Für die Insekten die Pflanzen, für die Menschen die Kunst

Ein Siebenpunkt-Marienkäfer hat das Kunstwerk von Alexandra Daisy Ginsberg vor dem Museum für Naturkunde in Berlin angeflogen. (Bild: M. Hofmann)

Darf Kunst nur mehr dem Menschen dienen?

Geht es nach der britisch-südafrikanischen Künstlerin Alexandra Daisy Ginsberg lautet die Antwort: nein. Die Menschen haben sich zu lange als Krone der Schöpfung und damit auch der Kunst gesehen. Im Anthropozän sollen auch andere Lebewesen etwas von einem Kunstwerk haben.

Insekten zum Beispiel.

Ginsberg dreht die Perspektive um und versetzt sich in diejenige der Insekten. Wie sähe ein Garten aus, wenn Insekten gärtnerten? So schafft sie Wiesen, die nicht in der erster Linie das Auge des Menschen erfreuen, sondern allen möglichen Bestäubern von Käfern, über Bienen und Hummeln bis Schmetterlingen genügend Nahrung bieten sollen.

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Dachse und Eichhörnchen in Zürich, die Hasen den Wienern – und Berlin ist die Stadt der Wildschweine und Waschbären

Im Vergleich zu Berlin und Wien werden in Zürich besonders viele Dachse beobachtet. (Bild: Pixabay)

Vor kurzem habe ich eine Wildtierkamera für ein paar Tage im Garten aufgestellt. Ich erhielt sie ausgeliehen vom Verein „StadtNatur“, der gerade untersucht, welche Kleinsäuger sich heimlich in der Stadt Zürich rumtreiben. 

Nun, meine Ausbeute war überschaubar. Meine Hoffnung war, dass zumindest ein Steinmarder in die Fotofalle gehen würde. Der hinterlässt nämlich regelmässig seine Spuren im Garten. Doch neben einer Amsel liessen sich vor allem die Nachbarskatzen porträtieren, meistens mitten in der Nacht.

Nachbarskatze ging in die Fotofalle.

Die Stadtökologie war lange ein vernachlässigter Teil der Forschung. Das hat sich seit einigen Jahren geändert. Mehr als die Hälfte der Menschheit lebt mittlerweile in Städten, bis 2050 sollen es gar zwei Drittel der Weltbevölkerung sein, die in städtischen Siedlungen wohnen. Zu wissen, wie dort Wildtiere und -pflanzen leben und überleben, ist daher von grosser Bedeutung.

Und man trifft dort auf viele Helferinnen und Helfer, die bei der Datenerhebung mitmachen können.

Auf dieses Potenzial greift seit 2013 das Projekt „StadtWildTiere“ in Zürich zurück. Jedermann kann hier städtische Beobachtungen von Wildtieren im Internet oder auf einer App melden. Die Daten werden gesammelt und ausgewertet. 

„StadtwildTiere“ verfolgt aber nicht nur wissenschaftliche Ziele. Die Stadtbewohner sollen die vielfältige städtische Natur besser wahrnehmen. Zudem sollen auch Massnahmen zur Förderung der Stadtnatur angestossen werden. 

Mittlerweile hat sich „StadtWildTiere“ in insgesamt 13 Städte der Schweiz, Deutschlands und Österreichs ausgebreitet. In „Frontiers in Ecology and Evolution“ zieht das Projekt nun eine Bilanz ihres Tuns und wartet mit einem überraschenden Wildtier-Vergleich der Städte Zürich, Wien und Berlin auf.

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Der Mensch drängt den Wolf in die Nacht – was beiden zugutekommt

Ein Wolf tagsüber: in besiedelten Gebieten ein seltener Anblick. (Bild: M. Hofmann)

„Wolf umkreist Bauernhof mitten am Tag.“ „Unheimliche Begegnung: Hier spaziert ein Wolf am helllichten Tag durch Hannover.“ „Schwändi: Wolf am helllichten Tag nahe Dorf gesichtet – <Das schürt Angst>“.

So lauten ein paar Schlagzeilen der letzten Monate. Doch ein am helllichten Tag gesichteter Wolf ist eigentlich keine Sensation. Denn dass ein Wolf gelegentlich tagsüber irgendwo auftaucht, entspricht normalem Wolfsverhalten. Je mehr Menschen sich aber in seinem Lebensraum bewegen, desto eher verlegt er seine Aktivitäten in die Nacht.

Dies haben Forscherinnen und Forscher herausgefunden, die zwischen 2014 und 2022 Wildtierkameras an neun verschiedenen Orten in Europa (in Deutschland, Italien, Kroatien, Polen, Belarus und der Ukraine) installierten. Mit diesen beobachteten sie das Tun der grossen Fleischfresser Wolf und Luchs und setzten es in Beziehung zur örtlichen menschlichen Präsenz. Ihre Resultate sind in „Global Ecology and Conservation“ erschienen.

