten das Volksbegehren ab; dem schloss sich Chardonnens als loyaler Amtsdirektor an. Im September ist die Initiative der Grünen deutlich abgelehnt worden. Zudem stand er dem „Journal du Jura“ im April kurz Red und Antwort (online nicht verfügbar).  Das erste längere Gespräch in deutscher Sprache ist nun im „Ornis“, der Zeitschrift von BirdLife Schweiz, erschienen (nur print). Darin setzt sich Chardonnens das Ziel, während seiner Amtszeit den Aktionsplan Biodiversität zu verabschieden. Weiterlesen

Aus Munitionskisten werden Nistkästen

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Schleiereule: Freund jedes Bauern, frisst sie doch Unmengen an Mäusen.

„Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen“, heisst es in der Bibel. Oder zeitgenössisch ausgedrückt: Dann bauen sie aus Munitionskisten Nistkästen. Das geschieht tatsächlich. Und zwar in Israel.

Seit den 1980er Jahren werden in Israel Schleiereulen (und in letzter Zeit auch Turmfalken, die im Gegensatz zu den Eulen tagsüber jagen) angesiedelt, um Schädlinge zu bekämpfen. Denn ein Schleiereulenpaar vertilgt zusammen mit seinen Jungen jährlich 2000 bis 5000 Nagetiere, die sich an der Ernte der Bauern gütlich tun. Mit der natürlichen Bekämpfungsmassnahme konnte der Einsatz von giftigen Pestiziden in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt werden. Weiterlesen