Der Staat ist nicht Hüter der „Klima-Wahrheit“

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Teil des Titelblatts der UBA-Broschüre zum Klimawandel.

Am 24. Mai 2013 schrieb ich im NZZ-Umweltblog (online nicht mehr verfügbar): „Was bloss hat das deutsche Umweltbundesamt (UBA) geritten, als es sich entschloss, einen 118-Seiten dicken Bericht zur Klimadebatte zu publizieren? ‚Und sie erwärmt sich doch – Was steckt hinter der Debatte um den Klimawandel?‘ heisst die Propagandabroschüre, die in Deutschland derzeit für rote Köpfe sorgt.“

Inzwischen ist diese staatliche Umweltbroschüre Gegenstand eines juristischen Verfahrens geworden. Als vorerst letzte Instanz hat das Oberverwaltungsgericht Magdeburg anfangs Februar entschieden. Und zwar gegen den Umweltjournalisten Michael Miersch. Was ist geschehen?

Die UBA-Broschüre „Und sie erwärmt sich doch“ verfolgt nicht den Zweck, die Fakten zum Klimawandel verständlich und übersichtlich aufzuarbeiten. Sie ist vielmehr eine Kampfansage an sogenannte Klimaskeptiker. Weiterlesen

Aus Kaffeesatz wird Kaffeetasse

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Was beim Kaffeemachen übrig bleibt, wird zu Geschirr. (Bild: Markus Hofmann)

Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub – und Kaffee zu Kaffee. Ich sitze in der „Oslo Kaffebar“ in Berlin, vor mir auf dem Tisch steht ein frischgebrauter Espresso, aber nicht in einer weissen Porzellantasse, sondern in einer braunen Tasse, die aus einem undefinierbaren Material gefertigt zu sein scheint. Anders als Porzellangeschirr ist dieses Gefäss sehr leicht. Es hinterlässt den Eindruck, nicht so rasch zu zerbrechen. Fiele es auf den Boden, ginge es wohl nicht kaputt. Plastik? Oder irgendein anderer Kunststoff? 

Nein. Die Kaffeetasse besteht aus – Kaffee. Weiterlesen

Keine Wildnis nirgendwo

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Auch vermeintlich abgeschiedene Gebiete werden von Strassen durchschnitten.

Einfach mal losmarschieren, ohne auf eine von Menschenhand gebaute Infrastruktur zu stossen: In Europa ist dies fast unmöglich. Ein Viertel des Landes ist lediglich 500 Meter von einer Strasse oder einer Bahnlinie entfernt, bei der Hälfte der Fläche von 36 europäischen Staaten sind es 1,5 Kilometer und über ganz Europa gerechnet 10 Kilometer. Die Wahrscheinlichkeit, in Europa innerhalb einer zweistündigen Wanderung eine Strasse zu überqueren oder über ein Geleise zu stolpern, ist also sehr hoch. Ein dichtes Verkehrsnetz überzieht ganz Europa. Und das hat gravierende Auswirkungen auf Wildtiere. Weiterlesen

Ein Dino, der hohe Erwartungen erfüllt

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27 Meter lang ist der Sauropode, der im Genfer Naturhistorischen Museum ausgestellt ist. (Bild: Markus Hofmann)

Dinosaurier entzücken nicht nur kleine Buben und Mädchen. Der Faszination dieser manchmal gigantisch grossen Tiere, die vor Millionen Jahren die Erde besiedelten, kann sich kaum jemand entziehen. In naturhistorischen Museen gehören Dino-Fossilien denn auch zu den Höhepunkten. Dennoch stellt sich beim Betrachten ein Gefühl der Enttäuschung ein, bestehen die Objekte doch grösstenteils aus Replikaten. Meistens sind lediglich wenige Teile der Dino-Skelette original.

