Mit der Besiedlung der südpazifischen Inseln veränderte sich die Artenvielfalt. (Bild: Pixabay)
Die Biodiversität schwindet nicht nur. Sie wird auch homogener. Viele Arten verschwinden, einige aber setzen sich durch.
Ein typisches Beispiel dafür ist das Kulturland. So trägt eine intensive Landwirtschaft dazu bei, dass die Landschaft eintöniger wird. Auch vom Menschen eingeführte, nicht heimische Arten können dazu führen, dass die lokale Artenvielfalt abnimmt und „homogenisiert“, da die neuen Arten die heimischen Arten verdrängen.
Man könnte den Eindruck gewinnen, dass die Homogenisierung der Biodiversität ein eher neues Phänomen ist. Eines, das von Bevölkerungszunahme, der Zerstörung von Lebensräumen sowie dem globalen Handel angetrieben wird.
Doch nun bestätigt sich: Der Rückgang der Artenvielfalt sowie die Homogenisierung der Biodiversität setzen dann ein, wenn Menschen in einem zuvor menschenleeren Ort auftauchen. Ein Wissenschaftsteam konnte dies für den südpazifischen Raum aufzeigen. Ihre Studie ist in „Nature Ecology & Evolution“ erschienen.
Ein Himmel voll schreiender Mauersegler: Inbegriff des Sommers. (Bild: Kev/Pixabay)
Den Dezember erträgt Charles Foster nur schwer. Seit fünf Monaten hat er zuhause keinen Mauersegler mehr gesehen hat. Und es wird nochmals mindestens so lange dauern, bis sie wieder aus ihrem Überwinterungsgebiet im südlichen Afrika zurückkehren und einige von ihnen im Dachstock von Fosters Haus in Oxford zu brüten beginnen.
Für jemanden wie Foster, für den ein Leben ohne Mauersegler eigentlich sinnlos ist, ist der Dezember eine Qual. Während sich seine Familie auf Weihnachten freut, fliegt er den Mauerseglern entgegen nach Mosambik. Allerdings vergeblich. Die Mauersegler lassen sich dort auch nicht blicken.
Wie können wir über Mauersegler sprechen?
Was Foster, Tierarzt und Anwalt, der in Oxford Ethik und Rechtsmedizin lehrt, genügend Gelegenheit gibt, nicht nur über die erstaunliche Lebensweise der Mauersegler, unser Verhältnis zu ihnen und der Natur überhaupt nachzudenken, sondern auch darüber, wie wir angemessen über Mauersegler sprechen können.
Denn dies ist eigentlich unmöglich: Nur der Mauersegler weiss, wie es ist, ein Mauersegler zu sein. Um uns wirklich in Mauersegler einfühlen zu können, helfen uns Menschen auch die vielen Studien und Daten über die faszinierenden Vögel nicht weiter, so Foster.
Weltweit über 2000 Arten stehen auf der Fressliste der Hauskatzen. (Bild Mabel Amber / Pixabay)
„Katzen töten 30 Millionen Vögel in der Schweiz – pro Jahr“. Diese Umweltnotiz hat bis heute bei meinen Leserinnen und Lesern sehr viel Interesse gefunden. (Vielen Dank dafür! Und bitte auch einen Blick auf diese weiterführende Umweltnotiz werfen.)
Das überrascht nicht. Die Vogeljagd der Hauskatzen „triggert“ Vogel- und Katzenfreunde gleichermassen – aus verschiedenen Motiven. Viele Katzenhalter hören nicht gerne, dass ihre Haustiere Jagd auf schöne Wildvögel machen. Und Ornithologen stossen immer wieder auf taube Ohren, wenn sie dazu raten, Hauskatzen eben genau dort zu lassen: im Haus – und sie nicht ins Freie zu lassen.
