Der Brexit werde den Umweltschutz in Grossbritannien schwächen. Zu diesem Schluss kam das Institute for European Environmental Policy (IEEP) vor der Abstimmung vom 24. Juni 2016. Wie präsentiert sich die Ausgangslage nun mit etwas Abstand zu diesem historischen Tag? Ein einheitliches Bild lässt sich nicht zeichnen. Vieles wird unsicher bleiben, bis die Ablösung Grossbritanniens von der EU vollzogen ist. Wie diese Ablösung aussieht, ist bisher schlicht nicht klar. Die Möglichkeiten reichen von der völligen Abschottung bis zum Verbleib in der EU, falls der Brexit scheitern sollte. Weiterlesen
Kunst gesucht – ornithologisches Juwel entdeckt

Da ist grosse Kunst (fast) zur Nebensache geworden. Angezogen von einem prägenden Künstler des letzten Jahrhunderts, entdecke ich eine prächtige ornithologische Sammlung mitten in den Alpen.
Das Bergell, das südliche Bündner Tal, feiert derzeit einer seiner grossen Künstler. Vor 50 Jahren starb Alberto Giacometti, der 1901 in Borgonovo zur Welt gekommen war. Höhepunkt der Ausstellung zum Gedenkjahr ist das Atelier Giacomettis in Stampa, das sich erstmals öffentlich besichtigen lässt. Und selbstverständlich werden Werke von Giacometti gezeigt, vor allem solche, die im Bergell entstanden sind. Wer Giacometti mag, ist von den Porträts, Stillleben und Landschaftsbildern im Museo Ciäsa Granda in Stampa mehr als angetan.
Das Museo Ciäsa Granda ist aber mehr als ein Kunstmuseum. Es ist auch das Bergeller Talmuseum, das Geschichte und altes Handwerk dokumentiert und über eine beachtliche geologische Abteilung verfügt. Natürlich dürfen auch Wolf und Bär nicht fehlen. Vor allem aber bietet das Museum eine überraschend umfangreiche ornithologische Sammlung. Nicht nur die einheimischen Vogelarten finden sich in rund 50 Dioramen präsentiert. Auch etliche „ausserbergellische“ Arten wie Grossmöwen und Limikolen sind zu sehen. Weiterlesen
Nachglühen: Leuchtkäfer-Kunst

Noch bis zum 17. Juli dauert „Fireflies!“, die Leuchtkäfer-Kunstausstellung in der Zürcher Stadtgärtnerei. In dieser kleinen, aber feinen Ausstellung zeigen verschiedene Künstler Werke, bei denen sie sich von Glühwürmchen inspirieren liessen. Am besten gefällt mir die Arbeit von Marianne Engel. Sie bildet die Natur nicht mehr oder weniger verfremdend ab, sondern bei ihr wird die Natur wirklich Teil des Werks. In der Fotoserie „Glühbahnen“ macht sich Engel die Biolumineszenz der Glühwürmchen zunutze: Leuchtkäfer belichteten den Fotofilm direkt. Die Fotos überzeugen ästetisch, strahlen aber auch etwas Beunruhigendes aus. Man ahnt, wie rasch Schönheit vergeht und das Dunkle hinterlässt.
Fast ganz dunkel wird es in der „Pilzgarage“. Dort hat Engel verschiedene Objekte (Wurzeln, kleine Bäume, Hasenkadaver, Pilze) mit Leuchtpigmenten gefärbt. Erst wenn sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, erschliesst sich dem Betrachter das schwache Glühen. Es beginnt zu leuchten, was man in der überbelichteten Zivilisation nicht (mehr) sieht.

Reissaus vor dem Feuerwerk

Zunächst versuchen sie, sich auf dem Baumwipfel niederzulassen. Doch dann erfolgt der nächste Knall, der zwischen Üetli- und Zürichberg hin- und hergeworfen wird. Die beiden Graureiher starten durch und fliegen zwei Meter über uns, die wir auf der Dachterrasse stehen, in Richtung Wald. Hinter den Graureihern steigen Dutzende von Raketen empor und entladen ihre bunte und ohrenbetäubende Fracht. Das „Züri-Fäscht“, das grösste Volksfest der Schweiz, bietet seinen Hunderttausenden von Gästen das erste von insgesamt drei Riesenfeuerwerken an diesem Wochenende.
Dass Hunde und Katze empfindlich auf Feuerwerk reagieren, wissen die meisten Tierhalter aus eigener Erfahrung. Während der Knallerei sperren sie ihre Haustiere in einen ruhigen Raum oder verlassen den Ort des Geschehens. Doch wie reagieren Wildvögel auf Grossfeuerwerke? Das Abfeuern von Petarden ist ein übliches Mittel in der Landwirtschaft, um Vögel zu vergrämen. Einen ähnlichen Effekt hat daher wohl auch das Abbrennen von Feuerwerk.
Viele Untersuchungen dazu gibt es noch nicht. In den Niederlanden konnte gezeigt werden, dass in der Silvesternacht Vogelschwärme in die Flucht getrieben wurden. Das panische Verhalten kann in der Folge zu vermehrten Kollisionen mit Immobilien führen. In den USA verzeichnete man in Silvesternächten ein Massensterben an Vogelschlafplätzen. Der Ornithologe Martin Weggler nahm sich dem Thema in Zürich an. Er wollte wissen, welchen Effekt das Silvesterfeuerwerk auf überwinternde Wasservögel im unteren Zürichsee-Becken hat. Weiterlesen
Ist Naturschutzarbeit gut für die Gesundheit?