Anders ist dies nun in Genf. Dort wird einer der grössten Dinosaurier, der jemals gefunden wurde, erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Beeindruckende 27 Meter lang ist das Tier. Und 80 Prozent der im Genfer Naturhistorischen Museum ausgestellten Knochen dieses Dinos sind echt. Weiterlesen

Das ewige Leben der Nachtigall in Gefahr

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Nachtigall: In England unter Druck. (Bild: Vogelartinfo, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12915842)

Äusserlich ist der Vogel unscheinbar. Doch sein Gesang hat Dichter zu poetischen Höhenflügen verführt. Die Nachtigall-Männchen sind die Boten des Frühlings. Sie werben anders als viele andere Vogelarten auch in der Nacht mit sehr komplexen Strophen um Weibchen und locken Menschen an, die den Gesang als äusserst wohlklingend empfinden. Da sich Verliebte auch gerne nächtens treffen, wurde die Nachtigall zum Symbol der Liebe.

Wie die Liebe soll die Nachtigall ewig leben, schrieb der englische Romantiker John Keats (1795 bis 1821) in seiner “Ode an eine Nachtigall”:

“Du stirbst nicht, Vogel, du lebst ewiglich!
Nein, dich zertritt kein hungriges Geschlecht.”

Doch nun könnte tatsächlich ein “hungriges Geschlecht” die Nachtigallen  “zertreten”. Gerade in Keats Heimatland: Denn Lodge Hill in Kent soll überbaut werden. Weiterlesen

Konservative Vorkämpferin gegen den Klimawandel

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Margaret Thatcher (1925-2013)

Wenn am 20. Januar 2017 Donald J. Trump Präsident der USA wird, bekleidet ein Geschäftsmann das Amt, der den menschengemachten Klimawandel rundheraus in Zweifel zieht. Er nannte ihn einst einen „Schwindel“:

Berühmtheit erlangte sein Tweet, in dem er die Klimaerwärmung als eine Erfindung der Chinesen bezeichnete:

Auch wenn sein designierter Innenminister, Ryan Zinke, diesen Äusserungen in den Anhörungen widersprach oder sie zumindest relativierte: Grosse Fortschritte in der Klimapolitik sind unter Trump zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zu erwarten.

Wie im Fall von Trump finden sich Klimawandel-Skeptiker meistens auf der rechten politischen Seite. Historisch gesehen war das allerdings nicht immer so. Es waren gerade auch Konservative und alles andere als grün-linke Politiker, die mahnten, das Problem des Klimawandels ernst zu nehmen. Weiterlesen

Feuchtgebiet statt Flugplatz – ein Märchen

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Gleich zwei Bundesräte reisten an diesem sonnigen Samstag von Bern nach Dübendorf: die Umwelt- und die Verteidigungsministerin. Mitten im Frühling war es endlich soweit. Am 3. Mai 2025 konnte die „Wildniszone Dübendorf“ der Bevölkerung übergeben werden.

Bereits 115 Jahre zuvor hatte am selben Ort ein grosses Volksfest stattgefunden. Damals wurde ein neuer Flugplatz gefeiert. Dübendorf wurde in der Folge zur Wiege der Schweizer Luftfahrt. Lange Zeit startete von hier aus das Überwachungsgeschwader, um die Schweiz zu verteidigen. Dann änderten sich die Zeiten. Militärisch spielte der Flugplatz Dübendorf kaum mehr eine Rolle.

Die zivile Luftfahrt war allerdings weiterhin am Flugfeld interessiert. Auch weitere Vertreter der Wirtschaft sowie der Forschung schauten begierig auf den frei werdenden Platz und wollten einen Innovationspark erstellen.

Dann, wie aus dem Nichts, tauchte plötzlich eine völlig neue Idee auf.

Verwandeln wir die 256 Hektaren in ein Naturschutzgebiet von internationaler Bedeutung! Geben wir der Natur in der dichtbesiedelten Schweiz ein wenig Raum zurück!

Ein verrückter Vorschlag. Niemand glaubte an seine Umsetzung. Doch nach und nach fanden sich für alle Fragen überzeugende Antworten. Weiterlesen

Im Netz des Lebens: eine neue Humboldt-Biografie

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Alexander von Humboldt (Bild: Joseph Karl Stieler).