Eine der problematischsten invasiven Art der Welt
Es gibt etliche Studien zum Jagdverhalten der Hauskatzen. Allerdings sind alle verständlicherweise mit Unsicherheiten behaftet. Katzen in ihrem Jagdrevier über eine lange Zeit zu verfolgen, um über die Zusammensetzung ihrer Beute genau Bescheid zu wissen, ist kaum möglich. Die Studien müssen sich auf begründete Schätzungen abstützen.
Forscherinnen und Forscher haben sich nun diese Studien nochmals genau angeschaut, um herauszufinden, was denn die Hauskatzen alles fressen. In „Nature Communications“ kommen sie zum Schluss: Freilaufende Hauskatzen fressen 2084 verschiedene Arten. Davon sind knapp 17 Prozent in ihrem Bestand gefährdet. Auch diese Zahlen beruhen auf Schätzungen, allerdings konservativen, wie die Forscher betonen. Das Artenspektrum, an dem sich Katzen gütlich tun, wird also noch grösser sein.
Salopper gesagt: Katzen machen kaum vor etwas Fressbarem halt, sei es tot (auch Aas wird nicht verschmäht) oder lebendig. Oder in der Sprache der Forscher: Hauskatzen gehören zu den problematischsten invasiven Arten der Welt.
Objektiv ist der Eisvogel ein schöner Vogel: Rot und blau im Gefieder, eher von kleiner Gestalt sowie ein markanter Schnabel erscheinen dem Menschen als ästhetisch attraktiv. (Bild: Marco Federmann/Pixabay)
Wieso beobachten Menschen gerne Vögel? Wieso opfern sie Stunden ihrer Freizeit, um Vögeln nachzuspüren? Wieso geben viele dafür gar Tausende von Franken für Feldstecher, Kamera und Reisen aus?
Die einen sind gerne an der frischen Luft. Andere lieben die Natur und wollen ihr nahe sein. Wieder andere interessieren sich für das Leben der Vögel und vertiefen sich in deren Biologie. Einige treibt der Jagdinstinkt nach draussen und auf die Suche nach seltenen Arten.
Die meisten aber verbindet wohl etwas ganz besonders: Sie finden Vögel schön. Ihre Gestalt, ihre Farben, ihren Gesang.
Allerdings wird diese Gunst nicht allen Vogelarten in gleichem Masse entgegengebracht. Nicht jeder Vogel wird als schön bezeichnet. Wie aber muss ein Vogel aussehen, damit ihn Menschen als ästhetisch attraktiv beurteilen? Mithilfe von Daten, die in einem Citizen-Science-Projekt weltweit gesammelt wurden, haben Forscherinnen und Forscher nun die Kriterien für den im menschlichen Auge „schönen Vogel“ herausgearbeitet.
Nicht nur die Fischerei oder Müll im Meer bedrohen den Tristan-Albatros, sondern auch Mäuse. (Bild: Michael Clark Stuff)
Es sind keine schönen Bilder: von Mäusen angefressene Albatrosse, die an ihren Wunden gestorben sind.
Dass sich vom Menschen eingeschleppte Hausmäuse auf abgelegenen Inseln über die Küken von Seevögeln hermachen, die schutzlos in ihren Nestern sitzen, ist keine neue Entdeckung (siehe die Umweltnotiz vom 2. Juli 2018). Doch die neuen grausigen Funde zeigen nun: Die 20 Gramm leichten Mäuse machen auch vor ausgewachsenen, grossen und kräftigen Albatrossen nicht halt.
Auf der Gough- und der Marion-Insel, die im südlichen Atlantischen beziehungsweise im Indischen Ozean liegen, fanden Forscherinnen und Forscher adulte Tristan-Albatrosse und Wanderalbatrosse, die von Mäusen gebissen und dann mit grosser Wahrscheinlichkeit den Verletzungen erlegen sind. Es ist dies der erste Nachweis, dass auch erwachsene Albatrosse von Mäusen (zumindest indirekt) getötet werden können, wie die Wissenschaftler in der Zeitschrift „Biological Invasions“ berichten.
