Umweltverbände wollen Verunsicherung nach Brexit nutzen

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Der Brexit hat die EU erschüttert. Ihr Sinn und Zweck werden wie selten zuvor hinterfragt. Am 16. September treffen sich die Spitzen von 27 EU-Ländern (also ohne Grossbritannien) in Bratislava, um informell über die Zukunft der EU zu sprechen. Ein guter Zeitpunkt also für verschiedenste Lobbygruppen, ihre Interessen ins Spiel zu bringen. Und so haben sich auch die 10 grössten Umweltverbände, die „Green 10“, an die EU gewandt und ihre Prioritäten formuliert. In Zeiten der Verunsicherung hoffen sie, die Anliegen des Umweltschutzes (wieder) zu einer tragenden Säule der EU-Politik zu machen. Weiterlesen

Viele umweltpolitische Fragezeichen nach dem Brexit

brexit-1477615_1280Der Brexit werde den Umweltschutz in Grossbritannien schwächen. Zu diesem Schluss kam das Institute for European Environmental Policy (IEEP) vor der Abstimmung vom 24. Juni 2016. Wie präsentiert sich die Ausgangslage nun mit etwas Abstand zu diesem historischen Tag? Ein einheitliches Bild lässt sich nicht zeichnen. Vieles wird unsicher bleiben, bis die Ablösung Grossbritanniens von der EU vollzogen ist. Wie diese Ablösung aussieht, ist bisher schlicht nicht klar. Die Möglichkeiten reichen von der völligen Abschottung bis zum Verbleib in der EU, falls der Brexit scheitern sollte. Weiterlesen

Hummelzucht gefährdet Wildhummeln

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Hummeln sind für die Bestäubung von Pflanzen zentral. Doch verschiedene Umweltfaktoren machen ihnen zu schaffen.

Hummeln sind längst zu Nutztieren geworden. Ihre Aufgabe besteht darin, Nutzpflanzen – insbesondere Tomaten – in Gewächshäusern zu bestäuben. Doch diese eigentlich sinnvolle Aufgabe könnte sich als fatal für ihre wilden Artgenossen herausstellen. Den wildlebenden Hummeln geht es nämlich – ähnlich wie den Bienen – schlecht. Einer der Gründe für den Hummel-Rückgang ist ein pathogener Pilz: Nosema bombi.

Für die schlechte Verfassung der nordamerikanischen Hummeln machte man bisher die europäischen Hummeln verantwortlich. Mit diesen sei eine neue Welle des Pilzes in die USA geschwappt, was zu einem starken Rückgang von Wildhummeln in den 1990er Jahren geführt habe, so die Vermutung. Doch nun zeigt sich, dass der Grund für die besorgniserregende Situation der US-Wildhummeln in den eigenen Gewächshäusern herumfliegt. Weiterlesen

Schmetterlinge im Schatten

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Das Grosse Ochsenauge schlägt sich gut: Es stellt an seine Umwelt keine allzu grossen Ansprüche.

Zum Frühlingsanfang eine gute und eine schlechte Notiz.

Zuerst die gute. In den Anden Ecuadors fand man viel mehr Spanner – eine Familie der Schmetterlinge – als bisher angenommen. Im untersuchten Gebiet von rund 25 Quadratkilometer Grösse zwischen 1020 und 3021 Meter über Meer gingen den Forschern 1857 verschiedene dieser Nachtfalter in die Lichtfalle. Zuvor bekannt waren „lediglich“ 1010. Weltweit gibt es ca. 26’000 Arten von Spannern.

Und nun die schlechte Nachricht – aus unseren Breitengraden. Zwischen 1840 und 2013 ist die Anzahl an Schmetterlingsarten in der Region um Regensburg in Bayern deutlich zurückgegangen.  Von den 117 Arten, die 1840 dokumentiert wurden, sind heute noch 71 übrig. Vor allem die Spezialisten unter den Schmetterlingen sind verschwunden, während die Generalisten ihre Bestände vergrössern konnten. Auch die Einrichtung von Naturschutzgebieten vermochte diese Entwicklung nicht ernsthaft aufzuhalten. Weiterlesen

Alaska-Schmetterling als Klimazeiger

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Oenis tanana: seit 28 Jahren die erste neuentdeckte Schmetterlingsart Alaskas.

Die Entdeckung einer neuen Insektenart schreckt kaum jemanden auf. Jährlich verlängert sich die Liste der neu bestimmten Arten. Meistens stösst man in tropischen Gebieten auf bisher unbekannte Käfer, Ameisen oder Wespen. Selten sind Neuentdeckungen hingegen in den kalten Gefilden. Und noch seltener in der Arktis.

