Das Symbol gegen das Aussterben ist in der Schweiz angekommen

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Das Symbol gegen die Ausrottung: eine Sanduhr (Bild: Extinction Rebellion)

Leise rieselt der Sand. Unbemerkt verschwinden Arten von der Erde – für immer. Das ist nichts Ungewöhnliches. Die meisten Pflanzen-, Pilz- oder Tierarten (Menschen inbegriffen) werden voraussichtlich irgendwann einmal aussterben. Ältere Schätzungen gehen aufgrund von Fossilienfunden davon aus, dass innerhalb von 100 Jahren 0,1 bis 1 Art von 10’000 Arten aussterben (oder jährlich 0,1 bis 1 Art von 1 Million Arten). Dies ist das sogenannte Hintergrund-Aussterben, das auf natürliche Weise vonstatten geht.

Neuere Berechnungen zeigen ein anderes Bild. Die Rate des Hintergrund-Aussterbens falle deutlich höher aus. Bei Säugetieren sehe die Rechnung wie folgt aus: Innerhalb von 100 Jahren stürben 2 von 10’000 Säugetierarten aus.

Aber: Die effektive Aussterberate ist viel höher. Laut einer vor kurzem veröffentlichten Studie, unter anderem verfasst von Paul R. Ehrlich, sind im vergangenen Jahrhundert 100 mal mehr Wirbeltiere ausgestorben, als dies natürlicherweise der Fall gewesen wäre. Weiterlesen

Massenaussterben – übrig bleiben nur Worte

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Der Dodo, Ausschnitt eines Bildes von Mansur (Hermitage, St. Petersburg)

Manche Dodos sollen einfach sitzen ge- / Blieben sein, sich mit Stöcken erschlagen lassen haben

Wir befinden uns mitten im sechsten Massenaussterben. Die natürliche Aussterberate wird derzeit um das 1000-Fache überschritten. Arten verschwinden, bevor wir sie überhaupt kennengelernt haben. Andere rafft es vor unserer eigenen Haustüre hinweg. Der Hauptgrund für das „übernatürliche“ Aussterben: der Mensch.

Diesem redet der Dichter Mikael Vogel ins Gewissen. Seinen neuesten Gedichtband „Dodos auf der Flucht“ widmet er ausgestorbenen sowie vom Aussterben bedrohten Tieren – und ein ganzes Kapitel dem titelgebenden Dodo, dem sagenumwobenen Vogel, der Ende des 17. Jahrhunderts auf Mauritius, wo er heimisch war, endgültig von dannen ging. Von Menschen eingeschleppte Ratten, Affen und Haustiere machten dem flugunfähigen Vogel den Garaus. Weiterlesen

Viel weniger westliche Monarchfalter als bisher angenommen

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Der Monarchfalter ist der Star unter den amerikanischen Schmetterlingen. Er ist nicht nur farbenprächtig, er sorgt auch mit seinen langen, über 3000 Kilometer langen Wanderungen von Nordamerika bis Mexiko für Staunen. Eine intensive Landwirtschaft und Habitatsveränderungen machen im allerdings zu schaffen. Nun hat man enorme Bestandeseinbrüche bei der westlichen Monarchfalter-Population festgestellt. Weiterlesen

Bartgeier-Ausstellung mit bester Aussicht

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Die Zierde der Ausstellung: Ein präparierter Bartgeier. Wer Glück hat, erspäht einen lebenden  Gypaetus barbatus rund um den Torre Belvedere im Oberengadin. (Bild: Markus Hofmann)

Am 24. Juni kam die schlechte Nachricht. BG960 ist tot. Das Bartgeier-Weibchen, geschlüpft in einer spanischen Aufzuchtstation am 2. März dieses Jahres, ausgesetzt am Pfingstmontag anfangs Juni bei der Melchsee-Frutt, hat einen Sturz nicht überlebt. Ja, auch Vögel, vor allem junge, können abstürzen. Auch wenn dieser Tod ein bedauerlicher Verlust ist, der Wiederansiedlung der einst ausgerotteten Bartgeier im Alpenraum tut er keinen Abbruch. Ohnehin: 12 Prozent aller ausgesiedelten Bartgeier überleben das erste Lebensjahr nicht. Seit 1986 wurden über 200 Bartgeier in den Alpen ausgesetzt, in der Schweiz sind es über 40. Derzeit besiedeln wieder bis zu 250 Bartgeier den Alpenraum. Wer mehr über die früher auch Lämmergeier genannten Vögel mit einer Spannweite von knapp drei Metern erfahren will, kann dies nun in Maloja tun. In einer kleinen, aber spektakulär gelegenen Ausstellung. Weiterlesen

Der Wolf hat seinen Exoten-Bonus verloren. Und das ist sein Problem

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Nach jahrzehntelanger Absenz muss sich der Mensch wieder an den Wolf gewöhnen.

Im Kanton Freiburg spielt sich gerade ein Wolfs-Drama ab. In Jaun soll ein Wolf vergiftet worden sein. Die Polizei verhörte einen Jäger und Politiker.  Solche Meldungen werden so rasch nicht aus den Medien verschwinden. Noch hat sich die Schweizer Bevölkerung nicht daran gewöhnt, dass der Wolf wieder einwandert. Weiterhin prallen im Umgang mit dem Wolf Menscheninteressen aufeinander – wie in dieser halb-fiktiven Diskussion zwischen Direktbetroffenen. Es treten auf: eine Zoopädagogin, ein Wildhüter, ein Schafzüchter, eine WWF-Vertreterin, eine Hirtin und ein Herdenschutzhundzüchter. Weiterlesen

Keine Wildnis nirgendwo

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Auch vermeintlich abgeschiedene Gebiete werden von Strassen durchschnitten.