Dreizehenmöwen kommen nur fürs Brüten an Land. (Bild Pixabay)
Nachwuchs erfolgreich aufzuziehen, ist für alle Tiere ein schwieriges und gefährliches Geschäft. Ganz besonders gilt dies für Tiere, die unter harschen Bedingungen leben wie die Seevögel des Nordens. Hier braucht es hohe Anpassungsleistungen, um nicht nur selbst zu überleben, sondern auch noch die eigenen Gene weiterzugeben.
Die Dreizehenmöwen gehören zu diesen Überlebenskünstlern. Sie brüten in Kolonien an Felswänden und Klippen und verbringen einen grossen Teil ihres Lebens auf dem offenen Meer. An Land sind sie vor allem während des Brutgeschäfts.
Wenn’s passt, dann gleich fürs ganze Leben
Anders als die meisten Vogelarten sind Dreizehenmöwen monogam. Und wenn sich zwei Möwen gefunden haben, die über eine ähnliche Persönlichkeit verfügen, sind die Chancen auf eine erfolgreiche Aufzucht des Nachwuchses besonders gross.
Dies konnten Fionnuala R. McCully von der University of Liverpool und ihre Forschungskollegen nach jahrelangen Beobachtungen von Dreizehenmöwen in einer verlassenen Sowjetsiedlung auf Spitzbergen zeigen. Ihre Studie ist in „Ethology“ erschienen.
Ein ehemaliger Rangierbahnhof in Basel ist zum Naturschutzgebiet geworden. (Bild: Markus Hofmann)
Das Volk von Basel-Stadt hat am 29. November 2020 gesprochen. Das sogenannte Hafenbecken 3 soll gebaut werden. 57 Prozent sagten Ja zu einem grossen Infrastrukturprojekt des Güterverkehrs, das einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten verspricht.
Doch dieser Bau wird ein einzigartiges Naturschutzgebiet der Region Basel zerstören. Ich besuchte damals den faszinierenden Flecken mitten im Industrie- und Siedlungsgebiet und schrieb dazu eine Umweltnotiz.
Im Streit um das Hafenbecken prallen zwei der grössten Herausforderungen unserer Zeit aufeinander: die Klima- und die Biodiversitätskrise. Hier ein Projekt, das die Güter vom Schiff auf die Bahn statt auf Lastwagen bringen soll, dort ein Gebiet, in dem sich auf einem ehemaligen Rangierbahnhof über Jahre ein Biotop für gefährdete Arten entwickeln konnte.
Dem Konflikt von Klima- und Naturschutz, der sich in Zukunft noch weiter verschärfen wird – man denke an den Bau von Windkraftwerken, Staumauern, Atomkraftwerken usw. – widmen Daniel Ballmer und Martin Schilt am Bespiel des „Hafenbecken 3“ einen Dokumentarfilm: „Bahnhof der Schmetterlinge“. Derzeit läuft er in Schweizer Kinos.
Männlicher Steinschmätzer: 25 Gramm leicht, aber ein Weit- und Hochflieger. (Bild: Philippe Kurlapsi, CC BY 1.0)
Dem Steinschmätzer habe ich bereits einmal eine Umweltnotiz gewidmet. Von seinen Brutgebieten in Nordamerika fliegt der kleine Singvogel nämlich 14.500 Kilometer bis in sein Überwinterungsgebiet südlich des Sahels. Eine Meisterleistung.
Nicht so weit haben es die europäischen Steinschmätzer, die in den Alpen brüten. Ihre Strecke in den Süden beträgt rund 4500 Kilometer, die sie in ca. einem Monat hinter sich bringen. Dabei erreichen sie erstaunliche Höhen, wie Forscherinnen und Forscher der Schweizerischen Vogelwarte nun herausgefunden haben.
Dazu rüsteten sie acht Steinschmätzer mit Geolokatoren aus und stellen fest: Ein Männchen flog beim Frühlingszug in Richtung Norden 5148 Meter hoch. In der Regel bewegen sich die Steinschmätzer aber nicht in solchen Höhen: Sie migrieren nachts zwischen 2000 und 4000 Meter.
