Schönheit geht vor: Auch Wissenschaftler bevorzugen charismatische Vogelarten

„Plump“ und ohne Auffälligkeiten, die Gartengrasmücke wird gerne übersehen. (Bild: Biillyboy / CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11427509)

Die Gartengrasmücke ist das Aschenbrödel unter den hiesigen Singvögeln. „Anonyme Erscheinung, eine oliv braun-graue, eher plumpe Grasmücke ohne auffallende Kennzeichen.“ Viel weniger euphorisch lässt sich ein Vogel kaum beschreiben wie in der „Bibel“ der Vogelbeobachter, dem Kosmos-Vogelführer von Lars Svensson.

LBB – die Vernachlässigten

LBB, „Little Brown Birds“, nennt man in der Birder-Sprache die kleinen, bräunlichen und unauffälligen Vögel, die schwierig voneinander zu unterscheiden sind – zumal dann, wenn sie stumm sind und nicht ihre unterschiedlichen Gesänge ertönen lassen.

Durchaus nachvollziehbar ist es, wenn Sichtungen der LBB nicht gerade Jubelschreie hervorrufen. Der Mensch als Augenwesen lässt sich von Buntem, nicht von Braun-Grauem verführen, wie in den „Umweltnotizen“ bereits vermerkt wurde. Uns gefallen die charismatischen Arten besser als die unscheinbaren.

Überraschend allerdings ist es, wenn selbst Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Schönen und Bunten den Vorzug geben. Dies ist offenbar der Fall, wie die Analyse von über 27.000 Studien aus über 50 Jahren ornithologischer Forschung ergab. Silas E. Fischer u.a. veröffentlichten die Anaylse in „Proceedings of the Royal Society B“.

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Wegwerfgesellschaft: Vögel müssen ihre Nester in der Stadt nicht mehr jedes Jahr neu bauen, denn Plastikabfall hält (fast) ewig

Dieses Blässhuhn (Taucherli) kann noch in natürlichem Nestmaterial brüten. (Bild: Mabel Amber/Pixabay)

Normalerweise bauen Blässhühner – in der Schweiz bekannt als „Taucherli“ – jährlich ein neues Nest. Da dieses aus Pflanzenmaterial besteht, zerfällt es rasch.

Doch nun könnte sich dieses Verhalten gerade verändern. Die Blässhühner verbauen Abfall, der kaum oder nur langsam verrottet. Vor allem Plastik ist für den Nestbau beliebt. Der ist reichlich in der Umwelt vorhanden. 79 Prozent des bisher hergestellten Plastiks liegt noch immer irgendwo auf der Erde herum, lediglich 9 Prozent wurden recycelt.

Plastikschichten im Vogelnest

Und so müssen die Blässhühner nicht mehr jedes Jahr ein Nest von Grund auf neu bauen. Ein aus Plastikabfällen bestehendes Nest kann Jahrzehnte überstehen und von mehreren Generationen bewohnt werden, wie Forscher in den Niederlanden beobachtet haben.

Anhand der auf den Plastikverpackungen eingeprägten Ablaufdaten konnten sie Geologen gleich die Geschichte der Nester Schicht für Schicht rekonstruieren. Ihre Studie haben sie in Ecology veröffentlicht.

Vor allem ein Blässhuhnnest mitten in Amsterdam hat es ihnen angetan. Es enthielt 635 künstliche Gegenstände, die einen Blick in die nahe Vergangenheit unserer Wegwerfgesellschaft erlauben.

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Kuschelig, aber tödlich: Mit Pestiziden kontaminierte Katzen- und Hundehaare schädigen Vögel

Nicht nur Moose werden zum Nestbau verwendet. Auch Tierhaare finden Verwendung – mit potenziell verheerenden Folgen. (Bild: Markus Hofmann)

Kohl- und Blaumeisen mögen ihr Nest weich und kuschelig. Dafür sammeln die Vögel neben Moosen auch Haare, die herumstreifende Tiere wie Hunde und Katzen verloren haben oder die Tierhalter mit besten Absichten für die Vögel im Garten auslegen.

