Biodiversität in der Stadt: Jedes grüne Fleckchen zählt

Auch wenn sie noch so unscheinbar wirken, so kommt Wildpflanzen in der Stadt eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu. (Bild: Markus Hofmann)

Wildpflanzen fördern mitten in der Stadt? Wo Gebäude, Strassen, Plätze den Boden versiegeln? Wo im Kampf um Verdichtung um jeden Quadratmeter gestritten wird?

Ja, das geht! Und es ist notwendig, will man die Biodiversität erhalten oder gar steigern.

Dies zeigt die Studie von Kevin A. Vega und Christoph Küffer, die die grünen Flecken der Stadt Zürich genau untersucht haben (Zusammenfassung der Studie in „Der Gartenbau“, 10/2021). In sieben ein Quadratkilometern grossen Quadraten erfassten sie die Gefässpflanzen auf öffentlichen Flächen, die mindestens einen Quadratmeter umfassen – vom Zentrum bis an den Stadtrand. Darunter befanden sich Baumscheiben mit etwas Grün ringsum bis zu stattlichen Wiesen von 30.000 Quadratmetern. Über 2100 Untersuchungsflächen kamen so zusammen.

Das Resultat: Je grösser die Fläche, desto grösser auch die Zahl der Pflanzenarten. So weit so wenig überraschend. Doch daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, kleine grüne Flächen seien nutzlos und müssten nicht gefördert werden, wäre falsch. Denn viele kleine Födermassnahmen zeitigten in der Summe eine grosse Wirkung, schreiben Küffer und Vega.

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Wölfe verhindern Autounfälle – und das hat einen hohen wirtschaftlichen Nutzen

Wo es Wölfe gibt, verändern Hirsche ihr Verhalten – und meiden Strassen. (Bild: colfelly/Pixabay)

Hier die einen: Der Wolf frisst unsere Schafe! Wir müssen uns und die Nutztiere schützen! Und dies verursacht hohe Kosten, er muss weg!

Dort die anderen: Dass der Wolf wieder zurück ist, ist schön! Er gehört zu unserer Natur und tut ihr gut!

So könnte man die gegensätzlichen Positionen um den Wolf zuspitzen. Was dabei auffällt: Die eine Seite, die der Gegner, kann ökonomische Argumente ins Feld führen. Und in einer Welt, in der das Geld regiert, sind das starke Argumente.

Schwerer tun sich die Befürworter der Wolfs-Präsenz mit ökonomischen Gründen. Was bringt uns der Wolf finanziell? Nun, da Wölfe die Hirsch- und Rehbstände regulieren, tragen sie dazu bei, Wildschäden am Wald und der Vegetation zu verringern. Und dies bringt einen hohen Nutzen. Doch, wenden die Gegner ein, den Wald können auch die Förster und Jäger, die Hirsche und Rehe schiessen, pflegen. Der Wolf ist also ersetzbar.

Doch das stimmt eben nicht ganz, wie amerikanische Forscher zeigen. Sie haben sich angeschaut, wie sich die Anwesenheit von Wölfen auf die Anzahl von Kollisionen mit Geweihträgern auswirkt. Das Resultat ist eindeutig: Den Nutzen, den Wölfe bei der Verminderung von Autounfällen erbringen, ist ein Vielfaches höher als die Kosten, die sie in der Landwirtschaft verursachen. Genauer: Der Nutzen ist 63-mal höher als der Schaden. Und Gleiches kann von Jägerinnen und Jägern nicht geleistet werden.

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Katzen töten 30 Millionen Vögel in der Schweiz – pro Jahr

Vielen Menschen eine Freude, vielen Vögeln gar nicht: Hauskatzen in freier Wildbahn. (Bild: mizekieze/Pixapay)

Die Katze ist aus dem Sack. Nun gibt es eine offizielle Schätzung, wie viele Vögel in der Schweiz jährlich in den Fängen von Hauskatzen enden. Es sind 30 Millionen.

