Vogelbestände in der Schweiz: Schlecht sieht es im Kulturland aus, gut im Wald

Numenius_Arquata_Oulu_20100427
Verschwunden: Der Grosse Brachvogel brütet nicht mehr in der Schweiz.

Die Buchvernissage findet zwar erst Mitte November statt. Doch mehrere Wochen, bevor das Buch erhältlich ist, bietet die Schweizerische Vogelwarte Sempach Einblick in die Resultate einer ihrer aufwendigsten Publikationen der letzten Jahre: Der neue „Schweizer Brutvogelatlas“ wird aufzeigen, wie sich die Vogelbestände zwischen 1990 und 2016 verändert haben. Der letzte Atlas erschien vor 20 Jahren.

Zwischen 2013 und 2016 haben neben dem Team der Vogelwarte über 2000 Freiwillige die Brutvögel der Schweiz aufgespürt und gezählt. Einige Befunde sind nun bereits bekannt (siehe dazu „Artenförderung Vögel Schweiz“, Rundbrief 22, August 2018; Jahresbericht „Vogelwarte 2018“; „Wo sind die Vögel hin?“, Tages-Anzeiger). Weiterlesen

Advertisements

2000 Arten in vier Tagen: Biodiverse Tiefenbohrungen auf dem Furkapass

furka-pass-1675330_1920
Keineswegs lebensfeindlich: die Region um den Furkapass in der Schweiz.

Kennerinnen und Kenner von Mücken, Flechten, Schnecken, Pilzen, Moosen, Käfern, Vögeln, Säugetieren, Endomykorrhiza, Muscheln, Schalenamöben, Pflanzen und vielem mehr trafen sich im Sommer vor sechs Jahren auf dem Furkapass. Sie hatten ein Ziel: während vier Tagen möglichst viele Arten bestimmen. Die 47 Experten untersuchten vom 23. bis 26. Juli 2012 die Biodiversität in rund 2400 Meter Höhe über Meer akribisch.

Und einmal mehr kommt man ins Staunen: Wenn man ganz genau hinschaut, tut sich eine unglaubliche Fülle auf, auch in einer Region, die auf den ersten Blick lebensfeindlich erscheint.

Die Spezialisten fand über 2000 Arten, darunter auch einige, die in der Schweiz oder überhaupt noch nicht bekannt waren. Nun sind die Ergebnisse zusammengefasst in einer Broschüre der Alpinen Forschungs- und Ausbildungsstation Furka erschienen. Weiterlesen

Tierrechte: Stehen wir vor einem Paradigmenwechsel?

pig-1238044_1920
Wenn Tiere über eigene Rechte verfügten, wäre ihre Nutzung durch Menschen stark eingeschränkt.

Sollen Tiere eigene Rechte haben? Sollen sie nicht nur Rechtsobjekte, sondern auch Träger von Rechten, also Rechtssubjekte sein?

Die Schweizer Juristin Saskia Stucki findet: Ja, unbedingt. In ihrem Buch „Grundrechte für Tiere“ arbeitet sie eine Tierrechtstheorie aus. Der Clou dabei: Stucki findet bereits im geltenden (schweizerischen) Tierschutzrecht viele Elemente, die sich mit den Elementen eines auf Tierrechten basierten Rechtssystems vertragen. Denn das  tierschutzethische Niveau des Tierschutzrechts ist hoch. Allerdings klafft eine ziemlich grosse Kluft zwischen dem ethischem Anspruch und der rechtlichen Verwirklichung.

Doch welche Folgen hätten Tierrechte? Und ist dies nicht ein utopisches Projekt? Darüber habe ich mit Saskia Stucki im „Echo der Zeit“ von Radio SRF gesprochen. Das Interview können Sie hier nachhören.

Wir sind wie Albatrosse, die lebendigen Leibes von Mäusen angefressen werden

Bildschirmfoto 2018-07-02 um 15.10.48
Ein Tristan-Albatros-Küken auf Gough Island. Ihm drohen unbekannte Gefahren: Mäuse. (Screenshot Birdlife International)

Sie sind ihnen schutzlos ausgeliefert. Denn sie wissen nicht, wie ihnen geschieht. Albatrosküken und nistende Albatroseltern werden auf abgelegenen Inseln von Mäusen bei lebendigem Leibe angefressen. Die Albatrosse verbluten oder sterben an den infizierten Wunden. Die Vögel wehren sich nicht gegen die viel kleineren Mäuse. Diese Nager sind etwas völlig Neues für sie. Während Jahrtausenden mussten sie sich nie gegen solche Feinde wehren. Doch die Mäuse kamen mit Seefahrern auf die Inseln und bedrohen nun die Albatrosse. Videos zeigen Albatrosse, die die Mausattacken beinahe regungslos über sich ergehen lassen (nichts für Zartbesaitete).

