Ist Naturschutzarbeit gut für die Gesundheit?

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Soll man Menschen, denen es gesundheitlich schlecht geht, hinaus in die Natur schicken, um Bäume zu pflanzen, Biotope zu pflegen oder den Wald von Abfall zu befreien? Befördern solche sinnvolle Arbeiten eine gute Gesundheit? Bewahrt einem das Frösche-über-die-Strasse-Tragen vor Herzkreislauferkrankungen?

Es gibt eine Reihe von Untersuchungen, die zeigen, dass umweltbezogene „Outdoor“-Aktivitäten neben den betreffenden Biotopen auch den involvierten Menschen gut tun. Man kommt in Kontakt mit Gleichgesinnten, hilft mit seiner als nützlich erachteten Arbeit nicht nur der Umwelt, sondern stärkt auch den Bezug zur Gemeinde, in der man lebt, und man betätigt sich körperlich. Dies alles scheint gesund zu sein. Eine „win-win“-Situation: gut für Mensch und Natur.

Doch quantiativ belegen lässt sich das (bisher) nicht. Weiterlesen

Il faut cultiver notre jardin

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Jedes Stück Wiese zählt. Albrecht Dürer: Das grosse Rasenstück (1503).

„Mais il faut cultiver notre jardin.“ Die Welt ist unverbesserlich. Aber wir müssen unseren Garten bestellen. So Voltaire im „Candide“ von 1759.

Sich darauf konzentrieren, was möglich ist. Dort anpacken, wo man wirklich etwas verändern kann. In seinem nächsten Umfeld. Denn die Zeitläufte kann ein einzelner kaum verändern.

Also die Schaufel in die Hand nehmen oder den Bagger bestellen. Und „Natur schaffen“. Die biologische Vielfalt in der Schweiz ist auf Talfahrt, obwohl seit ein paar Jahren auf politischer Ebene einiges gegen diesen Trend unternommen worden ist. Daher zählt nun jede einzelne Aktion – und sei sie noch so klein und bescheiden.

Das ist die Botschaft von „Natur schaffen“, einem soeben erschienenen Buch von Gregor Klaus und Nicolas Gattlen. Angestossen wurde es vom Forum Biodiversität Schweiz, dem Birdlife Schweiz sowie Pro Natura, unterstützt wurde das Projekt vom Bundesamt für Umwelt.

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Der Komodowaran – PSY der Reptilienwelt

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Nach ihm wird auf Wikipedia am meisten gesucht: nach dem Komodowaran.

Adeles Superhit „Hello“ ist bisher auf Youtube 1,5 Milliarden mal aufgerufen worden, „Gangnam Style“ von PSY gar über 2,5 Millarden mal. Solche Zahlen bedeuten Beliebtheit. Und was für Musiker gilt, sollte doch auch auf Reptilien zutreffen, dachten sich Forscher der Universitäten von Oxford und Tel Aviv. Und so untersuchten sie, welche Reptilien im Jahr 2014 am meistens ins Suchfeld der Online-Enzyklopädie Wikipedia eingegeben wurden. Sie nahmen insgesamt 10’002 Artikel und deren Anklickraten unter die Lupe. Weiterlesen

Hummelzucht gefährdet Wildhummeln

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Hummeln sind für die Bestäubung von Pflanzen zentral. Doch verschiedene Umweltfaktoren machen ihnen zu schaffen.

Hummeln sind längst zu Nutztieren geworden. Ihre Aufgabe besteht darin, Nutzpflanzen – insbesondere Tomaten – in Gewächshäusern zu bestäuben. Doch diese eigentlich sinnvolle Aufgabe könnte sich als fatal für ihre wilden Artgenossen herausstellen. Den wildlebenden Hummeln geht es nämlich – ähnlich wie den Bienen – schlecht. Einer der Gründe für den Hummel-Rückgang ist ein pathogener Pilz: Nosema bombi.

Für die schlechte Verfassung der nordamerikanischen Hummeln machte man bisher die europäischen Hummeln verantwortlich. Mit diesen sei eine neue Welle des Pilzes in die USA geschwappt, was zu einem starken Rückgang von Wildhummeln in den 1990er Jahren geführt habe, so die Vermutung. Doch nun zeigt sich, dass der Grund für die besorgniserregende Situation der US-Wildhummeln in den eigenen Gewächshäusern herumfliegt. Weiterlesen

Schmetterlinge im Schatten

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Das Grosse Ochsenauge schlägt sich gut: Es stellt an seine Umwelt keine allzu grossen Ansprüche.

Zum Frühlingsanfang eine gute und eine schlechte Notiz.

Zuerst die gute. In den Anden Ecuadors fand man viel mehr Spanner – eine Familie der Schmetterlinge – als bisher angenommen. Im untersuchten Gebiet von rund 25 Quadratkilometer Grösse zwischen 1020 und 3021 Meter über Meer gingen den Forschern 1857 verschiedene dieser Nachtfalter in die Lichtfalle. Zuvor bekannt waren „lediglich“ 1010. Weltweit gibt es ca. 26’000 Arten von Spannern.

Und nun die schlechte Nachricht – aus unseren Breitengraden. Zwischen 1840 und 2013 ist die Anzahl an Schmetterlingsarten in der Region um Regensburg in Bayern deutlich zurückgegangen.  Von den 117 Arten, die 1840 dokumentiert wurden, sind heute noch 71 übrig. Vor allem die Spezialisten unter den Schmetterlingen sind verschwunden, während die Generalisten ihre Bestände vergrössern konnten. Auch die Einrichtung von Naturschutzgebieten vermochte diese Entwicklung nicht ernsthaft aufzuhalten. Weiterlesen

Brexit schwächt Umweltschutz

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Düstere Wolken über den britischen Inseln: Ein Ausstieg aus der EU hätte negative Folen für die Umwelt.

