Vertrauter Gesang aus voller Kehle: Rotkehlchen tragen einiges zur heimischen Klangkulisse bei. (Bild: Markus Hofmann)
Vogelgesang tut gut. Spaziert man durch einen Park oder einen Wald und lauscht den Vögeln, wirkt sich dies positiv auf das Wohlbefinden aus, der Stresslevel sinkt. Es gibt etliche Studien, die dies nahelegen (hier eine Untersuchung, die kürzlich erschienen ist).
Jede und jeder kann die Probe aufs Exempel machen. Gerade jetzt im Frühling braucht es dafür keinen grossen Aufwand. Die Vögel singen derzeit um die Wette.
Wie immer, wenn es in der Forschung auf eine Frage eine plausible Antwort gibt, stellen sich neue Fragen. Zum Beispiel: Spielt es für das Wohlbefinden eine Rolle, ob der Gesang von heimischen oder fremden Vögeln stammt? Und hat die Anzahl der zu hörenden Tierstimmen, also die Diversität, ebenfalls einen Einfluss?
Gehört das Einjährige Berufkraut hinter Gitter oder gleich ausgerissen? (Bild: jhenning/Pixabay)
Gemäss Gesetz ist die Sache klar: Sogenannte invasive gebietsfremde Organismen „dürfen nicht für den direkten Umgang in der Umwelt in Verkehr gebracht werden“. So steht es in der Schweizer Freisetzungsverordnung.
Das hat einen guten Grund: Invasive gebietsfremde Organismen haben das Potenzial, heimische Arten zu verdrängen und die Biodiversität zu gefährden. Dies betonte der Weltbiodiversitätsrat IPBES in einem Bericht 2023. Auch für den Menschen können diese Organismen schädlich sein. Bekanntes Beispiel dafür in der Schweiz ist die Ambrosia artemisiifolia, das Aufrechte Traubenkraut, das bei Menschen starke allergische Reaktionen auslösen kann.
Im Anhang zur Verordnung hat der Bundesrat die betreffenden Organismen aufgelistet. Darunter auch: Erigeron annuus, das Einjährige Berufkraut. „Info Flora“, das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora, äussert sich eindeutig: Das Einjährige Berufkraut stelle „ein grosses Risiko für zahlreiche einheimische geschützte Pflanzenarten“ dar. Auch die „Flora des Kantons Zürich“ wählt entschiedene Worte: „Das Einjährige Berufkraut dringt zunehmend in Magerwiesen ein und bedrängt die einheimische Flora.“
Berufkraut-Jagd im Quartier
In der Schweiz gibt es verschiedene Bestrebungen, invasive gebietsfremde Arten wie das Berufkraut zu bekämpfen. Selbst die Zivilbevölkerung ist dazu aufgerufen, sich beim Ausreissen der Pflanzen zu beteiligen. In Zofingen etwa steht demnächst wieder ein solcher Anlass an: Neben dem Drüsigen Springkraut und nordamerikanischen Goldrute steht das Einjährige Berufkraut im Visier. Bebildert ist der Aufruf: mit einem Einjährigen Berufkraut.
Doch hat das Einjährige Berufkraut, das ursprünglich aus Nordamerika stammt und seit dem 17. Jahrhundert in Europa vorkommt, einen derart negativen Einfluss auf die heimische Flora? Denn auffällig ist, dass es in Europa neben der Schweiz lediglich in der Slowakei und Montenegro rechtlich als invasive gebietsfremde Art gilt.
Im Grünen zu leben, ist gut für die Gesundheit. Dafür, so zeigen Studien, gibt es etliche Hinweise. Insbesondere Herz und Kreislauf profitieren, wenn man sich in naturnaher Umgebung aufhält: Ein Spaziergang im baumreichen Park tut dem gestressten Städter wohl. Oder reicht dafür auch ein Grünstreifen mit etwas Gras vor dem Haus?
Wo gibt’s was von Menschen Weggeworfenes zu fressen? Winterammern in Städten verschmähen Food Waste nicht. (Bild: Deborah Jackson/Pixabay)
Erneut gibt es handfeste – oder in diesem Fall: „schnabelfeste“ – Hinweise darauf, wie sich die menschlichen Massnahmen während der Coronapandemie auf Wildtiere ausgewirkt haben könnten. In den letzten Umweltnotizen berichtete ich von Rotmilanen, die während des Lockdowns weniger Aas überfahrener Tiere entlang von Strassen fanden und deshalb ihre Nahrungssuche anpassten.
