In Zürich kreuchen und fleuchen mehr Tiere als noch vor zehn Jahren

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Hier finden sich Frösche, Libellen, Schlangen, Insekten, Schmetterlinge und Vögel: Weiher im Zürcher Stadtwald. (Bild: Markus Hofmann)

Seit zehn Jahren zählt die Stadt Zürich jährlich ihre wilden Tiere: die Reptilien, Amphibien, Tagfalter, Heuschrecken, Libellen und Vögel. Sie tut dies jeweils auf einem Zehntel des Stadtgebiets (ausser bei den Vögeln, da wird der Zensus jeweils zweiteilig links und rechts der Limmat durchgeführt). Nun war es also soweit: Die Zählung eines Gebiets fand zum zweiten Mal statt, womit sich ein Vergleich anstellen lässt. Und das Resultat zeigt Erfreuliches.

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Salgados Botschaft: Bewahrt die letzten Reste der Urnatur

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Sebastião Salgado. (Bild: Fernando Frazão/Agência Brasil – http://agenciabrasil.ebc.com.br/geral/foto/2016-10/camara-de-comercio-franca-brasil-premia-sebastiao-salgado, CC BY 3.0 br, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52614053)

Da schreitet Eva. Sie trägt lediglich Kopf-, Kinn- und Armschmuck. Auf einem umgefallenen Baumstamm balancierend überquert sie ein Gewässer im Dschungel. Auf der Suche nach Adam?

Eva ist nicht Eva, sondern eine Angehörige des Stamms der Zo’é in Brasilien. Doch der berühmte Fotograf Sebastião Salgado hat die junge Schönheit in alttestamentarischer Manier inszeniert: die Urfrau in Schwarzweiss. Nun erhält Salgado den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Er ist der erste Fotograf, dem diese Ehre zuteil wird. Weiterlesen

Eine globale Premiere: London wird zur National Park City

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Die Weltstadt London zeichnet sich durch eine hohe biologische Vielfalt aus. Das soll so bleiben. (Bild: Zdravko Batalic/Pixabay)

Wieso kann die Grossstadt London eigentlich kein Nationalpark sein, fragte sich der ehemalige Geographie-Lehrer und heutige „Guerilla Geographer“ Daniel Raven-Ellison 2013. Kann es Nationalparks nur draussen auf dem Land geben?

Nein, war seine Antwort: Machen wir aus London eine „National Park City“!

Nach Jahren der Überzeugungsarbeit und Vorbereitung ist es nun soweit. Am 22. Juli 2019 ist der offizielle Launch der „London National Park City“. London wird damit zum Nationalpark – und wird es wiederum nicht. Weiterlesen

Hol’s der Geier: Spanische Bauern lassen die Kadaver ihrer Nutztiere wieder vermehrt auf der Weide zurück

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Den Mönchsgeiern in Spanien fehlt es häufig an Nahrung. (Bild: zoosnow/Pixabay)

Es ist ein grosser Erfolg des Naturschutzes: In den 1970er Jahren betrug der Mönchsgeier-Bestand in Spanien gerade einmal 200 Paare. Heute liegt er bei 2500 Paaren, was 96 Prozent des europäischen Bestandes entspricht. Doch steigt die Zahl der Geier, braucht es auch mehr Futter, sprich: Aas. Und dieses ist häufig Mangelware.

Üblicherweise bedienen sich die Geier nicht nur an totem Wild, sondern auch an verendeten Nutztieren wie Schafen oder Kühen. Mit der Intensivierung der Nutztierhaltung, bei der die Tiere sich nicht mehr unbedingt dort aufhalten müssen, wo ihr Futter wächst, sondern im Stall, sowie verschärften Hygienevorschriften (Stichwort BSE), die von den Bauern das Entfernen toter Nutztiere verlangen, fehlt es den Geiern aber zunehmend an Nahrung.

In der spanischen Region Kastilien und Léon sind nun aber die Regeln geändert worden. In den vergangenen vier Jahren bemühten sich Naturschützer zusammen mit den Bauern – unterstützt durch die regionale Regierung – darum, dass die Geier wieder einen besser gedeckten Tisch vorfinden. Und es funktioniert. Weiterlesen

Sie tun es erneut: Ein See erhält eigene Rechte. Dieses Mal in den USA

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Der Eriesee: Die Bewohner Toledos haben ihm eigene Rechte verliehen.

Das Votum ist deutlich ausgefallen: Am 26. Februar unterstützten mit 61 Prozent der Stimmen die Bewohner Toledos im US-Bundesstaat Ohio die „Lake Erie Bill of Rights“. Nun hat der Eriesee, immerhin der elfgrösste See der Welt, „the right to exist, flourish, and naturally evolve“. Einklagen können dieses Recht die Einwohner Toledos. Sie erhalten auch das Recht auf eine „gesunde Umwelt“. Ein entsprechender Zusatz soll der kommunalen Charta angefügt werden.

Solche „Lebensrechte“ kommen üblicherweise nur menschlichen Personen zu. In den letzten Jahren aber fanden diese sogenannten Rechte für die Natur immer mehr Gehör, in Lateinamerika, Neuseeland oder Indien (siehe dazu meinen Essay „Der befreite Schimpanse und der befreite Fluss: Das anthropozentrische Fundament des Rechts bekommt Risse“). Jetzt also feiert die „Rights of Nature“-Bewegung auch in den USA einen Sieg. Weiterlesen

Der Bestand des Wanderfalken nimmt wieder ab: Daran schuld ist nicht nur der Mensch. Auch ein anderer Vogel hat es auf den rasanten Jäger abgesehen

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Der Wanderfalke: ein Jäger, der selbst gejagt wird.

