Gefahr für bedrohte Seevögel: Mäuse töten auch adulte Albatrosse

Nicht nur die Fischerei oder Müll im Meer bedrohen den Tristan-Albatros, sondern auch Mäuse. (Bild: Michael Clark Stuff)

Es sind keine schönen Bilder: von Mäusen angefressene Albatrosse, die an ihren Wunden gestorben sind.

Dass sich vom Menschen eingeschleppte Hausmäuse auf abgelegenen Inseln über die Küken von Seevögeln hermachen, die schutzlos in ihren Nestern sitzen, ist keine neue Entdeckung (siehe die Umweltnotiz vom 2. Juli 2018). Doch die neuen grausigen Funde zeigen nun: Die 20 Gramm leichten Mäuse machen auch vor ausgewachsenen, grossen und kräftigen Albatrossen nicht halt.

Auf der Gough- und der Marion-Insel, die im südlichen Atlantischen beziehungsweise im Indischen Ozean liegen, fanden Forscherinnen und Forscher adulte Tristan-Albatrosse und Wanderalbatrosse, die von Mäusen gebissen und dann mit grosser Wahrscheinlichkeit den Verletzungen erlegen sind. Es ist dies der erste Nachweis, dass auch erwachsene Albatrosse von Mäusen (zumindest indirekt) getötet werden können, wie die Wissenschaftler in der Zeitschrift „Biological Invasions“ berichten.

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Gleich und gleich gesellt sich gerne – auch bei den Dreizehenmöwen

Dreizehenmöwen kommen nur fürs Brüten an Land. (Bild Pixabay)

Nachwuchs erfolgreich aufzuziehen, ist für alle Tiere ein schwieriges und gefährliches Geschäft. Ganz besonders gilt dies für Tiere, die unter harschen Bedingungen leben wie die Seevögel des Nordens. Hier braucht es hohe Anpassungsleistungen, um nicht nur selbst zu überleben, sondern auch noch die eigenen Gene weiterzugeben.

Die Dreizehenmöwen gehören zu diesen Überlebenskünstlern. Sie brüten in Kolonien an Felswänden und Klippen und verbringen einen grossen Teil ihres Lebens auf dem offenen Meer. An Land sind sie vor allem während des Brutgeschäfts.

Wenn’s passt, dann gleich fürs ganze Leben

Anders als die meisten Vogelarten sind Dreizehenmöwen monogam. Und wenn sich zwei Möwen gefunden haben, die über eine ähnliche Persönlichkeit verfügen, sind die Chancen auf eine erfolgreiche Aufzucht des Nachwuchses besonders gross.

Dies konnten Fionnuala R. McCully von der University of Liverpool und ihre Forschungskollegen nach jahrelangen Beobachtungen von Dreizehenmöwen in einer verlassenen Sowjetsiedlung auf Spitzbergen zeigen. Ihre Studie ist in „Ethology“ erschienen.

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„Bahnhof der Schmetterlinge“: ein Dokumentarfilm über den Konflikt zwischen Klima- und Naturschutz

Ein ehemaliger Rangierbahnhof in Basel ist zum Naturschutzgebiet geworden. (Bild: Markus Hofmann)

Das Volk von Basel-Stadt hat am 29. November 2020 gesprochen. Das sogenannte Hafenbecken 3 soll gebaut werden. 57 Prozent sagten Ja zu einem grossen Infrastrukturprojekt des Güterverkehrs, das einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten verspricht.

Doch dieser Bau wird ein einzigartiges Naturschutzgebiet der Region Basel zerstören. Ich besuchte damals den faszinierenden Flecken mitten im Industrie- und Siedlungsgebiet und schrieb dazu eine Umweltnotiz.

Im Streit um das Hafenbecken prallen zwei der grössten Herausforderungen unserer Zeit aufeinander: die Klima- und die Biodiversitätskrise. Hier ein Projekt, das die Güter vom Schiff auf die Bahn statt auf Lastwagen bringen soll, dort ein Gebiet, in dem sich auf einem ehemaligen Rangierbahnhof über Jahre ein Biotop für gefährdete Arten entwickeln konnte.

Dem Konflikt von Klima- und Naturschutz, der sich in Zukunft noch weiter verschärfen wird – man denke an den Bau von Windkraftwerken, Staumauern, Atomkraftwerken usw. – widmen Daniel Ballmer und Martin Schilt am Bespiel des „Hafenbecken 3“ einen Dokumentarfilm: „Bahnhof der Schmetterlinge“. Derzeit läuft er in Schweizer Kinos.