Doch mit den Haustierhaaren gelangen auch Pestizide in die Kinderstube der Vögel. Denn die Hunde- und Katzenhalter behandeln ihre Lieblinge mit Tierarzneimitteln gegen Flöhe und Zecken.

Tote Küken und nicht ausgebrütete Eier

Die Antifloh und -zeckengifte haben das Potenzial, die Vögel zu schädigen, wie eine soeben in „Science of the Total Environment“ publizierte Studie zeigt. In Nestern mit vielen Insektiziden zählten die Forscherinnen und Forscher eine höhere Anzahl an toten Küken oder nicht ausgebrüteten Eiern.

Manche dieser Insektizide sind wegen ihrer bekannten Umweltschädlichkeit in der Landwirtschaft längst verboten. In der Veterinärmedizin finden sie aber noch immer rege Verwendung. Die Autorinnen und Autoren der neuen Studie fordern daher, dass der Einsatz dieser Tierarzneimittel überprüft werden müsse.

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Weisse Jäger der Nacht: die überraschende und rätselhafte Tarnung der Schleiereule

Die Gefiederfarbe der Schleiereulen variiert stark. Das Spektrum reicht von weiss bis rostbraun. (Bild: Kevinsphotos/Pixabay)

Wer in der Nacht auf die Jagd geht, wird sich – ausser es liegt Schnee – kaum weiss kleiden. Doch genau mit dieser Taktik gehen Schleiereulen auf Beutesuche. Und sie scheinen damit erfolgreich zu sein, sonst wären sie schon längst ausgestorben.

Schleiereulen weisen ein breites Farbspektrum auf, von dunkel (rostbraun) bis hell (weiss). Gerade die weiss gefärbten Schleiereulen faszinieren wegen ihrer Schönheit. Doch sie geben auch Rätsel auf. Wie können sich weisse Schleiereulen in der Dunkelheit unbemerkt ihrer Beute nähern?

Eine Erklärung argumentiert mit dem Schockeffekt.

In mondhellen Nächten reflektiert das weisse Gefieder das Mondlicht besonders gut. Wenn Nagetiere, denen Schleiereulen nachstellen, etwas nicht mögen, dann ist es helles Licht. Eine vom Licht des Mondes angestrahlte weisse Schleiereule muss für eine lichtscheue Wühlmaus wie ein Scheinwerfer wirken.

Es bleibt ihr nur eine Wahl: Möglichst lange in Starre verfallen und hoffen, dass die Schleiereule sie nicht entdeckt und weiterfliegt. Doch die Jagdtechnik der Schleiereule ist einen Schritt weiter: Genau dieses länger als übliche Erstarren des Nagers hilft der Schleiereule, ihn zu packen.

Doch nun haben spanische Forscher eine neue Hypothese im PNAS-Journal aufgestellt. Sie sind der Ansicht, dass die weisse Unterseite der Schleiereule das Mondlicht nachahmt und auf diese Weise durchaus als valable Tarnung dient.

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Steinadler: Auch Flugkünstler fallen nicht vom Himmel

Es braucht seine Zeit, bis ein Steinadler weite Strecken fliegen kann. (Bild: Giles Laurent, CC BY-SA 4.0)

Nicht mit den Flügeln schlagen. Sondern Aufwinde suchen und dann: gleiten, gleiten, gleiten. Mit minimalen Körper- und Flügelbewegungen steuern. Energieverluste minimieren. Und: gleiten, gleiten, gleiten.

Steinadler sind Meister darin, Luftströmungen so zu nutzen, dass sie mit möglichst geringem Energieaufwand grosse Distanzen zurücklegen können. An schönen Tagen lassen sie sich in den Bergen gut beobachten, wie sie in grosser Höhe kreisen, ohne mit den Flügeln zu schlagen.

Doch diese energieeffiziente Fortbewegung ist den Steinadlern nicht in die Wiege gelegt und will gelernt sein, wie Forscher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz herausgefunden haben.

