
Ich wohne mitten in Zürich. Dennoch treffe ich immer wieder auf einen typischen Waldbewohner: das Eichhörnchen.
Zu verdanken ist dies dem vergleichsweise hohen Anteil an Bäumen und Parks in meinem Quartier. Denn Eichhörnchen sind Baumliebhaber. Am liebsten mögen sie Baumbestände mit grossen und alten Bäumen verschiedener Arten. Dort können sich sich verbergen, sich nach Eichhörnchen-Art gut von Baum zu Baum bewegen und nach Nahrung suchen. Dichte Baumkronen bieten sich an für den Bau ihres Nests, der Kobel. Da Eichhörnchen einen Teil ihrer Nahrung als Vorrat vergraben, sind sie auch auf unversiegelte Flächen angewiesen.
Zeigen uns Eichhörnchen also, wie es in Städten um den Baumbestand bestellt ist? Und damit auch, wie es anderen Arten geht, die auf Bäume angewiesen sind?
Das fragte „StadtWildTiere“ im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt. Ihre Studie „Das Eichhörnchen als Indikator für die städtische Landschaftsqualität“ ist vor kurzem erschienen.
Mithilfe von Literaturrecherchen und Daten aus dem „Citizen Science“-Projekt „Eichhörnchen gesucht!“ in den Städten Zürich, St. Gallen und Luzern konnten die Forscherinnen die positiven Korrelationen zwischen Eichhörnchen-Vorkommen, Baumbestand sowie dem Vorkommen anderer Baumbewohner aufzeigen.
So war die Wahrscheinlichkeit, Eichhörnchen in baumreichen Siedlungsgebieten anzutreffen, deutlich höher als in Gebieten mit wenigen Bäumen. Auch sind Eichhörnchen eher dort zu beobachten, wo viele verschiedene Baumarten vorkommen. Baumkronenfläche und -volumen sind ebenfalls entscheidend: Gebiete, in denen deren Werte grösser sind, sind bei Eichhörnchen beliebter als Baumbestände mit kleineren Baumkronen.
Negativen Einfluss auf das Vorkommen der Eichhörnchen hat der Anteil an versiegelter Fläche. Diese bildet für Eichhörnchen eine Barriere. Sie ziehen Gebiete mit Grünfläche vor. Zudem konnte gezeigt werden, dass Eichhörnchen eine geeignete Indikatorenart für ausgewählte Vogelarten wie Buntspecht, Grünspecht, Kleiber, Gartenbaumläufer oder Eichelhäher darstellen. Wo Eichhörnchen auftauchen, da sind auch diese Vogelarten nicht weit.*
Da Eichhörnchen eine gute Leitart für artenreiche Baumbestände und andere Wildtierarten sind, haben die Studienautoren für 20 Schweizer Städte berechnet, wo sich geeignete Eichörnchen-Habitate befinden und wie gut (oder schlecht) diese untereinander vernetzt sind. Diese Karten können für die Stadtplanung genutzt werden.
Augenfällig wird auf diesen Karten, wo nur schwer oder gar nicht überwindbare Barrieren für Eichhörnchen liegen. In Zürich sind dies etwa Bahngeleise, die die Stadt durchschneiden, die Autobahn sowie die Limmat. Allerdings können Eichhörnchen solche Barrieren teilweise auch überbrücken – wortwörtlich: In Aarau etwa nutzen Eichhörnchen die Brücken, um ans jeweils andere Ufer der Aare zu gelangen.
Verbesserungspotenzial für die Vernetzung sehen die Autorinnen insbesondere auf Landwirtschaftsflächen. Die sind zwar grün, wenn aber für Eichhörnchen geeignete Korridore fehlen, sind sie unüberwindbar. Abhilfe könnten Hecken und Baumreihen schaffen.
© Markus Hofmann
*Die vollständige Vogelliste: Buntspecht, Grünspecht, Kleiber, Gartenbaumläufer, Eichelhäher, Wacholderdrossel, Sumpfmeise, Ringeltaube, Sommergoldhähnchen, Zaunkönig, Rotkehlchen, Elster, Girlitz, Grünfink, Kohlmeise, Blaumeise, Haussperrling, Haubenmeise, Tannenmeise, Mönchsgrasmücke, Amsel, Grauschnäpper.
Literatur: Taucher A., Gloor S., Rauchenstein K., Schmid J., Richter M. 2026. Das Eichhörnchen als Indikator für die städtische Landschaftsqualität. Schlussbericht. StadtWildTiere. 47 Seiten. Im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (BAFU).