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Weit und hoch: der Flug der Steinschmätzer

Männlicher Steinschmätzer: 25 Gramm leicht, aber ein Weit- und Hochflieger. (Bild: Philippe Kurlapsi, CC BY 1.0)

Dem Steinschmätzer habe ich bereits einmal eine Umweltnotiz gewidmet. Von seinen Brutgebieten in Nordamerika fliegt der kleine Singvogel nämlich 14.500 Kilometer bis in sein Überwinterungsgebiet südlich des Sahels. Eine Meisterleistung.

Nicht so weit haben es die europäischen Steinschmätzer, die in den Alpen brüten. Ihre Strecke in den Süden beträgt rund 4500 Kilometer, die sie in ca. einem Monat hinter sich bringen. Dabei erreichen sie erstaunliche Höhen, wie Forscherinnen und Forscher der Schweizerischen Vogelwarte nun herausgefunden haben.

Dazu rüsteten sie acht Steinschmätzer mit Geolokatoren aus und stellen fest: Ein Männchen flog beim Frühlingszug in Richtung Norden 5148 Meter hoch. In der Regel bewegen sich die Steinschmätzer aber nicht in solchen Höhen: Sie migrieren nachts zwischen 2000 und 4000 Meter.

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Wie junge Waldrappe trainieren, Zugvögel zu sein

Mit Ultraleichtflugzeugen werden die jungen Waldrappe in ihr Überwinterungsgebiet in Andalusien geführt. (Bild: M. Hofmann)

Einen Monat Trainingszeit bleibt noch. Dann müssen die 35 jungen Waldrappe von Süddeutschland nach Südspanien fliegen – eine Strecke von 2300 Kilometern. Den Weg dahin kennen sie nicht, denn ihre Eltern sind die Strecke auch noch nie geflogen.

Die Aufgabe, die Jungvögel zu trainieren, übernehmen ihre menschlichen Ziehmütter, Helena Wehner und Barbara Steininger. Anfang Juli sitzen sie um acht Uhr morgens in einem blauen Zelt beim Flugplatz Binningen an einem Tisch. In der Nähe von Singen leben sie hier in Wohnwagen und Zelten, zusammen mit Camp-Leiterin Laura Pahnke, Praktikantin Gina Gerecke sowie Hund Bonny.

Die beiden Waldrapp-Ersatzmütter sind an ihren gelben Shirts zu erkennen. Auf diese Farbe sind die schwarzgefiederten Vögel mit dem von Schopffedern geschmückten nackten Kopf und dem langen gebogenen Schnabel ein paar Tage nach dem Schlüpfen geprägt worden. Die Farbwahl hat keine modischen Gründe. Das leuchtende Gelb ist von weitem zu sehen. Ein Vorteil, der sich heute noch auszahlen wird.

Vorsichtige und eigenwillige Jungwaldrappe

Auf dem Tisch vor den vier jungen Frauen: frisch gebrühter Kaffee, Erdbeeren, Konfitüre, Brot, Mineralwasser, Ferngläser, Funkgeräte und Fotoapparate. Eine Lichterkette unter dem Zeltdach verströmt etwas Wohnlichkeit. In Kürze soll das nächste Flugtraining beginnen, eins von dreien, die pro Woche stattfinden.

Heute steht auf dem Trainingsplan: „Auf eine unbekannte Wiese fliegen und dabei Strukturen wie zum Beispiel eine Strasse oder ein Waldstück überwinden“, sagt die Ziehmutter Helena Wehner, die bereits seit 2017 mitarbeitet und vor vier Jahren zum ersten Mal Waldrappe aufzog. Über 100 Jungvögel hat Helena Wehner schon beim Grosswerden begleitet.

Die Übung, eine Wiese anzufliegen, klingt einfach. Schliesslich sind die Waldrappe bereits drei Monate alt, gut genährt, gesund und seit Ende Mai flügge. Doch sie haben nicht nur ihren je eigenen Kopf, sie sind auch sehr vorsichtig. In ihrem zarten Alter folgen sie ihren Ziehmüttern auf Schritt und Tritt.

Doch neuerdings setzen sich die Ziehmütter auf der Graspiste in ein Ultraleichtflugzeug und fliegen davon in der Hoffnung, dass ihnen die Waldrappe folgen. Denn auf diese Art werden die Vögel im August auf ihre 30– bis 40-tägige Reise von Baden-Württemberg nach Andalusien geführt, je nach Wetterbedingungen pro Etappe bis zu 300 Kilometer und fünf bis sechs Stunden Flug.