Soll man Menschen, denen es gesundheitlich schlecht geht, hinaus in die Natur schicken, um Bäume zu pflanzen, Biotope zu pflegen oder den Wald von Abfall zu befreien? Befördern solche sinnvolle Arbeiten eine gute Gesundheit? Bewahrt einem das Frösche-über-die-Strasse-Tragen vor Herzkreislauferkrankungen?
Es gibt eine Reihe von Untersuchungen, die zeigen, dass umweltbezogene „Outdoor“-Aktivitäten neben den betreffenden Biotopen auch den involvierten Menschen gut tun. Man kommt in Kontakt mit Gleichgesinnten, hilft mit seiner als nützlich erachteten Arbeit nicht nur der Umwelt, sondern stärkt auch den Bezug zur Gemeinde, in der man lebt, und man betätigt sich körperlich. Dies alles scheint gesund zu sein. Eine „win-win“-Situation: gut für Mensch und Natur.
Doch quantiativ belegen lässt sich das (bisher) nicht. Weiterlesen
Il faut cultiver notre jardin

„Mais il faut cultiver notre jardin.“ Die Welt ist unverbesserlich. Aber wir müssen unseren Garten bestellen. So Voltaire im „Candide“ von 1759.
Sich darauf konzentrieren, was möglich ist. Dort anpacken, wo man wirklich etwas verändern kann. In seinem nächsten Umfeld. Denn die Zeitläufte kann ein einzelner kaum verändern.
Also die Schaufel in die Hand nehmen oder den Bagger bestellen. Und „Natur schaffen“. Die biologische Vielfalt in der Schweiz ist auf Talfahrt, obwohl seit ein paar Jahren auf politischer Ebene einiges gegen diesen Trend unternommen worden ist. Daher zählt nun jede einzelne Aktion – und sei sie noch so klein und bescheiden.
Das ist die Botschaft von „Natur schaffen“, einem soeben erschienenen Buch von Gregor Klaus und Nicolas Gattlen. Angestossen wurde es vom Forum Biodiversität Schweiz, dem Birdlife Schweiz sowie Pro Natura, unterstützt wurde das Projekt vom Bundesamt für Umwelt.
Abfall – Nachlass des Künstlers

Was hinterlässt ein Künstler der Nachwelt? Seine Werke. Bilder, Bücher, Skulpturen, Musikstücke. Doch nicht nur. Wie von allen anderen Menschen bleiben auch von ihm Spuren seines alltäglichen Lebens zurück. Gegenstände, die wie die Kunstwerke die Zeit ihres Erschaffers überdauern, die nach dem Tod aber zu Abfall werden. Kleidungsstücke, Schuhe, Utensilien aller Art.
Viele dieser Objekte bleiben genauso wie die Kunst der Nachwelt erhalten. Nichtabbaubare Plastikteile enden in der Natur, wo sie Fossil-ähnlich Jahrhunderte überdauern. Die von den Menschen verursachten Treibhausgasemissionen beeinflussen das Klima möglichweise über Jahrtausende. Nach dem Tod des Menschen wirkt seine ehemalige Präsenz lange nach. Der Mensch verschwindet nicht „wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand“, wie Michel Foucault schrieb. Er hat sich der Erde bereits tief eingeschrieben. Weiterlesen
Der Komodowaran – PSY der Reptilienwelt

Adeles Superhit „Hello“ ist bisher auf Youtube 1,5 Milliarden mal aufgerufen worden, „Gangnam Style“ von PSY gar über 2,5 Millarden mal. Solche Zahlen bedeuten Beliebtheit. Und was für Musiker gilt, sollte doch auch auf Reptilien zutreffen, dachten sich Forscher der Universitäten von Oxford und Tel Aviv. Und so untersuchten sie, welche Reptilien im Jahr 2014 am meistens ins Suchfeld der Online-Enzyklopädie Wikipedia eingegeben wurden. Sie nahmen insgesamt 10’002 Artikel und deren Anklickraten unter die Lupe. Weiterlesen
Es wäre möglich: Welternährung ohne Waldverlust

Oft muss Wald weichen, wenn es Flächen für die Nahrungsmittelproduktion braucht. Ob Äcker, Plantagen oder Weiden: Sie breiten sich vielerorts auf Kosten von Wäldern aus.
Doch das müsste nicht sein. Eine ausreichende Ernährung der Weltbevölkerung im Jahr 2050 ist möglich, ohne dass die Waldfläche zurückgehen muss, wie Forscher der Alpen-Adria Universität in Klagenfurt zeigen, nachdem sie 500 verschiedene Zukunftsszenarien durchgerechnet haben. Weiterlesen
Einblick in die Fledermauswelt dank Maschinen

Um zu wissen, was fehlt, muss man eine Ahnung davon haben, was überhaupt da ist. Bei nachtaktiven Fledermäusen ist das gar nicht so einfach. Doch zum Glück geben Fledermäuse Laute von sich, um sich zu orientieren. Teilweise liegen die Echolotungen im Hörbereich des Menschen, andernfalls kann man sie dank Technik hörbar machen.
Allerdings sind die Rufe der Fledermäuse nicht in allen Fällen leicht voneinander unterscheidbar. Doch nun ist es gelungen, eine Methode zu entwickeln, die ein erstaunlich gutes Ergebnis bei der Bestimmung von Fledermäusen erzielt. Weiterlesen