Wie steht es wirklich um Europas Vögel?

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(Bild: EBBA2)

903 Seiten dick und über drei Kilogramm schwer: Der erste europäische Vogelatlas war nicht nur haptisch ein herausragendes Werk, sondern auch wissenschaftlich. Denn zum ersten Mal zeigte er auf, welche Brutvogelarten in ganz Europa wie häufig anzutreffen waren. Dieser Atlas war Grundlage, um den Gefährdungsgrad von Vogelarten zu bestimmen und daraus Schutzmassnahmen abzuleiten. Zudem diente er der Forschung, zum Beispiel um den Einfluss des Klimawandels auf die Verbreitung der Vögel zu erkunden. 513 Arten sind in diesem Buch aufgeführt mit Verbreitungskarten, Häufigkeitstabellen sowie kurzen erläuternden Texten zu den Befunden. Als Zeichen der kulturellen Vielfalt Europas sind die Artnamen zudem in 14 Sprachen angegeben.

Bei allen Superlativen bleibt ein gravierendes Problem: Der Vogelatlas ist in die Jahre gekommen. 1997 erschient er. Die Daten, mit denen er gefüttert wurde, stammen sogar aus den späten 1980er Jahren. Zudem klaffen in Osteuropa grosse Lücken. Es ist also höchste Zeit für eine Neuauflage, haben sich doch in den vergangenen drei Jahrzehnten Landschaft und Klima in Europa stark gewandelt. Um neue Schutzmassnahmen einzuleiten oder bestehende anzupassen, sind gute Informationen notwendig. Die Daten dafür soll ein neuer europäischer Vogelatlas liefern.

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Fremde Pflanzen im Bundeshaus

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Schweizer Bundeshaus in Bern.

Im Nationalrat des Schweizer Bundeshauses versammeln sich nicht nur die Nationalräte, sondern manchmal auch die Ständeräte – dies immer dann, wenn die Vereinigte Bundesversammlung einberufen wird; zum Beispiel bei der Wahl eines Bundesrates. Die Ständeräte, die die Kantone vertreten, nehmen auf den ihnen zugewiesenen Plätzen an der hinteren Saalwand Platz. Über den Ständevertretern prangen die jeweiligen Kantonswappen, prächtig geschnitzt in Eichenholz, und oberhalb der Rückenlehnen sind ebenso kunstvolle Flachschnitzereien angebracht.

Dazu heisst es in der offiziellen Broschüre über das Parlamentsgebäude: „Die Rücklehnen der Sitze hat der Deutsche Ferdinand Huttenlocher mit Schnitzereien einheimischer Blumen und Tiere kunstvoll verziert.“

Einheimische Blumen im Schweizer Parlament. Das ergibt Sinn. Doch es trifft nicht zu. Weiterlesen

Ich gab neues Leben – und malte

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Adolf Dietrich: Raben und Elstern in Winterlandschaft, 1934

„Mich fesselte das Kleine, das Detail: das Spiel des Lichtes in den Krallen eines Krähenfusses, die schimmernden Schuppen im Hochzeitskleid einer Eidechse, das nuancenreiche Farbenspiel der Härchen im Felle eines erlegten Marders, der mir in seiner toten Schönheit so leid tat. Ich gab ihm neues Leben und – malte ihn.“

Adolf Dietrich 1877-1957 Weiterlesen

Wat’n dat? – Frust und Lust der Watvogel-Beobachtung

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Steinwälzer am Strand.

Es war die totale Überforderung. Alleine – und zum ersten Mal ohne sachkundige Hilfe – stand ich am Ufer des Wattenmeers. Das auflaufende Wasser drängte Dutzende, nein, Hunderte von Vögeln auf einer immer kleiner werdenden Fläche zusammen. Mit ihren Schnäbeln stocherten die Vögel hektisch im noch nicht vom Wasser bedeckten Sand nach Nahrung. Ich zielte mit dem Fernglas mitten in das Gewühl und versuchte zu erkennen, um welche Arten es sich handelte. Dort leuchtete etwas Rotbraunes auf, hier war ein schwarzer Bauch zu erkennen, hier identifizierte ich einen langen, dort einen kurzen Schnabel. Alpenstrandläufer? Knutts? Pfuhlschnepfen? Uferschnepfen? Weiterlesen

Ein fauler Gärtner ist ein guter Gärtner

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Auch mal was wachsen lassen: Die Artenvielfalt in Zürcher Gärten ist erstaunlich hoch. (Bild: Markus Hofmann)

Wild wachsen in der Stadt Zürich rund 1200 verschiedene Pflanzenarten. Schaut man sich nur die Gärten an, kommt man auf 1070 Arten. Die Hälfte davon findet wegen ihrer Blütenpracht Eingang in die Gärten. 17 Prozent wachsen ohne menschlichen Einfluss, und 13 Prozent sind Nahrungspflanzen.

