Keine neuen Bienenstände mehr – den Wildbienen zuliebe

Honigbienen sind faszinierend. Doch in der Schweiz gibt es bereits mehr als genügend Bienenstände. (Bild: PollyDot / Pixabay)

Albert Einstein sagte: „Wenn die Bienen aussterben, sterben vier Jahre später auch die Menschen.“ Daran sind gleich zwei Dinge falsch. Das Zitat stammt (mit grosser Wahrscheinlichkeit) nicht von Einstein. Und die Aussage, dass die Menschheit vom Überleben der Biene abhänge, trifft ebenfalls nicht zu. Insbesondere dann, wenn man unter „Biene“ die Honigbiene (Apis mellifera) versteht. Für die Bestäubung der Pflanzen (und damit die Nahrung nicht nur der Menschen) sind noch viele weitere (Insekten-)Arten zuständig.

Dennoch wird das vermeintliche Einstein-Zitat gerade in Imkerkreisen gerne bemüht. Ohnehin: Die sympathische Honigbiene wurde in den vergangenen Jahren zur Heldin des Biodiversitätsschutzes gekürt. So stellte der Bayrische Ministerpräsident Markus Söder das Volksbegehren zum Artenschutz unter das Motto „Rettet die Bienen“ und krönte sich damit gleich selbst zum „Bienenkönig“.

Auch boomt seit ein paar Jahren die Hobby-Imkerei, wozu der Dokumentarfilm „More Than Honey“ des Schweizers Markus Imhoof beigetragen hat (auch dort wird Einstein „zitiert“). Die Schweiz weist mittlerweise eine der höchsten Honigbienen-Dichten Europas auf. Und dies betrifft nicht nur das Land: In der Stadt Zürich etwa haben die Bienenstände seit 2014 um 80 Prozent zugenommen. Es ist hip geworden, auf Hausdächern Bienen zu halten.

Schön, dass sich viele (Stadt-)Menschen mit Bienen beschäftigen. Doch der Trend hat auch Schattenseiten. Die Honigbiene ist eine Nahrungskonkurrentin der Wildbienen. Und denen geht es nicht besonders gut. Von den über 600 in der Schweiz nachgewiesenen Wildbienenarten ist die Hälfte bedroht. Eine Aufdatierung der betreffenden Roten Liste soll dieses Jahr publiziert werden.

Die IG Wilde Biene warnt nun davor, den Imkerei-Trend unkritisch zu begegnen.

Honigbienen seien nicht nur Nahrungskonkurrentinnen, sondern sie würden Wildbienen auch verdrängen, sie könnten Anzahl und Fitness des Wildbienennachwuchses verringern und trügen zur Übertragung von Krankheiten auf Wildbienen bei, schreibt die IG Wilde Biene.

Klar: Die Imker:innen sind selbstverständlich nicht am schlechten Zustand der Wildbienen schuld. Diesen macht vor allem zu schaffen, dass die für sie geeigneten Lebensräume immer knapper werden. Hinzu kommt der Pestizid-Einsatz. Und obendrauf nun noch die wachsende Konkurrenz durch eine Zunahme des Honigbienen-Bestandes.

Im Kanton Bern ist die Errichtung von neuen Bienenständen in Naturschutzgebieten verboten. Bereits bestehende Bienenstände sollen wenn immer möglich abgebaut werden. Eine ähnliche Regelung gibt es auch im Kanton Zürich. Für die ganze Schweiz fehlen allerdings vergleichbare Bestimmungen. Auch bräuchte es zusätzlich Pufferzonen rund um die Naturschutzgebiete, da Bienen in einem Radius von mehreren Kilometern Pollen sammeln. Ebenso müsste es Bestimmungen für Städte geben. Gerade dort finden sich vergleichsweise viele Wildbienenarten.

Das Halten von Bienen ist attraktiv, ohne Frage. Neben einem Einblick in das faszinierende Leben dieser staatenbildenden Insekten werden die Imker:innen auch mit Honig belohnt. Doch es braucht keine neuen Bienenstände mehr. Die Ressourcen, die für die Haltung der Honigbiene aufgewendet werden, sollten woanders hinfliessen: in die Verbesserungen der Lebensbedingungen von Wildbienen.

© Markus Hofmann

2 Gedanken zu “Keine neuen Bienenstände mehr – den Wildbienen zuliebe

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