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Fokus auf Schutz der Biodiversität legen – das hilft auch dem Klimaschutz

Alte Wälder sind nicht nur ein Gewinn für die Biodiversität, sondern tragen auch zum Klimaschutz bei. (Bild: Pixabay)

Konflikte zwischen Biodiversitäts- und Klimaschutz scheinen unvermeidlich zu sein. Das zeigt sich zum Beispiel an der kommenden Abstimmung über das Stromgesetz in der Schweiz. Mit dem Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung soll in der Schweiz mehr Strom aus erneuerbaren Energiequellen wie Wasser, Sonne, Wind oder Biomasse zu produziert werden

Tönt gut. Doch das Ganze kann auf Kosten der Biodiversität gehen, etwa dort, wo neue Wasserkraft- oder Windkraftwerke entstehen. Ein kleiner Teil der Schweizer Naturschutzbewegung lehnt daher das neue Stromgesetz ab.

Solche Konflikte liessen sich allerdings im Kern vermeiden, wenn man den Fokus anders legen würde: weg vom Klima-, hin zum Biodiversitätsschutz.

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War die Corona-Pandemie ein Segen für die Natur? Kaum, wie Wildtierkameras verraten

Grössere Pflanzenfresser profitieren teilweise von der menschlichen Präsenz. Menschen dienen als Schutzschild vor Beutegreifern. (Bild Pixabay)

Von einem Tag auf den anderen ist vieles stillgestanden. In üblicherweise hochtourig laufenden Städten kehrte Ruhe ein, als wegen der Corona-Pandemie der Bewegungsradius der Menschen drastisch eingeschränkt wurde. 

Bald machten Bilder von Wildtieren die Runde, die die Menschenorte (zurück-)eroberten: Wildschweine, Pumas, Hirsche, Kojoten mitten auf der Strasse und in der Einkaufszone. Es war gar die Rede davon, dass in dieser „Anthropause“ die Natur heilen würde. 

Doch es zeigt sich zunehmend, dass dem nicht so war – oder zumindest, dass man die vermeintliche Rückkehr der Natur differenziert betrachten muss. 

Dies bestätigt auch eine soeben publizierte Studie, die sich in 21 Ländern die Bewegungsmuster von 163 Säugetierarten angeschaut hat. Dank an über 100 Orten verteilten Wildtierkameras (insgesamt 5400 Stück) konnten die Forscherinnen und Forscher ermitteln, wie Säugetiere auf das veränderte menschliche Verhalten während der Pandemie reagierten.

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Stare nutzen Wolle: zur Reinigung – oder weil es wohltut? 

Ganz schön einfallsreich: ein Star. (Bild: Pixabay)


Michael Haslam hat auf der Hauptinsel von Orkney im Norden Schottlands Überraschendes beobachtet: Stare picken Wollknäuel auf, die von den Tausenden von Schafen auf den Inseln stammen, bringen die Wolle dann mit dem Schnabel unter ihre Flügel und führen dort einige streichelnde Bewegungen aus. 

Ein solches Verhalten wurde bisher noch nie beschrieben. Haslam veröffentlichte seine Beobachtungen nun in „AnimalBehaviour and Cognition“

Doch was steckt hinter diesem Verhalten?

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Ist der Mensch erst einmal da, geht es mit der Biodiversität bergab

Mit der Besiedlung der südpazifischen Inseln veränderte sich die Artenvielfalt. (Bild: Pixabay)

Die Biodiversität schwindet nicht nur. Sie wird auch homogener. Viele Arten verschwinden, einige aber setzen sich durch.

Ein typisches Beispiel dafür ist das Kulturland. So trägt eine intensive Landwirtschaft dazu bei, dass die Landschaft eintöniger wird. Auch vom Menschen eingeführte, nicht heimische Arten können dazu führen, dass die lokale Artenvielfalt abnimmt und „homogenisiert“, da die neuen Arten die heimischen Arten verdrängen.

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass die Homogenisierung der Biodiversität ein eher neues Phänomen ist. Eines, das von Bevölkerungszunahme, der Zerstörung von Lebensräumen sowie dem globalen Handel angetrieben wird.

Doch nun bestätigt sich: Der Rückgang der Artenvielfalt sowie die Homogenisierung der Biodiversität setzen dann ein, wenn Menschen in einem zuvor menschenleeren Ort auftauchen. Ein Wissenschaftsteam konnte dies für den südpazifischen Raum aufzeigen. Ihre Studie ist in „Nature Ecology & Evolution“ erschienen.

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Im Bann der Mauersegler: der Engländer Charles Foster mag sich ein Leben ohne die Flugkünstler nicht vorstellen

Ein Himmel voll schreiender Mauersegler: Inbegriff des Sommers. (Bild: Kev/Pixabay)

Den Dezember erträgt Charles Foster nur schwer. Seit fünf Monaten hat er zuhause keinen Mauersegler mehr gesehen hat. Und es wird nochmals mindestens so lange dauern, bis sie wieder aus ihrem Überwinterungsgebiet im südlichen Afrika zurückkehren und einige von ihnen im Dachstock von Fosters Haus in Oxford zu brüten beginnen.