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Möwen schauen den Menschen genau aufs Maul

Heringsmöwen haben sich gut an die menschlich geprägte Umwelt angepasst. (Bild: Georg Wietschorke/Pixapay)

Die Rede ist wieder einmal von Möwen.

Ging es in älteren Umweltnotizen um Möwen, die die Stadt dem Meer vorziehen, und um solche, die sich nach dem Tagesablauf der Menschen richten, dreht sich dieses Mal alles um Möwen, die dem Menschen ganz genau aufs Maul schauen.

Und es zeigt sich wiederum, wie erfolgreich sich Möwen an eine anthropozentrisch geprägte Umwelt anpassen können.

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Wegen Plastikabfällen: Küstenbewohner zieht es aufs offene Meer

Besonders wohl fühlen sich Küstenlebewesen auf hoher See auf weggeworfenen Fischernetzen. (Bild: Henri Apell/Pixabay)

Es leuchtet ein: Küstenbewohnende Lebewesen halten sich üblicherweise nicht auf dem offenen Meer auf – sondern eben an der Küste. Doch dies beginnt sich gerade zu ändern, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer in „Natur Ecology & Evolution“ erschienen Studie berichten.

Der von den Menschen ins Meer beförderte Plastikabfall macht es möglich. Auf 150 Millionen Tonnen wird der Plastikmüll geschätzt. Riesige Müllstrudel treiben auf den Meeren. Ein grosser Teil der Abfälle stammt aus der Fischerei.

Die Forscher nahmen 2018 und 2019 Proben aus einem Müllstrudel des Nordpazifik, dem „North Pacific Subtropical Gyre“, Tausende von Kilometern von der nächsten Küste entfernt.

Auf dem Abfall haben nicht nur Hochsee-, sondern auch Küstenarten einen Lebensraum gefunden.

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Menschen und Tiere teilen fundamentale Interessen und Rechte

Wenn wir Tiere wirklich schützen wollen, müssen wir ihnen eigene Rechte geben. Dies verlangt die Tierrechtsbewegung seit Jahren. Die Tierrechtsexpertin und Juristin Saskia Stucki geht noch einen Schritt weiter: Sie macht keinen Unterschied mehr zwischen Menschen- und Tierrechten. Tiere und Menschen hätten vielmehr gemeinsame Rechte. Das Interview.

Saskia Stucki, wieso brauchen Tiere Rechte?

Tiere brauchen Rechte, weil sie von Natur aus verletzlich und schutzbedürftig sind. Unsere Tierschutzgesetze reagieren bereits darauf. Sie erkennen an, dass Tiere Schutzbedürfnisse und gewisse Interessen haben. Das Problem ist, dass die geltenden Tierschutzgesetze keinen genügend starken Schutz gewährleisten. Ein solcher Rechtsschutz kann in Form fundamentaler und individueller Rechte erreicht werden.

Werden solche fundamentalen Tierrechte bereits irgendwo angewandt?

Bisher gibt es weltweit ein paar bahnbrechende Fälle, in denen zum Teil sogar höchste Gerichte Tieren individuelle Grundrechte zugesprochen haben, so etwa in Argentinien, Ecuador, Pakistan oder Indien. Die Fälle betrafen zum Beispiel Affen, Vögel oder Stiere.

Wie sieht es in Deutschland und der Schweiz aus?

Einige Expertinnen und Experten interpretieren die Gesetze so, dass daraus Rechte für Tiere folgen. So darf gemäss dem deutschen Tierschutzgesetz niemand „einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen“. Dies lässt sich als ein Recht auf Leben auslegen, was juristisch aber umstritten ist. In der Praxis ist es ohnehin so, dass man diesen Anspruch auf ein Lebensrecht sehr einfach einschränken kann, etwa für die Fleisch- und Eierproduktion oder für die Jagd. In der Schweiz ist dies gar noch einfacher möglich, da es dort gesetzlich gar keinen Lebensschutz gibt. In der Schweiz kann man ein gesundes Haustier euthanasieren lassen, wenn man es nicht mehr will. In Deutschland wäre dies zumindest theoretisch nicht möglich.

Üblicherweise unterscheidet man in der Tierrechts-Debatte zwischen Rechten für Menschen und Rechten für Tiere. Sie gehen nun aber einen Schritt weiter und wollen diesen Unterschied aufheben. Sie nennen Ihren Ansatz „One Rights“, was man mit „gemeinsame Rechte“ übersetzen könnte. Wieso sollen Menschenrechte auf nichtmenschliche Tiere ausgeweitet werden?