Sie rüsteten in den europäischen Zentralalpen 55 junge Steinadler, die gerade flügge geworden sind und ihren Horst verlassen haben, mit GPS-Sendern aus und verfolgten deren Streifzüge während bis zu drei Jahren. In dieser Zeit weiteten die Steinadler ihren Lebensraum enorm aus.

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Regen oder Beziehung? Was wirklich hinter dem Regenruf des Buchfinken steckt

Der Buchfink ist der häufigste Brutvogel der Schweiz. (Bild: Markus Hofmann)

Gelegentlich schicken mir Bekannte Tonaufnahmen von Vogelgesängen oder -rufen mit der Bitte um Bestimmung der Art. Im Frühling erhielt ich eine WhatsApp-Nachricht mit einem sehr typischen Ruf: ein monotones „rüü“, „rüü“, „rüü“ (hier ein Beispiel zum Hören). Es ist der sogenannte Regenruf des männlichen Buchfinken. (Weshalb manche den Ruf auch als ein „trüb“, „trüb“, „trüb“ interpretieren.)

Wie der Name sagt, soll dieser Ruf, der sich übrigens regional unterscheidet (genau: es gibt Buchfink-Dialekte) Regen ankünden. Diese Annahme setzte der adlige Ornithologe Ferdinand von Pernau vor über 300 Jahren in die Welt und zwar in seinem Buch von 1707, dessen barocker Titel hier unbedingt vollständig zitiert werden soll: „Unterricht, was mit dem lieblichen Geschöpff, denen Vögeln, auch ausser dem Fang, nur durch die Ergründung deren Eigenschafften und Zahmmachung oder anderer Abrichtung, man sich vor Lust und Zeit-Vertreib machen könnte.“

Seit damal gehört es zu jeder Vogelexkursion dazu, dass irgendein Spassvogel beim Hören des Regenrufs sich bemüssigt fühlt, auf einen baldigen Wolkenbruch hinweisen zu müssen. Ob dieser Ruf irgendeine meteorologische Funktion hat, ist allerdings fraglich. Die einen sagen so, die andern so (es gibt drei Studien, die für die Regenhypothese argumentieren, und drei, die es genau anders sehen).

Deshalb nahmen sich Forscherinnen und Forscher des Max-Planck-Instituts für biologische Intelligenz die Frage nochmals vor: Welchen Zusammenhang gibt es zwischen dem Regenruf der Buchfinken und dem Wetter?

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Junge Silbermöwen: lieber frischen Fisch als Fastfood

Junge Silbermöwen haben klare Präferenzen, wenn es um das Fressen geht. (Bild: Pixabay)

Endlich wieder Möwen-Stoff. Möwen sind regelmässige Besucherinnen meiner Umweltnotizen (siehe etwa „Möwen schauen den Menschen genaus aufs Maul“, „Auch Möwen haben mal Wochenende: Die Vögel passen ihren Tagesablauf den Menschen an“, „Möwen, die die Stadt mehr lieben als das Meer“).

Nun ist es wieder soweit. Dieses Mal geht es um gefrässige Silbermöwenküken.

Mit den Eltern der Küken, den adulten (erwachsenen) Silbermöwen (Larus argentatus), kommt man etwa an den Küsten Grossbritanniens in Kontakt, wenn man seine soeben erstandenen „Fish and Chips“ am Strand mit Blick aufs Meer geniessen möchte. Diesen Genuss teilen die Silbermöwen noch so gerne und stehlen den unvorsichtigen Menschen die besten Stücke des frittierten Fisches – garniert mit Pommes. Grosse Scheu zeigen sie dabei nicht.

Kriegen die Silbermöwen allerdings Nachwuchs, scheinen sie sich wieder an „gesundes Essen“ zu erinnern. Denn ihre Küken füttern sie nicht mit menschengemachten Fastfood, sondern mit Nahrung aus dem Meer, mit Fischen und Muscheln. Möglicherweise weil diese mehr oder bessere Nährstoffe enthalten, die das Wachstum der Küken fördern.