Diese Zahl erhoben Biologen im Rahmen des Forschungsprojekts BetterGardens. Damit sollen die ökologischen und sozialen Funktionen von Gärten erfasst werden. Erste Resultate des Projekts, das Ende dieses Jahres abgeschlossen sein soll, liegen bereits vor. Sie sollen dazu dienen, die Grünflächen in den Städten zu erhalten. Die WSL und das FiBL leiten die Forschungen. Weiterlesen

Natur trotz Gift: Aus dem Ödland gibt es kein Entrinnen

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„Wasteland Ecology“: Ausschnitt aus einer Fotografie von Jennifer Colten. (Bild M. Hofmann)

Die amerikanische Landschaftsfotografin Jennifer Colten sucht nicht das offensichtlich Schöne. Sie fährt für ihre Bilder nicht in die vermeintlich unberührte Natur, zum Beispiel in die der Nationalparks. Sie schaut sich dort um, wo man Natur zuletzt suchen würde. Dort, wo sie verseucht ist. Dort, wo Industrien die Böden vergiftet haben.

Für ihre Bildserie „Wasteland Ecoloygy“ hat Colten Gebiete entlang des Mississippi aufgesucht, rund um St. Louis und Illinois Metro East. In diesen Industrieregionen erwartet kaum jemand blühende Landschaften. Und doch: Colten entdeckt und dokumentiert eine filigrane, aber widerstandsfähige Vegetation. Ihre Bilder zeigen die Schönheit versehrter Natur, die sich ihren Platz gegen alle Widrigkeiten zurückerobert. Aber: Die Fotografien sind beklemmend. Weiterlesen

Wie Hitlers Eiche nach Koreatown in Los Angeles kam und dort von Mexikanern gepflegt wird

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Die Sieger-Eiche von Cornelius Johnson in einem Hinterhof von Los Angeles in einem Werk von Christian Kosmas Mayer. (Bildausschnitt aus „Naturgeschichten. Spuren des Politischen“, hg. v. Rainer Fuchs, Wien 2017)

Ein Strassenzug in Koreatown, einem Stadtteil von Los Angeles, Buschwerk und Palmen säumen die Gehwege. In einem Hinterhof eines Hauses steht eine Eiche. Ihre Äste ragen über das eingeschossige Haus und bis auf die Strasse. Im Haus leben eingewanderte Mexikaner. Sie kümmern sich um den Baum, der im heissen Los Angeles etwas Kühlung verspricht. Ursprünglich hatte der Baum einen völlig anderen Zweck. Er war das Symbol eines totalitären Regimes. Weiterlesen

Die Zählung der Knochenbrecher

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Die Geier-Spezialistin Franziska Lörcher sucht den Horizont im Calfeisental nach Bartgeiern ab. (Bild: Markus Hofmann)

Tiefe Spuren im feuchten Boden verraten, dass hier vor kurzem noch Kühe die Abhänge abgegrast haben. Doch nun haben die Tiere die Alp verlassen. Die Hütte der Malanseralp auf 1833 Meter über dem Meer ist verriegelt und wartet auf den Winter, der sich in der Nacht zuvor bereits angekündigt hat. Es liegen ein paar Zentimeter Schnee, die Berggipfel rundum sind weiss. Nur einige Wanderer verirren sich derzeit ins einsame Calfeisental, das in der Nähe des Schweizer Kurorts Bad Ragaz liegt. An diesem Samstag Anfang Oktober hat aber auch Franziska Lörcher den langen Anfahrtsweg über Stock und Stein hinter sich gebracht. Um 9 Uhr in der Früh klemmt die Biologin und Geier-Spezialistin vor der Alphütte ihr Beobachtungsfernrohr aufs Stativ und blickt in Richtung Westen, wo der 3000 Meter hohe Piz Sardona das Calfeisental verschliesst. Lörcher wartet auf den Auftritt des grössten Vogels der Alpen: den Bartgeier.

Vom 7. bis 15. Oktober finden die internationalen Bartgeier-Beobachtungstage statt. Im ganzen Alpenraum sind Ornithologen und Wanderer aufgerufen, nach Bartgeiern Ausschau zu halten und ihre Beobachtungen auf den einschlägigen Internetseiten zu melden. Anhand der Daten soll der Bestand der Bartgeier ermittelt werden. Mehrere Hundert Beobachter nähmen in den Alpen an der Aktion teil, sagt Lörcher, die für die Schweizer Stiftung „Pro Bartgeier“ sowie die „Vulture Conservation Foundation“ arbeitet und die Beobachtungstage mitkoordiniert.

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