Der Wolf hat seinen Exoten-Bonus verloren. Und das ist sein Problem

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Nach jahrzehntelanger Absenz muss sich der Mensch wieder an den Wolf gewöhnen.

Im Kanton Freiburg spielt sich gerade ein Wolfs-Drama ab. In Jaun soll ein Wolf vergiftet worden sein. Die Polizei verhörte einen Jäger und Politiker.  Solche Meldungen werden so rasch nicht aus den Medien verschwinden. Noch hat sich die Schweizer Bevölkerung nicht daran gewöhnt, dass der Wolf wieder einwandert. Weiterhin prallen im Umgang mit dem Wolf Menscheninteressen aufeinander – wie in dieser halb-fiktiven Diskussion zwischen Direktbetroffenen. Es treten auf: eine Zoopädagogin, ein Wildhüter, ein Schafzüchter, eine WWF-Vertreterin, eine Hirtin und ein Herdenschutzhundzüchter. Weiterlesen

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Keine Wildnis nirgendwo

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Auch vermeintlich abgeschiedene Gebiete werden von Strassen durchschnitten.

Einfach mal losmarschieren, ohne auf eine von Menschenhand gebaute Infrastruktur zu stossen: In Europa ist dies fast unmöglich. Ein Viertel des Landes ist lediglich 500 Meter von einer Strasse oder einer Bahnlinie entfernt, bei der Hälfte der Fläche von 36 europäischen Staaten sind es 1,5 Kilometer und über ganz Europa gerechnet 10 Kilometer. Die Wahrscheinlichkeit, in Europa innerhalb einer zweistündigen Wanderung eine Strasse zu überqueren oder über ein Geleise zu stolpern, ist also sehr hoch. Ein dichtes Verkehrsnetz überzieht ganz Europa. Und das hat gravierende Auswirkungen auf Wildtiere. Weiterlesen

Feuchtgebiet statt Flugplatz – ein Märchen

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Gleich zwei Bundesräte reisten an diesem sonnigen Samstag von Bern nach Dübendorf: die Umwelt- und die Verteidigungsministerin. Mitten im Frühling war es endlich soweit. Am 3. Mai 2025 konnte die „Wildniszone Dübendorf“ der Bevölkerung übergeben werden.

Bereits 115 Jahre zuvor hatte am selben Ort ein grosses Volksfest stattgefunden. Damals wurde ein neuer Flugplatz gefeiert. Dübendorf wurde in der Folge zur Wiege der Schweizer Luftfahrt. Lange Zeit startete von hier aus das Überwachungsgeschwader, um die Schweiz zu verteidigen. Dann änderten sich die Zeiten. Militärisch spielte der Flugplatz Dübendorf kaum mehr eine Rolle.

Die zivile Luftfahrt war allerdings weiterhin am Flugfeld interessiert. Auch weitere Vertreter der Wirtschaft sowie der Forschung schauten begierig auf den frei werdenden Platz und wollten einen Innovationspark erstellen.

Dann, wie aus dem Nichts, tauchte plötzlich eine völlig neue Idee auf.

Verwandeln wir die 256 Hektaren in ein Naturschutzgebiet von internationaler Bedeutung! Geben wir der Natur in der dichtbesiedelten Schweiz ein wenig Raum zurück!

Ein verrückter Vorschlag. Niemand glaubte an seine Umsetzung. Doch nach und nach fanden sich für alle Fragen überzeugende Antworten. Weiterlesen

Wie man mitten in der Grossstadt aus der Menschenwelt ausbrechen kann

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Eine Frau und ein Mann schauen uns mit fragend-spöttischem Blick an. Unsere Ferngläser sind nach oben gerichtet. Obwohl der Oktober gerade erst begonnen hat, hat es in der Nacht geschneit. Hier oben, auf einem Pass in den Berner Alpen, liegt die Landschaft unter einer weissen Decke begraben. Langsam bricht die Sonne durch die Wolken. Herrliches Ausflugswetter. Während sich das Paar für einen Spaziergang auf den verschneiten Wegen rüstet, haben wir, eine Gruppe von Vogelbeobachtern, nur Augen für den Himmel. Der Mann tritt an uns heran und fragt, was wir sehen würden.

Wir sehen: das Offensichtliche. Hunderte von Zugvögeln – Finken, Tauben, Drosseln, Greifvögel – fliegen vom Norden her teilweise nur wenige Meter über unseren Köpfen in Richtung Mittelmeer. Die beiden Wanderer legen ihre Köpfe in den Nacken. Und jetzt erkennen sie auch, was wir sehen: die vielen schwarzen Punkte, die in stetigem Auf und Ab über den weißen Bergrücken navigieren. Man spürt förmlich, wie die beiden etwas gewahr werden, was sie nie zuvor beachtet haben.

Mit einem entspannten Lächeln im Gesicht verabschieden sie sich bald wieder von uns und machen sich auf den Weg in die winterliche Landschaft. Über ihnen und uns ergießt sich weiterhin ein schier endloser Strom von Vögeln in den Süden. Eines der spektakulärsten Naturereignisse spielt sich hier vor aller Augen ab – und doch sehen es nur wenige. Weiterlesen

Kinder weniger draussen als Gefangene

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So was, was ist denn das? Die natürliche Umwelt ist vielen Kindern fremd.

„Every prisoner who is not employed in outdoor work shall have at least one hour of suitable exercise in the open air daily if the weather permits.“ So lauten die Uno-Regeln: Mindestens eine Stunde lang sollen sich Gefangene täglich an der frischen Luft die Beine vertreten dürfen.

Damit übertreffen sie manche freie Kinder. Eine Umfrage hat nämlich ergeben, dass in Grossbritannien fast ein Drittel der 5- bis 12-Jährigen eine halbe Stunde oder weniger Zeit pro Tag draussen verbringen. Und 20 Prozent spielen kaum je unter freiem Himmel. Weiterlesen

And the Oscar goes to – the Nature

Endlich. Die Fans von Leonardo di Caprio atmeten auf. Für seine Rolle in „The Revenant“ erhielt di Caprio Ende Februar verdientermassen einen Oscar in der Kategorie bester Hauptdarsteller. Der Film von Alejandro G. Iñárritu ist nicht nur eine Rache-Geschichte. Er ist vor allem auch ein Epos über die Verschränkung von Mensch und Natur.

Di Caprio als Hugh Glass kämpft in der Wildnis ums Überleben, aber nicht gegen, sondern vor allem mit der Natur. So nutzt er in einer der schönsten Szene sein soeben verendetes Pferd als Schutzhülle gegen die Kälte: Er weidet das Tier aus und legt sich nackt in den noch warmen, blutgetränkten Pferdekörper. In diesem Bild verdichtet Iñárritu mehrere Sinnebenen: Nicht nur muss sich der Mensch die Natur aneignen, um in ihr zu überleben. Auch ist die Natur ein Zuhause des Menschen, das er nie verlassen kann. Weiterlesen