Der Blick in die Wolken hilft der Natur

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Einen Bezug zur Natur herstellen: Sich mal etwas Zeit nehmen, um die Wolken zu beobachten. (Bild: M. Hofmann)

An Problembewusstsein mangelt es nicht. 73 Prozent der 8- bis 15-Jährigen und 81 Prozent der über 16-Jährigen zeigen sich sehr besorgt über den Zustand der Natur. Und viele von Ihnen schauen auch sehr pessimistisch in die Zukunft.

67 Prozent der Erwachsenen gehen davon aus, dass der Zustand der Umwelt in 20 Jahren noch schlechter sein wird, als er heute bereits ist. Lediglich 11 Prozent erkennen eine Chance auf Verbesserung.

Die Zahlen beziehen sich auf Grossbritannien und sind daher nicht ohne weiteres auf andere Länder übertragbar. Doch die Studie des National Trust, aus dem diese Zahlen stammen,* weist auf etwas hin, was durchaus allgemeine Bedeutung hat: Wie wenig es bedarf, dass sich jemand für den Naturschutz einsetzt.

Dafür braucht es keine weite Reise in den Amazonas oder in die Antarktis. Es genügt, mit offenen Sinnen durch den Alltag zu gehen, um einen sinnvollen Kontakt zur Natur herzustellen.

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„Der Gesang der Kohlmeise symbolisiert den Frühlingsanfang“

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„Stolz und majestätisch“: der Gesang der Kohlmeise. (Bild Oldiefan/Pixabay)

Jonas Landolt verfügt über eine beneidenswerte Fähigkeit. Der 29-jährige Schweizer kann Möwenarten, von denen die meisten nicht nur auf den ersten, sondern auch auf den zweiten und dritten Blick äusserst ähnlich aussehen, voneinander unterscheiden. Vor kurzem hat er sogar die Schweizerische Vogelwarte, das ornithologische Kompetenzzentrum des Landes, auf einen Fehler hingewiesen: Die Vogelwarte hatte eine Mittelmeermöwe als Steppenmöwe ausgewiesen. Mittlerweile hat die Vogelwarte die entsprechenden Bilder ausgewechselt.

Möwen-Exkursionen am Bodensee sind nur ein kleiner Teil des vielfältigen Angebots von Jonas Landolt. Der selbständige Umweltwissenschaftler produziert Naturfilme, leitet die Geschäftsstelle eines Zürcher Vereins, der ein Stadtquartier wieder naturnaher gestalten will, und erklärt dem Publikum im Schweizer Radio und Fernsehen, wie man einen Garten tier- und pflanzenfreundlich pflegt. Selbstverständlich benutzt er dazu keinen Mähroboter, sondern er weiss, wie man die Sense richtig führt. Etwas motiviert Jonas Landolt bei seiner Arbeit vor allem: Er will möglichst viele Menschen für den Natur- und Vogelschutz begeistern.

Die „Flugbegleiter“ haben ihm den Vogelfragebogen zugeschickt.

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Lasst die toten Tiere liegen – auch den Pflanzen zuliebe

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Am schönsten sind die Schottischen Hochlandrinder selbstverständlich lebendig. Doch auch als Kadaver haben sie einen grossen Nutzen für die Biodiversität. (Foto: Susanne Jutzeler, suju-foto/Pixabay)

Das Schottische Hochlandrind ist ein rundum symphatisches Wesen. Nicht nur äusserlich. Seit es auch für die schonende Beweidung in Naturschutzgebieten zum Einsatz kommt, ist die Anzahl seiner Verehrerinnen und Verehrer weiter angestiegen.

Doch nimmt es den letzten Weg alles Sterblichen (wenn es nicht vorher geschlachtet worden ist) und verendet, dann wird es zum Abdecker gebracht und entsorgt – aus Gründen des Gesundheits- und Umweltschutzes, wie es in der entsprechenden Verordnung der Schweiz heisst. Ausnahmen von dieser Praxis gibt es in Europa etwa in Spanien, wo man das Vieh zugunsten der dort lebenden Geier liegenlassen darf (siehe meine Umweltnotiz „Hol’s der Geier“).