Dies ist einer Antwort des Bundesrates auf eine Frage des grünliberalen Nationalrats François Pointet zu entnehmen. Bei über 1.7 Millionen Katzen (Tendenz weiterhin steigend), die in der Schweiz leben, ist diese hohe Zahl nicht völlig überraschend. Eine oft zitierte Studie kam 2013 zum Schluss, dass Hauskatzen in den USA jährlich 1.3 bis 4 Milliarden Vögel töten.

Auch wenn dies viel Katzen-Liebhaber nicht gerne hören: Hauskatzen gehören zu den schlimmsten invasiven Arten weltweit. (Wenn man den Menschen einmal von dieser Liste ausnimmt.)

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Das Verschwinden der Vögel: dramatischer Rückgang der Vogelpopulation in Europa

Die Anzahl Stare in Europa ist in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen.

So können Vergleiche täuschen. Ein Beispiel dafür? Nehmen wir die Zahl der Brutvogelarten in der Schweiz. Diese ist seit den 1990er Jahren konstant geblieben. Mal verschwindet eine Vogelart, mal wandert eine neue ein. Insgesamt gleicht sich das über die Jahre aus.

Alles gut also?

Gar nicht. Denn die Artenzahl ist nur einen von mehreren Kenngrössen der Biodiversität. Die Arten müssen auch über eine gewisse Populationsgrösse verfügen, um überlebensfähig zu sein.

Und hier sieht die Tendenz bei der Vogelpopulation insgesamt sehr schlecht aus, wie neueste Untersuchungen zeigen.

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Lasst die Natur etwas häufiger in Ruhe – auch mitten in der Stadt

Die Stadt Zürich hat sich die Förderung der Biodiversität auf die Fahne geschrieben. (Bild: Markus Hofmann)

Städte – gerade in der Schweiz – zeigen sich gerne herausgeputzt. Da werden Blumenrabatten fein säuberlich wie Soldaten auf dem Exerzierplatz aufgereiht, Bäume gestutzt und Rasen regelmässig kurz geschnitten. Dabei täte auch in Städten etwas mehr Unordnung der Biodiversität gut.

Das zeigt einmal mehr eine neue Studie von Wissenschaftlern der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL. Dafür haben die Forscher die Tierwelt der Stadt Zürich sehr genau untersucht. An 251 Stellen haben sie ingesamt 1446 Arten aus 12 taxonomischen Gruppen erfasst, darunter Bienen, Käfer, Vögel, Schwebfliegen, Tausendfüsser, Netzflügler, Schnecken, Spinnen und Wespen.

Auf denjenigen grünen Flächen, auf denen der umtriebige Stadtmensch nicht gross eingreift, ist das Artenreichtum am grössten, also zum Beispiel auf Wiesen und Ruderalflächen, die nicht allzu häufig gemäht und gepflegt werden. In der Stadt Zürich halten sich die stark und weniger stark gepflegten Flecken in etwa die Waage, was der Anteil an der Gesamtfläche betrifft (20 bzw. 18 Prozent). Was gleichzeitig bedeutet: Das Potenzial, um die Biodiversität weiter zu fördern, ist beträchtlich. Ein Förderprogramm dazu ist in Zürich bereits am Laufen.

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Artenarme Literatur: Seit den 1830er Jahren nimmt die Biodiversität in literarischen Werken ab

(Bild: Mystic Art Design / Pixabay)

Der Peak ist eindeutig: Bis 1835 nimmt die Vielfalt an taxonomischen Begriffen in der Literatur zu. Anschliessend geht sie wieder zurück. Dies geht aus einer bisher einmaligen Untersuchung hervor.

Deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben 16.000 literarische Werke von 4000 Autoren – darunter etwa Johann Wolfgang von Goethe, Victor Hugo oder Jules Verne -, die zwischen 1705 und 1969 erschienen sind, auf 240.000 taxonomische Begriffe untersucht. Als Datengrundlage dienten ihnen im „Project Gutenberg“ digitalisierte Werke in englischer Originalsprache beziehungsweise in Übersetzungen. Mithilfe computergestützter Analysemethoden schauten sie also, wo und in welcher Häufung und Verteilung Begriffe wie „horse“, „wolf“, „apple“, „elm“ (Ulme) oder „ivy“ (Efeu) vorkommen.

