Kanada steht vor der Wahl: Gesucht wird die Flechte der Nation

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Trotzt den härtesten Bedingungen: die Zierliche Gelbflechte. (Bild: Björn S… / CC BY-SA, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)

Kanada wählt am Donnerstag, 26. März 2020. Keinen neuen Präsidenten, kein neues Parlament. Sondern – eine nationale Flechte.

Über einen nationalen Baum verfügt Kanada bereits. Klar, es ist der Ahorn, dessen Blatt die Flagge Kanadas schmückt. Neben dem Ahorn kürte die Regierung bereits in den 1970er Jahren den Biber zum offiziellen Nationen-Tier.

Dass nun auch eine Flechte zu dieser Ehre kommt, ist kein Zufall. Denn Kanada zeichnet sich durch eine sehr hohe Artenzahl an Flechten aus. Möglicherweise ist Kanada neben Russland das Land mit der höchsten Flechten-Biomasse. Rund ein Zehntel der weltweit bekannten 25’000 Arten kommt in diesem nordamerikanischen Land vor.

Die Schweiz kann sich im Flechten-Ranking übrigens durchaus zeigen lassen: Obwohl flächenmässig viel kleiner als Kanada wachsen in der Schweiz rund 1800 Flechtenarten (von denen viele gefährdet sind).

Die Top-Flechte Kanadas soll nun per Abstimmung bestimmt werden. Im Internet kann man seine Stimme abgeben. Sieben Kandidatinnen stehen bereit.

Da ist zum Beispiel die Zierliche Gelbflechte (Xanthoria elegans). Die knallig rot-orange Flechte ist ein Hingucker und in Kanada weitverbreitet. Und sie ist besonders widerstandsfähig. Sie übersteht nicht nur harte kanadische Winter, sondern auch Weltraumbedingungen unbeschadet.

Zur Wahl stellt sich ebenfalls eine Flechte aus der Gattung der Bryoria, die „Horsehair“-Flechte. Sie ist eine typische Flechte der borealen Nadelwälder Kanadas. Tieren dient sie als Nahrung. Und früher bewahrte sie indigene Völker vor dem Verhungern.

Vor ein paar Jahren sorgte sie zudem für Aufruhr in der Welt der Flechtenspezialisten. Üblicherweise setzt sich eine Flechte aus der Gemeinschaft eines Pilzes, der die stützende Struktur bildet, sowie einer Alge, die für die Photosynthese zuständig ist, zusammen. Dank der Bryoria-Flechte fand man heraus, dass Flechten mehr als einen Pilz beherbergen können. Man entdeckte in ihnen auch Hefepilze.

So steht die „Horsehair“-Flechte nicht nur für die charakteristischen Wälder Kanadas, sondern auch für die Diversität der kanadischen Bevölkerung.

Wenn die Schweiz ebenfalls einen Flechten-Wettbewerb ausschreiben würde, dann stünde bei mir die Engelshaar-Flechte (Usnea longissima) ganz weit oben. Sie kommt nur noch in alten Bergwäldern vor, denen sie ein märchenhaftes Aussehen verleiht. Leider ist sie akut vom Aussterben bedroht.

© Markus Hofmann

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