Mit Ultraleichtflugzeugen werden die jungen Waldrappe in ihr Überwinterungsgebiet in Andalusien geführt. (Bild: M. Hofmann)
Einen Monat Trainingszeit bleibt noch. Dann müssen die 35 jungen Waldrappe von Süddeutschland nach Südspanien fliegen – eine Strecke von 2300 Kilometern. Den Weg dahin kennen sie nicht, denn ihre Eltern sind die Strecke auch noch nie geflogen.
Die Aufgabe, die Jungvögel zu trainieren, übernehmen ihre menschlichen Ziehmütter, Helena Wehner und Barbara Steininger. Anfang Juli sitzen sie um acht Uhr morgens in einem blauen Zelt beim Flugplatz Binningen an einem Tisch. In der Nähe von Singen leben sie hier in Wohnwagen und Zelten, zusammen mit Camp-Leiterin Laura Pahnke, Praktikantin Gina Gerecke sowie Hund Bonny.
Die beiden Waldrapp-Ersatzmütter sind an ihren gelben Shirts zu erkennen. Auf diese Farbe sind die schwarzgefiederten Vögel mit dem von Schopffedern geschmückten nackten Kopf und dem langen gebogenen Schnabel ein paar Tage nach dem Schlüpfen geprägt worden. Die Farbwahl hat keine modischen Gründe. Das leuchtende Gelb ist von weitem zu sehen. Ein Vorteil, der sich heute noch auszahlen wird.
Vorsichtige und eigenwillige Jungwaldrappe
Auf dem Tisch vor den vier jungen Frauen: frisch gebrühter Kaffee, Erdbeeren, Konfitüre, Brot, Mineralwasser, Ferngläser, Funkgeräte und Fotoapparate. Eine Lichterkette unter dem Zeltdach verströmt etwas Wohnlichkeit. In Kürze soll das nächste Flugtraining beginnen, eins von dreien, die pro Woche stattfinden.
Heute steht auf dem Trainingsplan: „Auf eine unbekannte Wiese fliegen und dabei Strukturen wie zum Beispiel eine Strasse oder ein Waldstück überwinden“, sagt die Ziehmutter Helena Wehner, die bereits seit 2017 mitarbeitet und vor vier Jahren zum ersten Mal Waldrappe aufzog. Über 100 Jungvögel hat Helena Wehner schon beim Grosswerden begleitet.
Die Übung, eine Wiese anzufliegen, klingt einfach. Schliesslich sind die Waldrappe bereits drei Monate alt, gut genährt, gesund und seit Ende Mai flügge. Doch sie haben nicht nur ihren je eigenen Kopf, sie sind auch sehr vorsichtig. In ihrem zarten Alter folgen sie ihren Ziehmüttern auf Schritt und Tritt.
Doch neuerdings setzen sich die Ziehmütter auf der Graspiste in ein Ultraleichtflugzeug und fliegen davon in der Hoffnung, dass ihnen die Waldrappe folgen. Denn auf diese Art werden die Vögel im August auf ihre 30– bis 40-tägige Reise von Baden-Württemberg nach Andalusien geführt, je nach Wetterbedingungen pro Etappe bis zu 300 Kilometer und fünf bis sechs Stunden Flug.
Heringsmöwen haben sich gut an die menschlich geprägte Umwelt angepasst. (Bild: Georg Wietschorke/Pixapay)
Die Rede ist wieder einmal von Möwen.
Ging es in älteren Umweltnotizen um Möwen, die die Stadt dem Meer vorziehen, und um solche, die sich nach dem Tagesablauf der Menschen richten, dreht sich dieses Mal alles um Möwen, die dem Menschen ganz genau aufs Maul schauen.
Und es zeigt sich wiederum, wie erfolgreich sich Möwen an eine anthropozentrisch geprägte Umwelt anpassen können.