Doch nun gibt es Neues von dort zu vermelden. Es sieht ganz danach aus, als sei es Lepidopterologen gelungen, in Alaska eine neue Schmetterlingsart zu bestimmen (Studie in „The Journal of Research on the Lepidoptera“). Noch ist die Forschung nicht ganz abgeschlossen, doch die Chancen sind intakt, dass Oenis tanana (engl. Tanana Arctic), nicht nur eine neue Schmetterlingsunterart, sondern wirklich eine neue Art ist. Es wäre der erste Schmetterlingsfund in Alaska seit 28 Jahren. Und möglicherweise ist O. tanana die einzige endemische Schmetterlingsart Alaskas. Weiterlesen

Brexit schwächt Umweltschutz

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Düstere Wolken über den britischen Inseln: Ein Ausstieg aus der EU hätte negative Folen für die Umwelt.

Nicht nur könnte ein Austritt Grossbritanniens aus der EU der britischen Wirtschaft hohen Schaden zufügen. Dem sogenannten Brexit wohnt auch das Potenzial inne, den Umweltschutz in Grossbritannien zu schwächen. Zu diesem Schluss kommt das Institute for European Environmental Policy (IEEP), das die umweltrechtlichen Konsequenzen eines Brexit untersuchte. Dabei wurde es von Umweltorganisationen unterstützt.

Ein vollständiger Ausstieg Grossbritanniens aus der EU berge substanzielle Risiken für die Zukunft des britischen Umweltrechts, meint das IEEP. Grossbritannien wäre künftig davon ausgeschlossen, am europäischen Umweltrecht mitzuwirken. Und es bestehe die Gefahr, dass die britische Regierung die Umweltstandards senken würde, um Wettbewerbsvorteile ausserhalb der EU zu gewinnen. Ein Brexit hätte zudem negative Folgen für die boomende Industrie der „Grünen Wirtschaft“; Investitionen in diese würden wohl weniger nach Grossbritannien fliessen. Weiterlesen

Biodiversität im Schatten des Klimas

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Der Uno-Klimarat IPCC gehört mittlerweile zum Allgemeinwissen. Seine Berichte zum Zustand des Klimas, die er regelmässig veröffentlicht, werden in Politik und Medien breit rezipiert. Gänzlich in seinem Schatten steht hingegen der Biodiversitätsrat, genauer: die „Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystems Services“ (IPBES). Diese Plattform wurde 2012 von über 100 Staaten ins Leben gerufen – mit dem Ziel, Politik und Öffentlichkeit auf wissenschaftlicher Basis über die Biodiversität und ihre Verfassung zu informieren. Doch über die Fachkreise hinaus ist die IPBES bisher kaum bekannt. Vergangene Woche trafen sich ihre Mitglieder – darunter auch die Schweiz – in Kuala Lumpur. Ein Bericht zur (bedrohlichen) Situation der Bestäuber sorgte in der Schweiz für wenig Aufmerksamkeit. Eine Ausnahme machte das Radio SRF (Beiträge hier und hier).

Die Beschlüsse des Biodiversitätsrats wurden jedoch gar nicht rapportiert. Einer davon hat es aber durchaus in sich. Bis 2019 soll nämlich der globale Zustand der Biodiversität sowie der Ökosystemleistungen erhoben werden – dies nicht nur im Hinblick auf die sogenannten Aichi-Biodiversitäts-Ziele, die bis 2020 erreicht werden müssen, sondern auch unter Berücksichtigung der Uno-Nachhaltigkeits-Ziele, die letztes Jahr verabschiedet wurden. Weiterlesen

And the Oscar goes to – the Nature

Endlich. Die Fans von Leonardo di Caprio atmeten auf. Für seine Rolle in „The Revenant“ erhielt di Caprio Ende Februar verdientermassen einen Oscar in der Kategorie bester Hauptdarsteller. Der Film von Alejandro G. Iñárritu ist nicht nur eine Rache-Geschichte. Er ist vor allem auch ein Epos über die Verschränkung von Mensch und Natur.

Di Caprio als Hugh Glass kämpft in der Wildnis ums Überleben, aber nicht gegen, sondern vor allem mit der Natur. So nutzt er in einer der schönsten Szene sein soeben verendetes Pferd als Schutzhülle gegen die Kälte: Er weidet das Tier aus und legt sich nackt in den noch warmen, blutgetränkten Pferdekörper. In diesem Bild verdichtet Iñárritu mehrere Sinnebenen: Nicht nur muss sich der Mensch die Natur aneignen, um in ihr zu überleben. Auch ist die Natur ein Zuhause des Menschen, das er nie verlassen kann. Weiterlesen