Einfach mal losmarschieren, ohne auf eine von Menschenhand gebaute Infrastruktur zu stossen: In Europa ist dies fast unmöglich. Ein Viertel des Landes ist lediglich 500 Meter von einer Strasse oder einer Bahnlinie entfernt, bei der Hälfte der Fläche von 36 europäischen Staaten sind es 1,5 Kilometer und über ganz Europa gerechnet 10 Kilometer. Die Wahrscheinlichkeit, in Europa innerhalb einer zweistündigen Wanderung eine Strasse zu überqueren oder über ein Geleise zu stolpern, ist also sehr hoch. Ein dichtes Verkehrsnetz überzieht ganz Europa. Und das hat gravierende Auswirkungen auf Wildtiere. Weiterlesen

Ein Dino, der hohe Erwartungen erfüllt

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27 Meter lang ist der Sauropode, der im Genfer Naturhistorischen Museum ausgestellt ist. (Bild: Markus Hofmann)

Dinosaurier entzücken nicht nur kleine Buben und Mädchen. Der Faszination dieser manchmal gigantisch grossen Tiere, die vor Millionen Jahren die Erde besiedelten, kann sich kaum jemand entziehen. In naturhistorischen Museen gehören Dino-Fossilien denn auch zu den Höhepunkten. Dennoch stellt sich beim Betrachten ein Gefühl der Enttäuschung ein, bestehen die Objekte doch grösstenteils aus Replikaten. Meistens sind lediglich wenige Teile der Dino-Skelette original.

Anders ist dies nun in Genf. Dort wird einer der grössten Dinosaurier, der jemals gefunden wurde, erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Beeindruckende 27 Meter lang ist das Tier. Und 80 Prozent der im Genfer Naturhistorischen Museum ausgestellten Knochen dieses Dinos sind echt. Weiterlesen

Als die Bilder voller Vögel waren

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Roelant Savery: Turmruine am Vogelweiher (1618).

In Dresden, in der Kunsthalle im Lipsiusbau, kann man derzeit die Entdeckung der Landschaft erleben. Im 16. und 17. Jahrhundert schufen flämische Maler idealisierte Panoramen der Welt, die unser Landschaftsbild bis heute prägen. Nach und nach füllte damals auch die Natur die Bilder. Es war die Zeit der Entdeckungen, die exakten Naturwissenschaften entstanden, die Zoologie verlangte eine genaue Betrachtung der Tiere und Pflanzen von nah und fern.

Und so bevölkern Tiere aus  Europa und Übersee die Landschaften. Vor allem auch Vögel werden oft naturgetreu ins Bild gesetzt: Spechte, Eichelhäher, Schwäne, Enten, Kraniche, Papageigen, Paradiesvögel. Ein ornithologisches Panoptikum. Weiterlesen

Remembrance Day for Lost Species – Rituale für die Ausgestorbenen

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Beutelwolf oder Tasmanischer Tiger, 1936 ausgerottet. (Bild Baker; E.J. Keller. – Report of the Smithsonian Institution. 1904)

In Brighton trifft sich heute Abend um 18 Uhr eine Gruppe von Leuten, einige werden Laternen mit sich führen, andere ein Instrument spielen oder eine Maske tragen, wieder andere sind als Tiere verkleidet. Sie werden an den Strand spazieren und dort eines ausgestorbenen Tieres gedenken – des Beutelwolfs, auch Tasmanischer Tiger genannt. In London, an der Vanbrugh Park Road, wird zur selben Zeit ein Abendessen stattfinden in Erinnerung an den Dodo, einen flugunfähigen Vogel auf Mauritius, der Ende des 17. Jahrhunderts ausgerottet wurde. In Berlin lesen Schriftsteller aus ihren Gedichten und Künstler zeigen ihre Werke zu Ehren ausgestorbener Tiere. In Melbourne kümmert man sich in Gedenkveranstalungen um Arten, die in baldiger Zukunft ausgestorben sein könnten. Und in Englewood (USA, Colorado) kann man sich ein Stundenglas tätowieren lassen als Symbol für das andauernde Aussterben.

Der 30. November ist der Remembrance Day for Lost Species. Von Grossbritannien, über Belgien, Deutschland, Österreich bis nach China und Australien finden Rituale statt, um über den Verlust von Arten zu trauern.  Weiterlesen

Die Attraktion des Bedrohten

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H&M-Kindermode mit WWF-Label. (Bild Markus Hofmann)

Der WWF hat keine Angst vor den Grossen. Selber eine Macht scheut die Naturschutzorganisation nicht davor zurück, mit einflussreichen Unternehmen ins Geschäft zu kommen. Dies gehört gar zur Strategie: Um etwas zu bewegen, muss man die grossen Unternehmen dazu bringen, nachhaltig zu wirtschaften. Theoretisch ist das richtig. Das Vorgehen ist allerdings auch mit Gefahren für die eigene Glaubwürdigkeit verbunden. Der WWF gerät immer wieder in den Verdacht, Unternehmen unberechtigterweises ein grünes Etikett umzuhängen („Greenwashing“), wie der Streit um das „Schwarzbuch WWF“ von Wilfried Huismann exemplarisch zeigte.

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