Im neusten Fall geht es nicht um eine Änderung des Verhaltens, sondern um eine der Morphologie: Die Schnabelform von Winterammern in Kalifornien änderte sich in kürzester Zeit – was möglicherweise ebenfalls mit dem Lockdown während der Pandemie zu tun hat, wie Forscherinnen im Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences“ berichten.
Rotmilane sind ausgesprochene Opportunisten: Sie holen sich die Nahrung – ob tot oder lebendig – dort, wo sie grad vorhanden ist. (Bild: Markus Hofmann)
Ich habe ihn immer noch im Ohr. Den Appell von Bundesrat Alain Berset während des Covid-19-Lockdowns im Frühling 2020: „Bleiben Sie zuhause.“
Der Aufruf wurde gehört. Während ein paar Wochen nahm die menschliche Mobilität massiv ab. Die noch fahrenden Züge waren fast leer. Auf den Strassen waren kaum Autos unterwegs.
Wo kaum Autos fahren, werden kaum Wildtiere überfahren. Und wo kaum Wildtiere zu Tode kommen, finden Aasfresser wie der Rotmilan keine Nahrung mehr.
Wie also reagierten die Rotmilane, die nicht nur kleine Tiere jagen, sondern auch Aas nicht verschmähen, auf solch plötzliche Veränderungen im Nahrungsangebot? Fressen sie mehr Mäuse? Diesen Fragen gingen Benedetta Catitti et. al. in der Westschweiz nach. Ihre Studie ist in „Biology Letters“ erschienen.
Ist da jemand? Mauereidechsen können sich in Städten nicht so leicht aus dem Weg gehen. (Bild: Joël/Pixabay)
Mauereidechsen (Podarcis muralis) leben territorial und sind eher einzelgängerisch veranlagt. Doch in der Stadt zeigen sie sich sozial tolerant. Oder zumindest: toleranter als Mauereidechsen auf dem Land.
Das konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer Untersuchung in Kroatien belegen. Ihre Studie ist in „Biology Letters“ erschienen. Sie zeigten damit auch, wie sich die Verstädterung der Welt auf das Sozialverhalten von Wildtieren auswirken kann.
Biber sind aktive Biodiversitätsförderer. Dort, wo sie ihre landschaftsarchitektonische Kraft zur Geltung bringen, entstehen Lebensräume, die – zumal in der dicht bewohnten und bebauten Schweiz – selten geworden sind.
Biber fällen Bäume, bauen Dämme, stauen Bäche und überfluten Landstriche, was einer ganzen Reihe von Arten zugute kommt, insbesondere Fischen und im Wasser lebenden Wirbellosen.
Doch auch terrestrische Arten profitieren von den Baukünsten der Biber. Zum Beispiele die Fledermäuse. Wie genau sie dies tun, hat eine Gruppe von Schweizer Forschern untersucht. Die Studie von Valentin Moser et. al. ist im „Journal of Animal Ecology“ erschienen.
Vogelbestimmung leicht gemacht: Hört man einen Vogelgesang, schaltet man die App auf dem Smartphone an – und schon weiss man, welche Art sich gerade bemerkbar macht.
Besonders beliebt ist die App „Merlin Bird ID“ des Cornell Lab of Ornithology. Für den Hobby-Ornithologen wie mich leistet sie gute Dienste. Gerade auch bei den Vogelrufen, die mir nicht so geläufig sind.
Doch ist die App zuverlässig? Und zwar so zuverlässig, dass sie auch für Forschungszwecke eingesetzt werden kann?
Mauersegler schnappen sich in der Luft alles, was sich für den Nestbau eignet – auch Plastik. (Bild: M. Hofmann)
Kennen Sie diesen Witz?
Was haben alle Menschen gemeinsam?
Mikroplastik in ihrem Körper!
Der Gag lässt sich auf andere Tierarten erweitern. Zum Beispiel: Was haben alle Vögel gemeinsam? – Plastik in ihrem Nest.
Nun, Letzteres ist empirisch noch nicht nachgewiesen. Aber die Gruppe der Vogelarten, die nachweislich Plastik und andere menschengemachte Stoffe in ihren Nestern verbauen, erweitert sich. Neben den Seevögeln (zum Beispiel Basstölpel oder Blässhuhn) und den eher erdgebundenen Vögeln (zum Beispiel Schwarzmilan) verwenden auch diejenigen Vögel, die den grössten Teil ihres Lebens fliegend in der Luft verbringen und ihr Nestmaterial dort einfangen, Plastik für den Nestbau.