Die Aliens vor den Toren der Naturschutzgebiete

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Schweizerischer Nationalpark: Manchmal schleppen Besucher nicht-heimische Arten in Schutzgebiete. (Bild: M. Hofmann)

Der Begriff sagt es: Naturschutzgebiete sind dazu da, die Natur vor Ort zu schützen. Und zwar auch vor sogenannten nicht-heimischen Arten. Solche Neobiota gelten als eine von mehreren Ursachen für den rapiden Biodiversitätsverlust (neben Zerstörung von Habitaten, Übernutzung, Klimawandel und Verschmutzung; zur Debatte über invasive Arten siehe hier).

Diese Bedrohung soll selbstverständlich auch von Naturschutzgebieten ferngehalten werden. Doch gelingt dies auch?

In einer grossen Datenstudie sind Forscher dieser Frage nachgegangen. Sie untersuchten, inwieweit sich weltweit 894 nicht-heimische Tierarten bereits in 199’957 Naturschutzgebieten breit gemacht haben. Der Befund ist positiv, doch die Gefahren drohen in der Zukunft.

Mehr als 58 Prozent der nicht-heimischen Tierarten, die der Studie zugrunde gelegt wurden, sind bereits in terrestrischen Naturschutzgebieten aufgetaucht – doch lediglich in 9,1 Prozent der 199’957 Gebiete. Und dies obwohl eigentlich über 95 Prozent aller Schutzgebiete zumindest einigen nicht-heimischen Tierarten einen geeigneten Lebensraum bieten würden.

Daraus lässt sich schliessen, dass es bisher ziemlich gut gelungen ist, die Schutzgebiete vor nicht-heimischen Tierarten zu bewahren.

Doch es stellt sich Frage: für wie lange?

Denn bei fast 90 Prozent aller Schutzgebiete haben sich nicht-heimische Tierarten in unmittelbarer Nähe (innerhalb von 10 Kilometer ab der Gebietsgrenze) niedergelassen. Bei 99 Prozent der Schutzgebiete tummeln sich nicht-heimische Arten in einer Entfernung von maximal 100 Kilometern.

Die Neozoen stehen also ante portas. Und oft finden sie den Weg in die Schutzgebiete im Schlepptau von Besuchern.

Deshalb müssten Besucher und Fahrzeuge, die Schutzgebiete aufsuchten und durchquerten, regelmässig auf nicht-heimische Arten untersucht werden, fordern die Forscher. Zudem müsse die nahe Umgebung von Naturschutzgebieten auf nicht-heimische Tierarten abgeklopft und diese, wenn möglich, eliminiert werden.

Nur so könnten die Gebiete weiterhin ihr Schutzfunktion für heimische Arten erfüllen.

© Markus Hofmann

 

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