Salgados Botschaft: Bewahrt die letzten Reste der Urnatur

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Sebastião Salgado. (Bild: Fernando Frazão/Agência Brasil – http://agenciabrasil.ebc.com.br/geral/foto/2016-10/camara-de-comercio-franca-brasil-premia-sebastiao-salgado, CC BY 3.0 br, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52614053)

Da schreitet Eva. Sie trägt lediglich Kopf-, Kinn- und Armschmuck. Auf einem umgefallenen Baumstamm balancierend überquert sie ein Gewässer im Dschungel. Auf der Suche nach Adam?

Eva ist nicht Eva, sondern eine Angehörige des Stamms der Zo’é in Brasilien. Doch der berühmte Fotograf Sebastião Salgado hat die junge Schönheit in alttestamentarischer Manier inszeniert: die Urfrau in Schwarzweiss. Nun erhält Salgado den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Er ist der erste Fotograf, dem diese Ehre zuteil wird. Weiterlesen

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Massenaussterben – übrig bleiben nur Worte

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Der Dodo, Ausschnitt eines Bildes von Mansur (Hermitage, St. Petersburg)

Manche Dodos sollen einfach sitzen ge- / Blieben sein, sich mit Stöcken erschlagen lassen haben

Wir befinden uns mitten im sechsten Massenaussterben. Die natürliche Aussterberate wird derzeit um das 1000-Fache überschritten. Arten verschwinden, bevor wir sie überhaupt kennengelernt haben. Andere rafft es vor unserer eigenen Haustüre hinweg. Der Hauptgrund für das „übernatürliche“ Aussterben: der Mensch.

Diesem redet der Dichter Mikael Vogel ins Gewissen. Seinen neuesten Gedichtband „Dodos auf der Flucht“ widmet er ausgestorbenen sowie vom Aussterben bedrohten Tieren – und ein ganzes Kapitel dem titelgebenden Dodo, dem sagenumwobenen Vogel, der Ende des 17. Jahrhunderts auf Mauritius, wo er heimisch war, endgültig von dannen ging. Von Menschen eingeschleppte Ratten, Affen und Haustiere machten dem flugunfähigen Vogel den Garaus. Weiterlesen

Ich gab neues Leben – und malte

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Adolf Dietrich: Raben und Elstern in Winterlandschaft, 1934

„Mich fesselte das Kleine, das Detail: das Spiel des Lichtes in den Krallen eines Krähenfusses, die schimmernden Schuppen im Hochzeitskleid einer Eidechse, das nuancenreiche Farbenspiel der Härchen im Felle eines erlegten Marders, der mir in seiner toten Schönheit so leid tat. Ich gab ihm neues Leben und – malte ihn.“

Adolf Dietrich 1877-1957 Weiterlesen

Natur trotz Gift: Aus dem Ödland gibt es kein Entrinnen

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„Wasteland Ecology“: Ausschnitt aus einer Fotografie von Jennifer Colten. (Bild M. Hofmann)

Die amerikanische Landschaftsfotografin Jennifer Colten sucht nicht das offensichtlich Schöne. Sie fährt für ihre Bilder nicht in die vermeintlich unberührte Natur, zum Beispiel in die der Nationalparks. Sie schaut sich dort um, wo man Natur zuletzt suchen würde. Dort, wo sie verseucht ist. Dort, wo Industrien die Böden vergiftet haben.

Für ihre Bildserie „Wasteland Ecoloygy“ hat Colten Gebiete entlang des Mississippi aufgesucht, rund um St. Louis und Illinois Metro East. In diesen Industrieregionen erwartet kaum jemand blühende Landschaften. Und doch: Colten entdeckt und dokumentiert eine filigrane, aber widerstandsfähige Vegetation. Ihre Bilder zeigen die Schönheit versehrter Natur, die sich ihren Platz gegen alle Widrigkeiten zurückerobert. Aber: Die Fotografien sind beklemmend. Weiterlesen

Wie Hitlers Eiche nach Koreatown in Los Angeles kam und dort von Mexikanern gepflegt wird

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Die Sieger-Eiche von Cornelius Johnson in einem Hinterhof von Los Angeles in einem Werk von Christian Kosmas Mayer. (Bildausschnitt aus „Naturgeschichten. Spuren des Politischen“, hg. v. Rainer Fuchs, Wien 2017)

Ein Strassenzug in Koreatown, einem Stadtteil von Los Angeles, Buschwerk und Palmen säumen die Gehwege. In einem Hinterhof eines Hauses steht eine Eiche. Ihre Äste ragen über das eingeschossige Haus und bis auf die Strasse. Im Haus leben eingewanderte Mexikaner. Sie kümmern sich um den Baum, der im heissen Los Angeles etwas Kühlung verspricht. Ursprünglich hatte der Baum einen völlig anderen Zweck. Er war das Symbol eines totalitären Regimes. Weiterlesen

Vogelbeobachter unter Beobachtung

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Vom Beobachten der Beobachter: Floh von Grünigen porträtiert Vogelbeobachter. (Ausschnitt einer Zeichnung von von Grünigen; Foto: M. Hofmann)

Ein richtiger Birder, oder sagen wir besser: ein süchtiger Birder, kann den Tag nicht beenden, ohne einen Blick auf ornitho.ch zu werfen. Auf dieser Homepage tragen Vogelbeobachter ihre Sichtungen ein, geordnet nach Datum und Ort, mit Eigennamen versehen oder anonym. Wer also wissen will, was tagsüber über die Schweiz geflogen ist, ruft am Abend diese Seite auf. Zu diesen Birdern gehört der Berner Künstler Floh von Grünigen. Während der Lektüre der Meldungen aus dem Kanton Bern fielen ihm die Namen einiger sehr fleissiger Vogelbeobachter auf. Und so begann er sich vorzustellen, wie diese Birder wohl aussehen mögen. Aus der Phantasie zeichnete von Grünigen Porträts der Vogelbeobachter.

Doch hatten diese eingebildeten Porträts etwas mit der Wirklichkeit zu tun? Von Grünigen schrieb die Birder an und bat sie um eine Foto. Zu seiner Freude und Überraschung erhielt er Antwort.

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Als die Bilder voller Vögel waren

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Roelant Savery: Turmruine am Vogelweiher (1618).

In Dresden, in der Kunsthalle im Lipsiusbau, kann man derzeit die Entdeckung der Landschaft erleben. Im 16. und 17. Jahrhundert schufen flämische Maler idealisierte Panoramen der Welt, die unser Landschaftsbild bis heute prägen. Nach und nach füllte damals auch die Natur die Bilder. Es war die Zeit der Entdeckungen, die exakten Naturwissenschaften entstanden, die Zoologie verlangte eine genaue Betrachtung der Tiere und Pflanzen von nah und fern.

Und so bevölkern Tiere aus  Europa und Übersee die Landschaften. Vor allem auch Vögel werden oft naturgetreu ins Bild gesetzt: Spechte, Eichelhäher, Schwäne, Enten, Kraniche, Papageigen, Paradiesvögel. Ein ornithologisches Panoptikum. Weiterlesen