Ab den 1960er Jahren fand die Katastrophe statt. Der Bestand des Wanderfalken (Falco peregrinus) brach damals in der Schweiz wie in vielen anderen Ländern regelrecht ein. Der Wanderfalke stand kurz vor dem Aussterben. Schuld daran war der Einsatz von Bioziden. Nachdem einzelne Pestizide verboten und der Wanderfalke geschützt wurde, ging es mit dem rasanten Jäger wieder bergauf. Ab den 1970er Jahren erholten sich die Bestände. Doch in den letzten Jahren ist erneut ein Rückgang feststellbar (Studie hier). Wie meistens steckt der Mensch dahinter. Doch nicht nur: Ein weiterer Grund dafür ist ein sehr starker Vogel. Weiterlesen

Der befreite Schimpanse und der befreite Fluss: Das anthropozentrische Fundament des Rechts bekommt Risse

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Kann ein Schimpanse eigene Rechte haben?

Es geschah am 3. November 2016. Die argentinische Richterin Marià Alejandra Mauricio fällte ein historisches Urteil. Cecilia, ein Schimpanse, müsse sofort aus seinem engen Käfig befreit werden, beschloss Mauricio. Die Richterin gab einer Habeas-Corpus-Klage Recht, die von der argentinischen Vereinigung der Anwälte für Tierrechte eingereicht worden war.

Bisher wurde nicht nur in Argentinien, sondern auch weltweit das Recht auf Schutz vor willkürlicher Verhaftung nur Menschen zugebilligt, nicht aber Tieren (oder besser gesagt: nicht-menschlichen Tieren). Doch Mauricio machte den entscheidenden Schritt. Dieses fundamentale Recht sei auch auf Cecilia anwendbar. Andere Mittel, das Einsperren von Tieren zu hinterfragen, gebe es im geltenden Recht nicht.

Laut Mauricio können auch nicht-menschliche Tiere Rechtspersonen sein und abgestufte Rechte besitzen: „Wir sprechen dabei nicht über Bürgerrechte, wie sie im Bürgerlichen Gesetzbuch niedergelegt sind, sondern über die der jeweiligen Spezies zukommenden Rechte auf Selbstentfaltung und auf Leben in ihrem natürlichen Lebensumfeld“, sagte sie. Tiere seien keine Objekte, die wie Kunstwerke ausgestellt werden dürften. Sie seien vielmehr nicht-menschliche Rechtspersonen. Als solche besässen sie das unveräusserliche Recht, in ihrem Habitat zu leben. Sie seien frei geboren und hätten das Recht, ihre Freiheit zu erhalten.

Cecilia war wegen ihrer langen Gefangenschaft allerdings nicht mehr fähig, in ihrem ursprünglichen Habitat zu leben. Sie wurde in ein Refugium für Menschenaffen in Sorocaba (Brasilien) verbracht.

Der Fluss gehört sich selbst

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Kann ein Fluss über eine Rechtspersönlichkeit verfügen?

Es geschah am 15. März 2017. Seit dann verfügt der drittgrösste Fluss Neuseelands, der Whanganui, über eine eigene Rechtspersönlichkeit. Dem vorausgegangen war ein über hundertjähriger Streit mit einem dort ansässigen Maori-Stamm. Im Verständnis der Maori ist der Whanganui ein Ahne und sollte wie ein solcher behandelt werden. Der Vertreter auf Seiten der Maori, Gerrad Albert, sagte: „We have fought to find an approximation in law so that all others can understand that from our perspective treating the river as a living entity is the correct way to approach it, as an indivisible whole, instead of the traditional model for the last 100 years of treating it from a perspective of ownership and management.“

Was die Rechtspersönlichkeit betrifft wird nun nicht mehr zwischen dem Maori-Stamm und dem Fluss unterschieden. Was also dem Fluss angetan wird – zum Beispiel durch Verschmutzung – wird den dort lebenden Maori angetan. Stamm und Fluss sind in diesem Sinne rechtlich gleichgestellt. Das neue Gesetz übernimmt die holistische Vorstellung der Maori, die nicht scharf zwischen den Menschen und ihrer nicht-menschlichen Umwelt trennen. „Ich bin der Fluss, und der Fluss ist ich“, sagen die Maori.

Der Fluss gehört nun nicht länger den Menschen, sondern – sozusagen – sich selbst. Da er sich selbst rechtlich nicht vertreten kann, übernehmen diese Aufgabe zwei offizielle Flusswächter; den einen von ihnen stellt der Maori-Stamm, den anderen der Staat. Diesen Flusswächtern obliegt es, anstelle des Whanganui zu handeln und seine Integrität zu wahren. Unterstützt werden sie dabei von einem Rat, in dem die Vertreter verschiedener anderer Interessengruppen – vom Tourismus bis zu Umweltorganisationen – Einsitz haben.

„We can trace our genealogy to the origins of the universe,“ sagte der Maori Albert: „And therefore rather than us being masters of the natural world, we are part of it. We want to live like that as our starting point. And that is not an anti-development, or anti-economic use of the river but to begin with the view that it is a living being, and then consider its future from that central belief.“ Weiterlesen