Das Resultat zeigt sich Form eines Buckels: Während bis in die 1830er Jahre die Häufigkeit, Dichte und Ausdrucksvielfalt der Artbegriffe ansteigt, nimmt sie anschliessend wieder ab. So verwendeten die Schriftstellerinnen und Schriftsteller beispielsweise vor den 1830er Jahren vermehrt präzise Artbegriffe. Auch regional gefärbte Begriffe waren gebräuchlicher. Danach aber wichen sie auf allgemeinere Begriffe aus: Statt von der „Eiche“ ist dann schlicht vom „Baum“ die Rede. Auch verdrängen domestizierte Tierarten die Wildtierarten.

Was sich also in der realen Welt abspielt, widerspiegelt sich auch in der Literatur: eine Verarmung der Natur.

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Deutlich mehr potenziell gefährdete Brutvogelarten in der Schweiz: neue Rote Liste

Die Rauchschwalbe gilt in der Schweiz neu als potenziell gefährdet. (Bild: Elsemargriet/Pixabay)

Der Anteil potenziell gefährderter Brutvogelarten in der Schweiz steigt seit Jahren. Gemäss der neuen Roten Liste gehören nun bereits 20 Prozent der rund 200 Brutvogelarten in diese Kategorie. Vor elf Jahren lag der Anteil noch bei 16 Prozent. Nochmals zehn Jahre früher hatte dieser Wert 12 Prozent betragen. Die Entwicklung, dass immer mehr bislang häufige Arten neu als potenziell gefährdet gelten, bereitet der Schweizerischen Vogelwarte Sempach Sorgen.

Die Vogelwarte erstellt die Rote Liste zusammen mit dem Bundesamt für Umwelt. Noch ist die neue Rote Liste nicht erschienen. Doch die Vogelwarte hat in einer Broschüre an die Gönnerinnen und Gönner erste Hinweise auf die Resultate veröffentlicht.

Als gefährdet gelten – wie bereits in den beiden zuvor erschienen Roten Listen – 40 Prozent der Brutvogelarten (verletzlich: 21 Prozent; stark gefährdet 12 Prozent; vom Aussterben bedroht: 4 Prozent; in der Schweiz ausgestorben: 3 Prozent). „Besonders prekär“ sei die Situation in den Feuchtgebieten (über 60 Prozent der Vogelarten gefährdet) und im Kulturland (rund die Hälfte der Vogelarten gefährdet). Entsprechend müssten in diesen Gebieten weitere Massnahmen zum Schutz der Biodiversität ergriffen werden.

Als positiv herausgestrichen wird, dass Förderprojekte helfen. So hätten sich beispielsweise Dohlen und Kiebitze etwas erholen können.

Die neue Rote Liste soll noch dieses Jahr publiziert werden.

© Markus Hofmann

Keine neuen Bienenstände mehr – den Wildbienen zuliebe

Honigbienen sind faszinierend. Doch in der Schweiz gibt es bereits mehr als genügend Bienenstände. (Bild: PollyDot / Pixabay)

Albert Einstein sagte: „Wenn die Bienen aussterben, sterben vier Jahre später auch die Menschen.“ Daran sind gleich zwei Dinge falsch. Das Zitat stammt (mit grosser Wahrscheinlichkeit) nicht von Einstein. Und die Aussage, dass die Menschheit vom Überleben der Biene abhänge, trifft ebenfalls nicht zu. Insbesondere dann, wenn man unter „Biene“ die Honigbiene (Apis mellifera) versteht. Für die Bestäubung der Pflanzen (und damit die Nahrung nicht nur der Menschen) sind noch viele weitere (Insekten-)Arten zuständig.

Dennoch wird das vermeintliche Einstein-Zitat gerade in Imkerkreisen gerne bemüht. Ohnehin: Die sympathische Honigbiene wurde in den vergangenen Jahren zur Heldin des Biodiversitätsschutzes gekürt. So stellte der Bayrische Ministerpräsident Markus Söder das Volksbegehren zum Artenschutz unter das Motto „Rettet die Bienen“ und krönte sich damit gleich selbst zum „Bienenkönig“.

