Aus Munitionskisten werden Nistkästen

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Schleiereule: Freund jedes Bauern, frisst sie doch Unmengen an Mäusen.

„Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen“, heisst es in der Bibel. Oder zeitgenössisch ausgedrückt: Dann bauen sie aus Munitionskisten Nistkästen. Das geschieht tatsächlich. Und zwar in Israel.

Seit den 1980er Jahren werden in Israel Schleiereulen (und in letzter Zeit auch Turmfalken, die im Gegensatz zu den Eulen tagsüber jagen) angesiedelt, um Schädlinge zu bekämpfen. Denn ein Schleiereulenpaar vertilgt zusammen mit seinen Jungen jährlich 2000 bis 5000 Nagetiere, die sich an der Ernte der Bauern gütlich tun. Mit der natürlichen Bekämpfungsmassnahme konnte der Einsatz von giftigen Pestiziden in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt werden.

Doch die Förderung von Schleieulen und Turmfalken in Israel ist mehr als ein Vogelschutzprogramm. Da die arabischen Bauern in den Nachbarländern mit denselben Problemen zu kämpfen haben wie die israelischen Landwirte, hat das Nistkasten-Projekt einen friedensfördernden Impuls, wie Yossi Leshem, Zoologieprofessor an der Tel Aviv Universität und Mitbegründer der Schleiereulen-Ansiedlung, kürzlich an der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL berichtete.  Politik, Militär, Naturschutz und Landwirtschaft arbeiten länderübergreifend zusammen. Auch die Schweiz als auf Neutralität verpflichtetes Land unterstützt die Arbeit. Verbindungsmann ist Alexandre Roulin von der Universität Lausanne.

Inzwischen sind über 3000 Nistkästen aufgestellt worden. Und die Schleiereulen und Turmfalken fühlen sich am mit Nagetieren reich gedeckten Tisch offensichtlich wohl. Trotz aller Erfolge und der schönen Symbolik des Projektes: Yossi Leshem ist kein Träumer. Er werde keinen Frieden zwischen den verfeindeten Völkern schaffen, sagte er am WSL. Das sei Aufgabe der Politiker. Er könne lediglich versuchen, in seinem Arbeitsbereich das Möglichste für ein friedliches Zusammenleben zu tun.

Wie wahr: Damit aus Munitionskisten Nistkästen werden, muss zuerst die Munition verschossen werden.

© Markus Hofmann

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