Aus Kaffeesatz wird Kaffeetasse

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Was beim Kaffeemachen übrig bleibt, wird zu Geschirr. (Bild: Markus Hofmann)

Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub – und Kaffee zu Kaffee. Ich sitze in der „Oslo Kaffebar“ in Berlin, vor mir auf dem Tisch steht ein frischgebrauter Espresso, aber nicht in einer weissen Porzellantasse, sondern in einer braunen Tasse, die aus einem undefinierbaren Material gefertigt zu sein scheint. Anders als Porzellangeschirr ist dieses Gefäss sehr leicht. Es hinterlässt den Eindruck, nicht so rasch zu zerbrechen. Fiele es auf den Boden, ginge es wohl nicht kaputt. Plastik? Oder irgendein anderer Kunststoff? 

Nein. Die Kaffeetasse besteht aus – Kaffee. Weiterlesen

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„…wir sind jetzt ganz blöd dran!“

MARC CHARDONNENS IN ITTIGEN
Marc Chardonnens, Direktor des Bundesamtes für Umwelt (Foto: Heike Grasser/Ex-Press/Bafu)

Bisher hat der neue Direktor des Bundesamtes für Umwelt (Bafu), Marc Chardonnens, den Medien noch kaum Interviews gewährt. Ein Gespräch, das er der amtsinternen Medienabteilung gab und das auf der Bafu-Website erschien, sorgte im Frühling für erhöhte Aufmerksamkeit.  Zum Thema Abfall befragt, sagte er etwa: „Wir müssen (…) unseren Konsum mässigen. (…)  Unsere Gesellschaften müssen sich trauen, nach dem Sinn des Konsums zu fragen.“ Sofort wurde ihm dies als Zustimmung zur Initiative für eine „Grüne Wirtschaft“ ausgelegt. Seine Chefin, Umweltministerin Doris Leuthard, sowie ihre Bundesratskollegen, lehnten das Volksbegehren ab; dem schloss sich Chardonnens als loyaler Amtsdirektor an. Im September ist die Initiative der Grünen deutlich abgelehnt worden. Zudem stand er dem „Journal du Jura“ im April kurz Red und Antwort (online nicht verfügbar).  Das erste längere Gespräch in deutscher Sprache ist nun im „Ornis“, der Zeitschrift von BirdLife Schweiz, erschienen (nur print). Darin setzt sich Chardonnens das Ziel, während seiner Amtszeit den Aktionsplan Biodiversität zu verabschieden. Weiterlesen

Assoziationsmaschine Kot

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„The Zürich Load“ von Mike Bouchet an der Manifesta im Löwenbräu-Areal in Zürich. (Bild Markus Hofmann)

Es ist das Werk, das an der Manifesta in Zürich am meisten zu reden gibt: „The Zürich Load“ von Mike Bouchet. Wer am 24. März 2016 in der Stadt Zürich auf die Toilette ging, ist hier, wenn man so will: verewigt. 80 Tonnen Klärschlamm, die an diesem Tag anfielen, hat Bouchet zu Quadern gepresst und zu einer Skulptur gefügt. Auch wenn Bouchet und Mitarbeiter der Kläranlage Werdhölzli viel unternommen hatten, um den Gestank zu beseitigen, so sorgte dieser zu Beginn der Ausstellung für Aufregung im Quartier. Derzeit liegt nur noch ein leichter Ammoniakgeruch in der Luft der Halle im schicken Löwenbräu-Areal. Die Hinweise auf die Ungefährlichkeit des Werks sowie die Möglichkeit, die Kot-Skulptur auch von der anliegenden Terrasse aus zu betrachten, wirken etwas übertrieben. Doch das mag an der Nase des Betrachters liegen. Weiterlesen

Abfall – Nachlass des Künstlers

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„Where the Slaves Live“ von Adrian Villar Rojas in der Fondation Louis Vuitton in Paris. (Bild: Markus Hofmann)

Was hinterlässt ein Künstler der Nachwelt? Seine Werke. Bilder, Bücher, Skulpturen, Musikstücke. Doch nicht nur. Wie von allen anderen Menschen bleiben auch von ihm Spuren seines alltäglichen Lebens zurück. Gegenstände, die wie die Kunstwerke die Zeit ihres Erschaffers überdauern, die nach dem Tod aber zu Abfall werden. Kleidungsstücke, Schuhe, Utensilien aller Art.

Viele dieser Objekte bleiben genauso wie die Kunst der Nachwelt erhalten. Nichtabbaubare Plastikteile enden in der Natur, wo sie Fossil-ähnlich Jahrhunderte überdauern. Die von den Menschen verursachten Treibhausgasemissionen beeinflussen das Klima möglichweise über Jahrtausende. Nach dem Tod des Menschen wirkt seine ehemalige Präsenz lange nach. Der Mensch verschwindet nicht „wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand“, wie Michel Foucault schrieb. Er hat sich der Erde bereits tief eingeschrieben. Weiterlesen

Müll mindert Reiselust

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Das menschliche Nahrungsangebot macht Weissstörche zu Standvögeln.

Wieso in die Ferne reisen, wenn das Überlebensnotwendige gleich unter den eigenen Flügeln liegt?

Weissstörche gehören zu den Zugvögeln; sie brüten in nördlichen Gefilden und ziehen im Winter, wenn die Nahrung knapp wird, in den Süden. So hat man es zumindest beobachtet, und so steht es in den einschlägigen Fachbüchern. Doch nun hat sich das Verhalten der Weissstörche innert kurzer Zeit stark verändert. Offene Mülldeponien veranlassen die Störche dazu, ihr Zugverhalten einzustellen. Forscher der University of East Anglia haben mithilfe von den Tieren aufgeschnallten Ortungsgeräten erstmals nachweisen können, dass Störche Europas gar nicht mehr ziehen, sondern teilweise zu Standvögeln geworden sind (Studie hier). Weiterlesen