Wem es bereits schlecht geht, dem geht es noch schlechter: Gefährdete Pflanzen in der Schweiz auf dem Rückzug

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Weisses Fingerkraut, eine typische Art von Trockenwiesen. In der Schweiz gilt diese Art als verletzlich. (Bild: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2001588)

Wie wichtig alte Aufzeichnungen sind, zeigt sich wieder einmal an einer neuen Untersuchung zur Schweizer Pflanzenwelt. Zwischen 1960 und 2001 hat „Info Flora“, das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora, die Pflanzenwelt gründlich aufgearbeitet. Diese Daten wurden nun mit dem Jetztzustand verglichen.

Über 400 Botaniker und Botanikerinnen haben sich die Mühe gemacht, die damals erhobenen Populationen – über 8000 – aufzusuchen und nachzuschauen, was dort noch wächst. Dabei hat man sich auf die 713 seltensten und am meisten bedrohten Arten konzentriert. Die Resultate dieser Studie sind besorgniserregend.

Von den 8024 Populationen, die man nun wieder untersucht hat, konnten 73 Prozent bestätigt werden. 27 Prozent aber sind in den letzten 10 bis 60 Jahren lokal ausgestoben. Und diejenigen Arten, die besonders stark gefährdet sind, litten am meisten: Sie gingen um 40 Prozent zurück. Dies bestätigt, in welch besorgniserregendem Zustand die Biodiversität in der Schweiz ist.

Besonders betroffen vom Rückgang sind die Pflanzen von Ruderalstandorten, also Orte, die unter ständigem Einfluss des Menschen stehen (zum Beispiel landwirtschaftlich genutzte Flächen). Die dortigen Pflanzen bekommen die intensive landwirtschaftliche Praxis mit aller Wucht zu spüren.

Ebenfalls stark leiden die Pflanzenarten, die typisch für Gewässer, Ufer und Moore sind. Vergleichsweise glimpflich kommen die Pflanzen in Wäldern und auf alpinen Wiesen davon.

Die Forscherinnen und Forscher kommen zu einem klaren Schluss: Die gegenwärtigen Schutzbemühungen genügen nicht. Neben dem Schutz der Habitate braucht es eine gezielte Artenförderung. Die Habitate müssen wieder aufgewertet und miteinander vernetzt werden, so dass ein natürlicher Austausch der Populationen möglich wird.

Eigentlich ist das alles bekannt und wird von vielen schon lange gefordert. Nun hat man die Evidenz, die das Handeln belegen. Dieses müsste nun allerdings sofort erfolgen, um weitere Verluste zu verhindern.

© Markus Hofmann

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