Für jemanden wie Foster, für den ein Leben ohne Mauersegler eigentlich sinnlos ist, ist der Dezember eine Qual. Während sich seine Familie auf Weihnachten freut, fliegt er den Mauerseglern entgegen nach Mosambik. Allerdings vergeblich. Die Mauersegler lassen sich dort auch nicht blicken.

Wie können wir über Mauersegler sprechen?

Was Foster, Tierarzt und Anwalt, der in Oxford Ethik und Rechtsmedizin lehrt, genügend Gelegenheit gibt, nicht nur über die erstaunliche Lebensweise der Mauersegler, unser Verhältnis zu ihnen und der Natur überhaupt nachzudenken, sondern auch darüber, wie wir angemessen über Mauersegler sprechen können.

Denn dies ist eigentlich unmöglich: Nur der Mauersegler weiss, wie es ist, ein Mauersegler zu sein. Um uns wirklich in Mauersegler einfühlen zu können, helfen uns Menschen auch die vielen Studien und Daten über die faszinierenden Vögel nicht weiter, so Foster.

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Hauskatzen machen sich über (fast) alles her, was vor ihre Schnauzen fällt – und verschmähen auch gefährdete Arten nicht

Weltweit über 2000 Arten stehen auf der Fressliste der Hauskatzen. (Bild Mabel Amber / Pixabay)

„Katzen töten 30 Millionen Vögel in der Schweiz – pro Jahr“. Diese Umweltnotiz hat bis heute bei meinen Leserinnen und Lesern sehr viel Interesse gefunden. (Vielen Dank dafür! Und bitte auch einen Blick auf diese weiterführende Umweltnotiz werfen.)

Das überrascht nicht. Die Vogeljagd der Hauskatzen „triggert“ Vogel- und Katzenfreunde gleichermassen – aus verschiedenen Motiven. Viele Katzenhalter hören nicht gerne, dass ihre Haustiere Jagd auf schöne Wildvögel machen. Und Ornithologen stossen immer wieder auf taube Ohren, wenn sie dazu raten, Hauskatzen eben genau dort zu lassen: im Haus – und sie nicht ins Freie zu lassen.

Eine der problematischsten invasiven Art der Welt

Es gibt etliche Studien zum Jagdverhalten der Hauskatzen. Allerdings sind alle verständlicherweise mit Unsicherheiten behaftet. Katzen in ihrem Jagdrevier über eine lange Zeit zu verfolgen, um über die Zusammensetzung ihrer Beute genau Bescheid zu wissen, ist kaum möglich. Die Studien müssen sich auf begründete Schätzungen abstützen.

Forscherinnen und Forscher haben sich nun diese Studien nochmals genau angeschaut, um herauszufinden, was denn die Hauskatzen alles fressen. In „Nature Communications“ kommen sie zum Schluss: Freilaufende Hauskatzen fressen 2084 verschiedene Arten. Davon sind knapp 17 Prozent in ihrem Bestand gefährdet. Auch diese Zahlen beruhen auf Schätzungen, allerdings konservativen, wie die Forscher betonen. Das Artenspektrum, an dem sich Katzen gütlich tun, wird also noch grösser sein.

Salopper gesagt: Katzen machen kaum vor etwas Fressbarem halt, sei es tot (auch Aas wird nicht verschmäht) oder lebendig. Oder in der Sprache der Forscher: Hauskatzen gehören zu den problematischsten invasiven Arten der Welt.

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Im Auge des Beobachters: Welche Vögel dem Menschen besonders schön erscheinen

Objektiv ist der Eisvogel ein schöner Vogel: Rot und blau im Gefieder, eher von kleiner Gestalt sowie ein markanter Schnabel erscheinen dem Menschen als ästhetisch attraktiv. (Bild: Marco Federmann/Pixabay)

Wieso beobachten Menschen gerne Vögel? Wieso opfern sie Stunden ihrer Freizeit, um Vögeln nachzuspüren? Wieso geben viele dafür gar Tausende von Franken für Feldstecher, Kamera und Reisen aus?

Die einen sind gerne an der frischen Luft. Andere lieben die Natur und wollen ihr nahe sein. Wieder andere interessieren sich für das Leben der Vögel und vertiefen sich in deren Biologie. Einige treibt der Jagdinstinkt nach draussen und auf die Suche nach seltenen Arten.

Die meisten aber verbindet wohl etwas ganz besonders: Sie finden Vögel schön. Ihre Gestalt, ihre Farben, ihren Gesang.

Allerdings wird diese Gunst nicht allen Vogelarten in gleichem Masse entgegengebracht. Nicht jeder Vogel wird als schön bezeichnet. Wie aber muss ein Vogel aussehen, damit ihn Menschen als ästhetisch attraktiv beurteilen? Mithilfe von Daten, die in einem Citizen-Science-Projekt weltweit gesammelt wurden, haben Forscherinnen und Forscher nun die Kriterien für den im menschlichen Auge „schönen Vogel“ herausgearbeitet.

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