Der Wolf hat seinen Exoten-Bonus verloren. Und das ist sein Problem

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Nach jahrzehntelanger Absenz muss sich der Mensch wieder an den Wolf gewöhnen.

Im Kanton Freiburg spielt sich gerade ein Wolfs-Drama ab. In Jaun soll ein Wolf vergiftet worden sein. Die Polizei verhörte einen Jäger und Politiker.  Solche Meldungen werden so rasch nicht aus den Medien verschwinden. Noch hat sich die Schweizer Bevölkerung nicht daran gewöhnt, dass der Wolf wieder einwandert. Weiterhin prallen im Umgang mit dem Wolf Menscheninteressen aufeinander – wie in dieser halb-fiktiven Diskussion zwischen Direktbetroffenen. Es treten auf: eine Zoopädagogin, ein Wildhüter, ein Schafzüchter, eine WWF-Vertreterin, eine Hirtin und ein Herdenschutzhundzüchter.

Zoopädagogin: Früher hatte der Wolf viel mehr Exoten-Bonus als heute. Und jetzt merken die Leute, dass sie mit diesem Tier zusammenleben müssen, weil sie plötzlich Erlebnisse mit dem Wolf haben – das ist neu.

Wildhüter: Wolf ist Wolf, das schürt Ängste bei der Bevölkerung. Die Leute wissen nicht genau, wie sie mit dem Wolf umgehen sollen. Die Bevölkerung erwartet vom Wildhüter, dass er sein Wild schützt und plötzlich gibt es alle zwei, drei Tage einen Riss und der Wildhüter macht nichts und sagt: „Das ist die Natur.“

Schafzüchter: Der Wolf hat seine Berechtigung und er soll auch eine Existenz haben, das ist ganz klar. Wir leben hier in der Schweiz aber nicht mehr wie vor 100 Jahren. Mit der Besiedlungsdichte, die wir heute haben, bin ich der Meinung, dass es nicht mehr denkbar ist, dass sich der Wolf hier irgendwie heimisch fühlen kann. Dem Wolf ist ja damit auch nicht gedient. Er findet praktisch keine richtige Wildnis mehr vor.

WWF-Vertreterin: Natürlich, wir sind nicht naiv: Wir sind in einer Kulturlandschaft. Unsere Landschaft wird genutzt. Darum gehört auch der Mensch zu diesem Gleichgewicht, aber eben auch der Wolf.

Wildhüter: Als vereidigter Wildhüter muss ich sagen können: „Halt, das ist ein Wolf, das ist ein Wildtier, der geniesst den höchsten Schutz.“

Schafzüchter: Ich begreife nicht, warum der Wolf immer noch auf der roten Liste dieser Berner Konvention ist. In Westeuropa sollte man den doch regulieren dürfen.

WWF-Vertreterin: Es ist klar, dass wir – wenn wir für Biodiversität sind – für die gesamte Biodiversität einstehen müssen. Der Wolf hat auch eine Rolle in diesem Gleichgewicht der Natur. Er reguliert das Wild, von dem wir viel zu viel haben.

Wildhüter: Ist der Wolf nicht da, hat es das Wild gut.

Schafzüchter: Das Problem ist einfach, dass die Leute das Gefühl haben, dass es ausreicht, zwischen dem Wolfsrudel und den Schafen daneben einen Zaun durch die Mitte zu ziehen. Wir müssen aber mittlerweile sagen, dass das eben nicht funktioniert.

Hirtin: Dass die Wölfe präsent präsent waren, wurde mir bestätigt. Ich selber habe sie nie gesehen oder gehört. Nur zwei mal bin ich nachts aufgewacht, weil das Bellen der Herdenschutzhunde sehr agressiv war. Aber als ich dann draussen war, habe ich nichts gesehen und die Schafe waren alle ruhig im Pferch.

Herdenschutzhundzüchter: Als Schafhalter ist es meine Philosophie, dem Wolf immer einen Schritt voraus zu sein.

Hirtin: Die Angst, Schafe durch den Wolf zu verlieren, hat sich in die Einstellung umgewandelt, dass ich es, wenn etwas passiert, halt wirklich hinnehmen muss, weil ich es nicht ändern kann. Es lässt sich letztlich auch nicht vermeiden. Aber die Angst war am Ende nicht mehr da.

Wildhüter: Ich war froh, als der Wolf dann abgewandert ist. Es gibt mir etwas Luft und die Möglichkeit, mich vorzubereiten. Der nächste Wolf kommt bestimmt.

Schafzüchter: Ich sehe nicht, dass ein Nebeneinander von Landwirtschaft und Wolf künftig möglich sein wird.

Zoopädagogin: Wenn der Wolf nie weg gewesen wäre, dann würden wir heute noch mit dem Wolf leben und die Schafe nicht einfach auf die Alp schicken.

Wildhüter: Die Schweiz wird besiedelt von den Wölfen – das ist so und damit müssen wir in Zukunft lernen zu leben.

Die teilweise leicht geänderten und hier frei zusammengestellten Zitate stammen aus der Ausstellung und dem gleichnamigen Booklet „Der Wolf ist da: Eine Menschenausstellung“ des Alpinen Museums der Schweiz und der Universität Zürich. Die Ausstellung in Bern dauert noch bis zum 1. Oktober 2017.

© Markus Hofmann

 

 

 

 

 

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3 Gedanken zu “Der Wolf hat seinen Exoten-Bonus verloren. Und das ist sein Problem

  1. Vielleicht hätte auch die Försterin oder der Waldbesitzer zitiert werden können. Falls sie in der Ausstellung überhaupt zitiert wurden.

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