Schade, dass man derart restriktiv mit den Nutztierkadavern umgeht. Besser wäre es, man liesse zu, dass einzelne Tiere an Ort und Stelle verwesen könnten. Dann nämlich würden die Hochlandrinder über ihren Tod hinaus einen Beitrag zur Verbesserung der Biodiversität leisten. Weiterlesen

Wir bekämpfen invasive Pflanzen mit allen Mitteln – doch einheimischen Singvögeln bieten sie Platz, um ihren Nachwuchs aufzuziehen

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Starkes Wachstum: Japanischer Staudenknöterich.

Der Staudenknöterich steht weit oben auf der Todesliste. In der Schweiz ist es verboten, asiatische Knöteriche (Polygonaceae) in der Umwelt freizusetzen. Auch jeglicher Handel ist untersagt. Die Knöteriche gelten als invasive Neophyten, also als gebietsfremde Pflanzen, die, wo immer man sie antrifft, zu bekämpfen sind. Und inzwischen sind sie an vielen Orten anzutreffen.

Vor rund 200 Jahren genossen die Staudenknöteriche noch einen guten Ruf. Damals wurden sie aus Asien nach Europa als Futter- und Zierpflanze eingeführt. Die Knöteriche fühlen sich hier sichtlich wohl und haben sich stark ausgebreitet. Vor allem Uferbereich von Bächen und Flüssen schätzen sie.

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Ausbreitung des asiatischen Staudenknöterichs Reynoutria japonica Houtt. in der Schweiz. (Karte Infoflora)

Doch nun bereitet der Staudenknöterich grosse Sorgen. Zum einen führt er zu Schäden an Infrastrukturen (eine Asphaltschicht von fünf Zentimeter Dicke ist für ihn kein Hindernis), und an Böschungen fördert er die Erosion.

Zum anderen drängt der Staudenknöterich andere Pflanzenarten zurück und verringert damit die Biodiversität. Er bildet nicht nur ein dichtes Blätterdach, durch das kaum Licht auf den Boden dringt, er gibt auch Substanzen ab, die das Wachstum anderer Pflanzen verhindern.

Kein Wunder also, dass beachtliche Ressourcen zu seiner Bekämpfung eingesetzt werden. Im Kanton Bern hat man dem Staudenknöterich bei einem Naturschutzgebiet auf einer Fläche von 740m² den Garaus gemacht – mit einer eigens entwickelten Maschine. Kostenpunkt: 20’000 Franken.

Bei alldem hat man aber die Rechnung ohne die (einheimischen) Vögel gemacht. Diese fühlen sich nämlich in den dichten Büschen des (fremden) Staudenknöterichs sichtlich wohl, wie Beobachtungen aus Sachsen zeigen.

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Ein Quallen-Atlas zum Schwelgen

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Chrysaora fuscescens (Bild: T. Murai; aus dem besprochenen Buch)

In der Rangliste der Beliebtheit stehen sie weit unten: die Quallen. Vielen vergällen Schwärme giftiger Medusen die Badeferien, wenn sie sich an Stränden breitmachen. Andernorts verstopfen sie die Rohrleitungen von Kühlsystemen und sorgen dafür, dass die daran angeschlossenen AKW-Reaktoren heruntergefahren werden müssen. Und Fischern bereiten sie Probleme, wenn sie in grosser Zahl in die Netze geraten und wegen ihres Gewichts Boote zum Kentern bringen können.

