Die Ökologisierung der Landwirtschaft hilft den Vögeln (noch) nicht

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Den Rotkopfwürger hält nichts mehr in der Schweizer Landwirtschaft. Er ist verschwunden. (Bild: Michele Lamberti)

Die erste Enttäuschung erfolgte 2005. Damals wurde untersucht, ob die Ökologisierung der Landwirtschaft den Brutvögeln zugute kommt. Das Resultat lautete: kaum.

Die Schweizer Landwirte müssen seit den 1990er Jahren einen ökologischen Leistungsnachweis erbringen, wollen sie Direktzahlungen erhalten. Unter anderem sind die Bauern angehalten, sieben Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche als sogenannte Biodiversitätsförderflächen zu bewirtschaften. Dies soll, wie der Name sagt, gefährdeten Tier- und Planzenarten helfen.

Ein paar Jahre nach 2005 kam eine Bestandeserhebung für den Kanton Zürich wiederum zu einem tristen Ergebnis: Der ökologische Ausgleich habe im Kanton Zürich den fortgesetzten Rückgang der Vogelarten „nur geringfügig abzudämpfen“ vermocht, hiess es. Nun hat man sich den Kanton Basel-Landschaft etwas genauer angeschaut. Und auch hier zeigt sich: Die Situation der typischen Brutvogelarten hat sich „in den letzten 20 Jahren weiter deutlich verschlechtert“ (Nicolas Martinez, Stefan Birrer: Entwicklung ausgewählter Vogelarten im Landwirtschaftsgebiet des Kantons Basel-Landschaft, Der Ornithologische Beobachter, Band 114, Heft 3, 2017, 161-178; noch nicht online).

Laut den Studienautoren fügen sich die Ergebnisse aus Basel-Landschaft in die gesamtschweizerischen Trends. Einst häufige Arten wie Feldlerche, Baumpieper oder Gartenrotschwanz haben in ihren Beständen teilweise massiv abgenommen – trotz den Bemühungen, die Landwirtschaft nicht nur mit eidgenössischen, sondern auch mit kantonalen Programmen zu ökologisieren, also Hecken sowie Buntbrachen anzulegen, Hochstamm-Bäume zu erhalten und anzupflanzen oder Wiesen extensiv zu nutzen. Der Rotkopfwürger taucht gar überhaupt nicht mehr auf; er ist als Brutvogel aus der Schweiz verschwunden.

Bei den untersuchten Arten nahmen die Anzahl Reviere in Basel-Landschaft innerhalb von 20 Jahren um 20 Prozent ab. Neben Feldlerche und Gartenrotschwanz sind vor allem Wendehals, Wiesenpieper und Neuntöter betroffen.

Es gibt aber auch positive Entwicklungen: Dem Turmfalken scheint es viel besser zu gehen. Und sowohl die Nachtigall wie auch das Schwarzkehlchen brüten nun im Kanton Basel-Landschaft. Das zeigt: Die Massnahmen der Ökologisierung können durchaus zum Erfolg führen. Wichtig sind hier vor allem Bund- und Rotationsbrachen. Grosse qualitative Defizite bei der Förderung der Biodiversität bestehen aber weiterhin bei den Hecken (Neuntöter), den Ackerkulturen (Feldlerche) sowie den Hochstamm-Obstgärten (Gartenrotschwanz, Wendehals).

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