Die Zersiedelung kann ein Segen für den Gartenrotschwanz sein. Wenn sie richtig gemacht ist.

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Der Gartenrotschwanz ist selten geworden in den Siedlungen. Ihm fehlen dort alte und grosse  Bäume. (Bild: Thomas Kraft)

Verdichtung ist gut, Zersiedlung ist schlecht. So lautet eine oft gehörte Meinung in Umweltschutzkreisen. Denn dank verdichteter Bauweise bleibe mehr Platz für die Natur, während die Zersiedelung wertvolles Land fresse und damit Tiere und Pflanzen zurückdränge.

Doch so einfacht ist es nicht. Es kann durchaus sein, dass auch die Verdichtung schadet. Denn es gib Lebewesen (neben den Menschen), denen eine gemässigt urbaniserte Umgebung durchaus passt. Zum Beispiel dem Gartenrotschwanz, einem in der Schweiz potenziell gefährdeten Singvogel. Allerdings müssen einige Bedingungen erfüllt sein, damit sich der Gartenrotschwanz in der Stadt zuhause fühlt, wie Ornithologen am Beispiel von La Chaux-de-Fonds im Kanton Neuenburg ermittelt haben (siehe dazu auch hier).

Das ideale (Vororts-)Siedlungshabitat für den Gartenrotschwanz setzt sich zu rund der Hälfte aus kurz geschnittenem Rasen, einem Drittel undurchlässiger Oberfläche sowie etwa einem Fünftel Baumbedeckung zusammen. Entscheidend von diesen drei ist der Anteil der Baumbedeckung. Gibt es zu wenig Bäume, fehlt der Gartenrotschwanz. Denn Bäume  sorgen dafür, dass sich im Boden Wirbellose tummeln, die wiederum dem Gartenrotschwanz als Nahrung dienen. Und Gartenrotschwänze nutzen Bäume als Warten bei der Jagd nach Insekten.

Gartenrotschwänze mögen vor allem Siedlungen mit Wäldern und Friedhöfen, die über einen hohen Anteil an grossen und ausgewachsenen sowie bereits zerfallenden (einheimischen) Baumarten verfügen. Da sich solche Bäume nicht über Nacht pflanzen lassen, müssen Planer von vogelfreundlichen Siedlungen viele Jahre vorausdenken.

Einzelne gute Habitate genügen allerdings nicht. Vielmehr sollten solche untereinander verbunden sein, um genügend grosse Territorien und stabile Populationen in einer Stadt zu schaffen. Zudem lohnt es sich, Nisthilfen für den Gartenrotschwanz an neuen oder renovierten Gebäuden anzubringen. Und um dem Insektenfresser zu helfen, ist es ebenso sinnvoll, Totholz am Boden liegen zu lassen sowie Streifen mit Wildblumen und Steinmauern anzulegen.

Kurz: Notwendig ist eine vielfältige Landschaftsstruktur innerhalb von Städten.

PS: Das Gartenrotschwanz-Projekt in La Chaux-de-Fonds erhielt 2016 den Beugger-Preis von Pro Natura.

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