„Wohin der Blick des Naturforschers dringt, ist Leben oder Keim zum Leben verbreitet.“ Alexander von Humboldt, von dem dieser Satz stammt, steht seit Wochen weit oben auf den Bestseller-Listen. Schon wieder, ist man versucht zu sagen. Bereits vor ein paar Jahren gelangte Humboldt (damals zusammen mit dem Mathematiker Carl Friedrich Gauss) in die obersten Verkaufsränge. Grund war damals der Erfolgsroman „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann (verfilmt 2012). Den neuerlichen Erfolg verdankt der weitgereiste Universalgelehrte (1769 bis 1859) der Historikerin und Sachbuchautorin Andrea Wulf. Ihre Humboldt-Biografie „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ verkauft sich bestens und hat vor allem im englischen Sprachraum etliche Preise eingeheimst (das Original erschien in englischer Sprache).

Zu Recht. Wulf hat eine höchst lesenswerte Biografie geschrieben. Kundig recherchiert und packend erzählt. Neben der Erinnerung an einen fast unvorstellbar neugierigen, mutigen und produktiven Menschen ist es das Hauptanliegen von Wulf, Humboldt als Vater des Umweltschutzes zu zeichnen. Dieses Bild ist allerdings nicht ganz neu. Weiterlesen

Als die Bilder voller Vögel waren

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Roelant Savery: Turmruine am Vogelweiher (1618).

In Dresden, in der Kunsthalle im Lipsiusbau, kann man derzeit die Entdeckung der Landschaft erleben. Im 16. und 17. Jahrhundert schufen flämische Maler idealisierte Panoramen der Welt, die unser Landschaftsbild bis heute prägen. Nach und nach füllte damals auch die Natur die Bilder. Es war die Zeit der Entdeckungen, die exakten Naturwissenschaften entstanden, die Zoologie verlangte eine genaue Betrachtung der Tiere und Pflanzen von nah und fern.

Und so bevölkern Tiere aus  Europa und Übersee die Landschaften. Vor allem auch Vögel werden oft naturgetreu ins Bild gesetzt: Spechte, Eichelhäher, Schwäne, Enten, Kraniche, Papageigen, Paradiesvögel. Ein ornithologisches Panoptikum. Weiterlesen

Wie man mitten in der Grossstadt aus der Menschenwelt ausbrechen kann

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Eine Frau und ein Mann schauen uns mit fragend-spöttischem Blick an. Unsere Ferngläser sind nach oben gerichtet. Obwohl der Oktober gerade erst begonnen hat, hat es in der Nacht geschneit. Hier oben, auf einem Pass in den Berner Alpen, liegt die Landschaft unter einer weissen Decke begraben. Langsam bricht die Sonne durch die Wolken. Herrliches Ausflugswetter. Während sich das Paar für einen Spaziergang auf den verschneiten Wegen rüstet, haben wir, eine Gruppe von Vogelbeobachtern, nur Augen für den Himmel. Der Mann tritt an uns heran und fragt, was wir sehen würden.

Wir sehen: das Offensichtliche. Hunderte von Zugvögeln – Finken, Tauben, Drosseln, Greifvögel – fliegen vom Norden her teilweise nur wenige Meter über unseren Köpfen in Richtung Mittelmeer. Die beiden Wanderer legen ihre Köpfe in den Nacken. Und jetzt erkennen sie auch, was wir sehen: die vielen schwarzen Punkte, die in stetigem Auf und Ab über den weißen Bergrücken navigieren. Man spürt förmlich, wie die beiden etwas gewahr werden, was sie nie zuvor beachtet haben.

Mit einem entspannten Lächeln im Gesicht verabschieden sie sich bald wieder von uns und machen sich auf den Weg in die winterliche Landschaft. Über ihnen und uns ergießt sich weiterhin ein schier endloser Strom von Vögeln in den Süden. Eines der spektakulärsten Naturereignisse spielt sich hier vor aller Augen ab – und doch sehen es nur wenige. Weiterlesen