Auch boomt seit ein paar Jahren die Hobby-Imkerei, wozu der Dokumentarfilm „More Than Honey“ des Schweizers Markus Imhoof beigetragen hat (auch dort wird Einstein „zitiert“). Die Schweiz weist mittlerweise eine der höchsten Honigbienen-Dichten Europas auf. Und dies betrifft nicht nur das Land: In der Stadt Zürich etwa haben die Bienenstände seit 2014 um 80 Prozent zugenommen. Es ist hip geworden, auf Hausdächern Bienen zu halten.

Schön, dass sich viele (Stadt-)Menschen mit Bienen beschäftigen. Doch der Trend hat auch Schattenseiten. Die Honigbiene ist eine Nahrungskonkurrentin der Wildbienen. Und denen geht es nicht besonders gut. Von den über 600 in der Schweiz nachgewiesenen Wildbienenarten ist die Hälfte bedroht. Eine Aufdatierung der betreffenden Roten Liste soll dieses Jahr publiziert werden.

Die IG Wilde Biene warnt nun davor, den Imkerei-Trend unkritisch zu begegnen.

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Ökozid: Wann wird Naturzerstörung endlich bestraft?

Dies sei „ein historischer Moment“, meint Jojo Mehta, Juristin und Vorsitzende der „Stop Ecocide“-Stiftung. Nun gebe es eine prägnante juristische Definition des „Ökozids“. Eine Definition, die die Regierungen dieser Welt „ernst nehmen würden“.

Anfang dieser Woche veröffentlichte die „Stop Ecocide“-Stiftung einen Entwurf für eine neue internationale Strafnorm: den Ökozid. Diese Strafnorm soll in das Römer Statut des Internationalen Strafgerichtshofs (auch Römisches Statut oder Rom-Statut genannt) aufgenommen werden. Bisher stehen in diesem völkerrechtlichen Abkommen die Tatbestände Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und Verbrechen der Aggression (zum Beispiel Angriffskriege).

Die schwere Umweltschädigung fehlt

Die „schwersten Verbrechen, welche die internationale Gemeinschaft als Ganzes berühren“, dürften nicht unbestraft bleiben, heisst es in der Präambel des Römer Statuts. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag ist seit 2002 zuständig für die Dursetzung dieses Abkommens, das über 120 Staaten anerkannt haben. Allerdings haben einflussreiche Länder wie die USA, Russland, China oder Indien das Römer Statut nicht ratifiziert. Sie wollen nicht, dass ihre Staatsbürgerinnen und Staatsbürger vor ein internationales Strafgericht gezogen werden dürfen.

Weiterlesen bei den „Flugbegleitern“.

Botanikerinnen mögen es bunt: Blaue Blütenpflanzen locken Forscher besonders an

Gentiana ligustica: Der Ligurische Glocken-Enzian übt schon fast eine magische Anziehungskraft auf Botanikerinnen und Botaniker aus. (Bild: Di Guy Waterval)

Suchen Botanikerinnen und Botaniker ihre Forschungsobjekt nach streng wissenschaftlichen Gesichtspunkten aus? Die Antwort müsste lauten: nicht nur!

Die Ästhetik der Pflanze, also etwas schlichter ausgedrückt, das Äussere der Pflanze beeinflusst, ob sich ein Forscher ihrer genauer annimmt oder nicht.

Dies hat der Biologe Martino Adamo der Universität Turin zusammen mit Kollegen herausgefunden. Die Untersuchung hat er in Nature Plants veröffentlicht.

Adamo erforschte gerade Tephroseris balbisiana, eine eher unscheinbare, gelbblütige Pflanze, als ihm bei der Literaturrecherche auffiel, dass zu dieser Pflanze vergleischweise wenige Studien vorhanden waren. Ganz anders sah dies im Falle von attraktiveren Pflanzen aus.

Steckt da etwa kein Zufall dahinter? Welche Pflanzen stehen bei seinen Kolleginnen und Kollegen besonders hoch im Kurs? Um dies zu überprüfen, nahme Adamo 113 für die Südalpen typische Pflanzen genauer unter die Lupe.

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