Natur trotz Gift: Aus dem Ödland gibt es kein Entrinnen

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„Wasteland Ecology“: Ausschnitt aus einer Fotografie von Jennifer Colten. (Bild M. Hofmann)

Die amerikanische Landschaftsfotografin Jennifer Colten sucht nicht das offensichtlich Schöne. Sie fährt für ihre Bilder nicht in die vermeintlich unberührte Natur, zum Beispiel in die der Nationalparks. Sie schaut sich dort um, wo man Natur zuletzt suchen würde. Dort, wo sie verseucht ist. Dort, wo Industrien die Böden vergiftet haben.

Für ihre Bildserie „Wasteland Ecoloygy“ hat Colten Gebiete entlang des Mississippi aufgesucht, rund um St. Louis und Illinois Metro East. In diesen Industrieregionen erwartet kaum jemand blühende Landschaften. Und doch: Colten entdeckt und dokumentiert eine filigrane, aber widerstandsfähige Vegetation. Ihre Bilder zeigen die Schönheit versehrter Natur, die sich ihren Platz gegen alle Widrigkeiten zurückerobert. Aber: Die Fotografien sind beklemmend. Weiterlesen

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Das ewige Leben der Nachtigall in Gefahr

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Nachtigall: In England unter Druck. (Bild: Vogelartinfo, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12915842)

Äusserlich ist der Vogel unscheinbar. Doch sein Gesang hat Dichter zu poetischen Höhenflügen verführt. Die Nachtigall-Männchen sind die Boten des Frühlings. Sie werben anders als viele andere Vogelarten auch in der Nacht mit sehr komplexen Strophen um Weibchen und locken Menschen an, die den Gesang als äusserst wohlklingend empfinden. Da sich Verliebte auch gerne nächtens treffen, wurde die Nachtigall zum Symbol der Liebe.

Wie die Liebe soll die Nachtigall ewig leben, schrieb der englische Romantiker John Keats (1795 bis 1821) in seiner “Ode an eine Nachtigall”:

“Du stirbst nicht, Vogel, du lebst ewiglich!
Nein, dich zertritt kein hungriges Geschlecht.”

Doch nun könnte tatsächlich ein “hungriges Geschlecht” die Nachtigallen  “zertreten”. Gerade in Keats Heimatland: Denn Lodge Hill in Kent soll überbaut werden. Weiterlesen

Im Netz des Lebens: eine neue Humboldt-Biografie

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Alexander von Humboldt (Bild: Joseph Karl Stieler).

„Wohin der Blick des Naturforschers dringt, ist Leben oder Keim zum Leben verbreitet.“ Alexander von Humboldt, von dem dieser Satz stammt, steht seit Wochen weit oben auf den Bestseller-Listen. Schon wieder, ist man versucht zu sagen. Bereits vor ein paar Jahren gelangte Humboldt (damals zusammen mit dem Mathematiker Carl Friedrich Gauss) in die obersten Verkaufsränge. Grund war damals der Erfolgsroman „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann (verfilmt 2012). Den neuerlichen Erfolg verdankt der weitgereiste Universalgelehrte (1769 bis 1859) der Historikerin und Sachbuchautorin Andrea Wulf. Ihre Humboldt-Biografie „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ verkauft sich bestens und hat vor allem im englischen Sprachraum etliche Preise eingeheimst (das Original erschien in englischer Sprache).

Zu Recht. Wulf hat eine höchst lesenswerte Biografie geschrieben. Kundig recherchiert und packend erzählt. Neben der Erinnerung an einen fast unvorstellbar neugierigen, mutigen und produktiven Menschen ist es das Hauptanliegen von Wulf, Humboldt als Vater des Umweltschutzes zu zeichnen. Dieses Bild ist allerdings nicht ganz neu. Weiterlesen