Doch würden Silbermöwenküken von sich aus die natürliche Nahrung wählen, wenn sie sie nicht von ihren Eltern vorgesetzt bekämen? Oder würden sie doch lieber dem Fastfood den Vorzug geben?

Diese Fragen stellten sich Forscherinnen und Forscher der University of Exeter – und machten die Probe aufs Exempel. Ihre Ergebnisse sind soeben im PeerJ erschienen.

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Stare nutzen Wolle: zur Reinigung – oder weil es wohltut? 

Ganz schön einfallsreich: ein Star. (Bild: Pixabay)


Michael Haslam hat auf der Hauptinsel von Orkney im Norden Schottlands Überraschendes beobachtet: Stare picken Wollknäuel auf, die von den Tausenden von Schafen auf den Inseln stammen, bringen die Wolle dann mit dem Schnabel unter ihre Flügel und führen dort einige streichelnde Bewegungen aus. 

Ein solches Verhalten wurde bisher noch nie beschrieben. Haslam veröffentlichte seine Beobachtungen nun in „AnimalBehaviour and Cognition“. 

Doch was steckt hinter diesem Verhalten?

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Im Auge des Beobachters: Welche Vögel dem Menschen besonders schön erscheinen

Objektiv ist der Eisvogel ein schöner Vogel: Rot und blau im Gefieder, eher von kleiner Gestalt sowie ein markanter Schnabel erscheinen dem Menschen als ästhetisch attraktiv. (Bild: Marco Federmann/Pixabay)

Wieso beobachten Menschen gerne Vögel? Wieso opfern sie Stunden ihrer Freizeit, um Vögeln nachzuspüren? Wieso geben viele dafür gar Tausende von Franken für Feldstecher, Kamera und Reisen aus?

Die einen sind gerne an der frischen Luft. Andere lieben die Natur und wollen ihr nahe sein. Wieder andere interessieren sich für das Leben der Vögel und vertiefen sich in deren Biologie. Einige treibt der Jagdinstinkt nach draussen und auf die Suche nach seltenen Arten.

Die meisten aber verbindet wohl etwas ganz besonders: Sie finden Vögel schön. Ihre Gestalt, ihre Farben, ihren Gesang.

Allerdings wird diese Gunst nicht allen Vogelarten in gleichem Masse entgegengebracht. Nicht jeder Vogel wird als schön bezeichnet. Wie aber muss ein Vogel aussehen, damit ihn Menschen als ästhetisch attraktiv beurteilen? Mithilfe von Daten, die in einem Citizen-Science-Projekt weltweit gesammelt wurden, haben Forscherinnen und Forscher nun die Kriterien für den im menschlichen Auge „schönen Vogel“ herausgearbeitet.

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Gefahr für bedrohte Seevögel: Mäuse töten auch adulte Albatrosse

Nicht nur die Fischerei oder Müll im Meer bedrohen den Tristan-Albatros, sondern auch Mäuse. (Bild: Michael Clark Stuff)

Es sind keine schönen Bilder: von Mäusen angefressene Albatrosse, die an ihren Wunden gestorben sind.

Dass sich vom Menschen eingeschleppte Hausmäuse auf abgelegenen Inseln über die Küken von Seevögeln hermachen, die schutzlos in ihren Nestern sitzen, ist keine neue Entdeckung (siehe die Umweltnotiz vom 2. Juli 2018). Doch die neuen grausigen Funde zeigen nun: Die 20 Gramm leichten Mäuse machen auch vor ausgewachsenen, grossen und kräftigen Albatrossen nicht halt.

Auf der Gough- und der Marion-Insel, die im südlichen Atlantischen beziehungsweise im Indischen Ozean liegen, fanden Forscherinnen und Forscher adulte Tristan-Albatrosse und Wanderalbatrosse, die von Mäusen gebissen und dann mit grosser Wahrscheinlichkeit den Verletzungen erlegen sind. Es ist dies der erste Nachweis, dass auch erwachsene Albatrosse von Mäusen (zumindest indirekt) getötet werden können, wie die Wissenschaftler in der Zeitschrift „Biological Invasions“ berichten.

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