Man kennt die Geschichten von den Qualleninvasionen mittlerweile, sie machen regelmässig die Runde in den Medien. Was viele aber nicht kennen, sind die Quallen selber. Weiterlesen

Warum JuristInnen den Ökozid zur Straftat erkären wollen

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Im Sommer 2019 haben im Amazonas grosse Flächen Regenwälder lichterloh gebrannt, und die Welt sah mehr oder weniger tatenlos zu. Zwar drohten europäische Politiker damit, Freihandelsabkommen mit südamerikanischen Staaten in Frage zu stellen, falls diese nichts gegen die Brandrodungen unternähmen. Doch rechtlich war man zum Nichtstun verdammt. Für Verbrechen gegen die Umwelt gibt es keinen internationalen Gerichtshof. Der Natur kommen keine eigenen Rechte zu. Weiterlesen

Eine Magerwiese im Zentrum Zürichs: So sollte es immer sein

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Magerwiese statt Pflastersteine mitten in Zürich. (Bild: M. Hofmann)

Es ist Freitagabend, die Aussenplätze der Restaurants und Bars sind gut besetzt und die Temperaturen mild, der Sommer ist nochmals zurückgekehrt. Doch mitten in Zürich herrscht eine entspannte Ruhe. Nur das Geschrei der Alpensegler, die in hohem Tempo hinter dem Zifferblatt der Fraumünsterkirche in ihren Nistplätzen verschwinden, ist deutlich zu vernehmen. Im Münsterhof, dem mondänen Herzen der Zürcher Altstadt, zücken Passanten ihr Handy. Sie nehmen aber nicht die Fraumünsterkirche oder das Zunfthaus zur Meisen in den Fokus. Sondern ein Stück Wiese. Weiterlesen

Möwen, die die Stadt mehr lieben als das Meer

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Heringsmöwe im Anflug. (Bild: Ludovic Péron, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15062227)

Elgin ist ein idyllisches Städtchen in Schottland. Touristische Hauptattraktion sind die Überreste einer einstmals grossen Kathedrale, die während der Reformation zerstört wurde. Weit auffälliger als die Ruine ist derzeit aber etwas anderes: Auf fast jedem Dach der Stadt sitzt eine Möwe. Andere fliegen durch die Strassen, knapp an Passanten und Autos vorbei. Die Stadt ist eine grosse Möwenkolonie. Das Geschrei ruht kaum. Es ist das letzte, was man vor dem Einschlafen hört, und in der Früh wird man wieder davon geweckt. Diese Stadt, so scheint es, gehört den Möwen, nicht den Menschen.

Vor allem Silber- und Heringsmöwen haben den Ort in Beschlag genommen. Obwohl diese eigentlich am Meer heimisch sind, scheinen sie in Elgin, das doch einige Kilometer vom Strand entfernt liegt, nichts zu vermissen.

Dass sich die Möwen in britischen Städten wohl fühlen, bestätigt nun eine Studie in „Nature“. Es geht ihnen in den Städten gar so gut, dass ihre Bestände dort zunehmen, während sie ausserhalb urbaner Gebiete, also in ihren ursprünglichen Habitaten, abnehmen.

Doch das gefällt längst nicht allen Städtern. Nicht nur der Lärm stört. Auch der Dreck, den sie (auf Autos) hinterlassen. Oder ihr manchmal aggressives Verhalten. In Ruhe Fish and Chips essen? Nicht wenn sich in der Nähe ein paar hungrige Möwen aufhalten. Weiterlesen

In Zürich kreuchen und fleuchen mehr Tiere als noch vor zehn Jahren

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Hier finden sich Frösche, Libellen, Schlangen, Insekten, Schmetterlinge und Vögel: Weiher im Zürcher Stadtwald. (Bild: Markus Hofmann)

Seit zehn Jahren zählt die Stadt Zürich jährlich ihre wilden Tiere: die Reptilien, Amphibien, Tagfalter, Heuschrecken, Libellen und Vögel. Sie tut dies jeweils auf einem Zehntel des Stadtgebiets (ausser bei den Vögeln, da wird der Zensus jeweils zweiteilig links und rechts der Limmat durchgeführt). Nun war es also soweit: Die Zählung eines Gebiets fand zum zweiten Mal statt, womit sich ein Vergleich anstellen lässt. Und das Resultat zeigt Erfreuliches.

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