Ich unterscheide zwischen konzeptionellen und praktischen Überlegungen. Die konzeptionelle Grundidee ist die folgende: Wenn man sich die Menschenrechte genau anschaut, dann räumen sie eigentlich nicht nur Menschen spezifische Rechte ein. Klar, es gibt Rechte, die auf menschliche Interessen zugeschnitten sind, wie etwa die Religions- oder die Wissenschaftsfreiheit. Aber andere Rechte schützen fundamentale Interessen, die wir Menschen als Tiere, die wir ja sind, mit anderen Tieren teilen. Dazu gehört zum Beispiel das Interesse auf körperliche Unversehrtheit und das Recht auf Leben. Diese Rechte sind also konzeptionell gesehen keine Menschenrechte, sondern fundamentale Grundrechte für Tiere – menschliche wie auch nichtmenschliche.

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Irrgäste: Erdmagnetische Störungen bringen Vögel vom Weg ab

Von Kanada bis Mexiko ist eine Begegnung mit dem Weiden-Gelbkehlchen (hier ein Weibchen) nicht aussergewöhnlich. Anders hingegen in Westeuropa: Da taucht es nur als Irrgast auf. (Bild: Rhododendrites, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=110859703)

Vergangenen Herbst hat ein kleiner Vogel im Tessin für Aufregung unter Vogelbeobachtern gesorgt. Ein Weiden-Gelbkehlchen war entdeckt worden. Ein Vogel, der in Nordamerika und im Winter in Mittelamerika vorkommt. Zwar ziehen einige dieser Tiere im Herbst auch auf die Azoren. Doch Weiden-Gelbkehlchen, die in Kontinentaleuropa auftauchen, gelten als sogenannte Irrgäste, also Vögel, die deutlich von ihrem Weg abgekommen sind.

Für Birder sind solche Entdeckungen ein Ereignis: Sie bekommen einen Vogel vor der Haustüre vor die Linse, für dessen Anblick sie sonst weit reisen müssten. Grosse Aufmerksamkeit zog daher auch ein europäisches Rotkehlchen auf sich, das in Peking auftauchte, oder ein russischer Riesenseeadler, der Boston anflog.

In der Regel bedeutet ein solcher Irrflug für den betroffenen Vogel eine Sackgasse: Das Überleben am ungewohnten Ort kann schwierig sein, die Gefahr eines raschen Todes ist gross. Und auch wenn der Irrgast längere Zeit überlebt: Ohne Artgenossen ist die Fortpflanzung unmöglich. Gelangen allerdings gleich mehrere Irrgäste der gleichen Art zur selben Zeit an denselben Ort, kann dies der Startpunkt für eine neue Population sein.

Gründe für solche Irrwege können Stürme sein, die die Vögel von ihren ursprünglichen Gebieten über Tausende von Kilometern an fremde Orte verfrachten. Auch genetische Fehler werden als Ursache ins Spiel gebracht.

Amerikanische Forscher haben nun noch einen weiteren möglichen Grund für die Verirrungen untersucht: Störungen im Erdmagnetfeld. Denn Vögel können – anders als wir Menschen – das Erdmagnetfeld „sehen“ und sich so im Raum orientieren.

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Der Mensch frisst sich unablässig ins Land: starke Zunahme der Zersiedelung in den letzten Jahren

Die Schweiz (hier Zürich) gehört zu den am stärksten zersiedelten Ländern der Welt. (Bild Heiner/Pixabay)

Eigentlich wüsste man es ja: Der Lebensraumverlust ist einer der wichtigsten Treiber für die Biodiversitätskrise, also die über alle Massen hohen Aussterberaten von nicht-menschlichen Lebewesen. Deshalb sollten sich menschliche Siedlungen nicht weiter ins Land fressen und naturnahe Flächen zerstören. In vielen Ländern gibt es mittlerweile Raumplanungsgesetze, um genau dies zu verhindern und den Siedlungsbau zu steuern. Auch füllt die Literatur über „nachhaltigen Städtebau“ Bibliotheken. Doch davon ist auf der Erde noch wenig zu erkennen. Im Gegenteil.

Zwischen 1990 und 2014 hat sich die Zersiedelung weltweit fast verdoppelt (95 Prozent). In den beliebten Fussballfeldern gerechnet: Pro Stunde wird die Fläche von mehr als 160 Fussballfedern bebaut. Dies haben Forscher des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung in Dresden und der Concordia University in Montréal mit Hilfe von Satellitendaten berechnet.

Weitet man den Blick zeitlich, sieht es so aus: Zwischen 1975 und 2014 wurde mehr Fläche zugebaut als in allen Jahrtausenden zuvor, in denen der Mensch Siedlungen aus dem Boden stampfte.

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