Nicht nur könnte ein Austritt Grossbritanniens aus der EU der britischen Wirtschaft hohen Schaden zufügen. Dem sogenannten Brexit wohnt auch das Potenzial inne, den Umweltschutz in Grossbritannien zu schwächen. Zu diesem Schluss kommt das Institute for European Environmental Policy (IEEP), das die umweltrechtlichen Konsequenzen eines Brexit untersuchte. Dabei wurde es von Umweltorganisationen unterstützt.

Ein vollständiger Ausstieg Grossbritanniens aus der EU berge substanzielle Risiken für die Zukunft des britischen Umweltrechts, meint das IEEP. Grossbritannien wäre künftig davon ausgeschlossen, am europäischen Umweltrecht mitzuwirken. Und es bestehe die Gefahr, dass die britische Regierung die Umweltstandards senken würde, um Wettbewerbsvorteile ausserhalb der EU zu gewinnen. Ein Brexit hätte zudem negative Folgen für die boomende Industrie der „Grünen Wirtschaft“; Investitionen in diese würden wohl weniger nach Grossbritannien fliessen. Weiterlesen

Den Schönen gehört die Wissenschaft

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Da schmilzt das Forscherherz: Koalas stehen in der Gunst der Wissenschaft ganz oben.

Sie machen einen grossen Teil der Säugetierarten Australiens aus. Doch erforscht, geschweige denn geschützt, werden sie kaum. Und dies aus einem Grund: Weil sie hässlich sind. Von 331 in Australien lebenden Säugetieren gehören 45 Prozent zu den „Hässlichen“. Aber lediglich etwas mehr als ein Zehntel der Studien, die sich mit den australischen Säugetieren beschäftigen, haben die Hässlichen, zu denen vor allem einheimische Fledermäuse und Nagetiere zählen, zum Thema. Zu diesem Schluss kommen Patricia A. Fleming und Philip W. Bateman in ihrem Aufsatz: „The good, the bad, and the ugly: which Australian terrestrial mammal species attract most research?“ in der Mammal Review.

Zu den „Guten“ gehören die bekannten – und beliebten – tierischen Aushängeschilder Australiens: Natürlich die Koalas, die Kängurus, die Schnabeltiere und Ameisenigel. An diesen interessiert die Wissenschaft in erster Linie die Physiologie, die Anatomie oder auch die Taxonomie. Kein Wunder bei Säugetieren, die Eier legen oder ihre Jungen im Beutel aufziehen. Weiterlesen

Park statt Museum

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Am Heimplatz in Zürich entsteht ein neues Kunsthaus. Andere hätten hier lieber Bäume gesehen. (Bild: Markus Hofmann)

Es ist eine der besten Lage in der Stadt Zürich. Der Heimplatz. Hier sind derzeit die Baumaschinen aufgefahren. Der Stararchitekt David Chipperfield und sein Team setzen hier, so hofft es die Stadt, ein neues Wahrzeichen, die Erweiterung des Kunsthauses Zürich. Ein schöner Bau, wie die Baupläne verraten, und ein Bau, den die Kunst und Zürich verdient haben. Dennoch: Wäre es nicht noch schöner gewesen, hier einen Park anzulegen? Einen kleinen Central Park à la Zürich? (Den Erweiterungsbau hätte man am Stadtrand bauen können, womit man die Peripherie aufgewertet hätte.)

Ich wüsste auch einen Starparkgestalter, der in seinem Fach einen genauso guten Ruf geniesst wie Chipperfield in seinem: Gilles Clément. Weiterlesen

Biodiversität im Schatten des Klimas

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Der Uno-Klimarat IPCC gehört mittlerweile zum Allgemeinwissen. Seine Berichte zum Zustand des Klimas, die er regelmässig veröffentlicht, werden in Politik und Medien breit rezipiert. Gänzlich in seinem Schatten steht hingegen der Biodiversitätsrat, genauer: die „Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystems Services“ (IPBES). Diese Plattform wurde 2012 von über 100 Staaten ins Leben gerufen – mit dem Ziel, Politik und Öffentlichkeit auf wissenschaftlicher Basis über die Biodiversität und ihre Verfassung zu informieren. Doch über die Fachkreise hinaus ist die IPBES bisher kaum bekannt. Vergangene Woche trafen sich ihre Mitglieder – darunter auch die Schweiz – in Kuala Lumpur. Ein Bericht zur (bedrohlichen) Situation der Bestäuber sorgte in der Schweiz für wenig Aufmerksamkeit. Eine Ausnahme machte das Radio SRF (Beiträge hier und hier).

Die Beschlüsse des Biodiversitätsrats wurden jedoch gar nicht rapportiert. Einer davon hat es aber durchaus in sich. Bis 2019 soll nämlich der globale Zustand der Biodiversität sowie der Ökosystemleistungen erhoben werden – dies nicht nur im Hinblick auf die sogenannten Aichi-Biodiversitäts-Ziele, die bis 2020 erreicht werden müssen, sondern auch unter Berücksichtigung der Uno-Nachhaltigkeits-Ziele, die letztes Jahr verabschiedet wurden. Weiterlesen