Die Evolution hat die Albatrosse nicht auf diese neue Gefahr vorbereitet.

Womit wir beim Menschen wären.

Weiterlesen

Mal was Positives: Der Mittelspecht feiert ein Comeback in der Schweiz

Dendrocopos_medius_(Marek_Szczepanek)
Mittelspecht, hier mal an einer Birke und nicht an einer von ihm geliebten Eiche. (Bild: Marek Szczepanek)

Das nennt man wohl Übererfüllung. Vor zehn Jahren setzten sich das Bundesamt für Umwelt zusammen mit Birdlife Schweiz sowie der Schweizerischen Vogelwarte Sempach für den Mittelspecht ein Ziel: Bis 2035 sollten wieder mindestens 700 Brutpaare dieser Spechtart in der Schweiz leben. Damals schätzte man den Bestand auf rund 500 Brutpaare: ein kleiner und verletzlicher Bestand, wie es damals hiess.

Nun hat man erneut gezählt: 2016 waren es – sage und schreibe: 1696 bis 2042 Mittelspecht-Reviere, wie Martin Schuck et. al. in der neusten Ausgabe des „Ornithologischen Beobachters“ berichten (Band 115, Heft 2, Juni 2018, 91-106). Also über dreimal mehr als 2008, als der „Aktionsplan Mittelspecht Schweiz“ ins Leben gerufen wurde. Ingesamt gehen die Schätzungen davon aus, dass der Mittelspechtbestand gesamtschweizerisch seit dem Jahr 2000 um den Faktor 2 bis 2,5 zugenommen hat. Weiterlesen

Vor diesem Porträtisten sind alle Tiere gleich

IMG_2941
Schneegeier aus dem Buch „Birds of the Photo Ark“ von Joel Sartore.

Sein Ziel ist ehrgeizig. Der amerikanische Fotograf Joel Sartore will alle in Zoos gehaltenen Tierarten vor seine Kamera bringen. Das wären rund 12’000 Arten. Sein Augenmerk gilt vor allem gefährdeten Arten. Den mittelamerikanischen Laubfrosch Ecnomiohyla rabborum hatte er fotografiert, kurz bevor dieser ausstarb.

„Photo Ark“ heisst Sartores Projekt, das der unter anderem für National Geographic arbeitende Journalist 2005 startete. Etwa 6500 Tiere, die sich in menschlicher Obhut befinden, hat Sartore bisher in rund 40 Ländern fotografiert. Er schätzt, dass er nochmals 15 Jahre benötigt, bis er sie alle porträtiert hat. Weiterlesen

Massenaussterben – übrig bleiben nur Worte

560px-DodoMansur
Der Dodo, Ausschnitt eines Bildes von Mansur (Hermitage, St. Petersburg)

Manche Dodos sollen einfach sitzen ge- / Blieben sein, sich mit Stöcken erschlagen lassen haben

Wir befinden uns mitten im sechsten Massenaussterben. Die natürliche Aussterberate wird derzeit um das 1000-Fache überschritten. Arten verschwinden, bevor wir sie überhaupt kennengelernt haben. Andere rafft es vor unserer eigenen Haustüre hinweg. Der Hauptgrund für das „übernatürliche“ Aussterben: der Mensch.

Diesem redet der Dichter Mikael Vogel ins Gewissen. Seinen neuesten Gedichtband „Dodos auf der Flucht“ widmet er ausgestorbenen sowie vom Aussterben bedrohten Tieren – und ein ganzes Kapitel dem titelgebenden Dodo, dem sagenumwobenen Vogel, der Ende des 17. Jahrhunderts auf Mauritius, wo er heimisch war, endgültig von dannen ging. Von Menschen eingeschleppte Ratten, Affen und Haustiere machten dem flugunfähigen Vogel den Garaus. Weiterlesen