
Vogelgesang tut gut. Spaziert man durch einen Park oder einen Wald und lauscht den Vögeln, wirkt sich dies positiv auf das Wohlbefinden aus, der Stresslevel sinkt. Es gibt etliche Studien, die dies nahelegen (hier eine Untersuchung, die kürzlich erschienen ist).
Jede und jeder kann die Probe aufs Exempel machen. Gerade jetzt im Frühling braucht es dafür keinen grossen Aufwand. Die Vögel singen derzeit um die Wette.
Wie immer, wenn es in der Forschung auf eine Frage eine plausible Antwort gibt, stellen sich neue Fragen. Zum Beispiel: Spielt es für das Wohlbefinden eine Rolle, ob der Gesang von heimischen oder fremden Vögeln stammt? Und hat die Anzahl der zu hörenden Tierstimmen, also die Diversität, ebenfalls einen Einfluss?
Um dies herauszufinden, haben Forscherinnen und Forscher des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Studentinnen und Studenten einem Experiment ausgesetzt. Die Resultate davon haben Ana Gabriela Cuentas Romero und Kevin Rozario et. al. im „Journal fo Environmental Psychology“ veröffentlicht.
195 Studenten aus Deutschland nahmen an dem Experiment teil. Sie mussten sich vier verschiedene, einminütige Tonaufnahmen aus Wäldern anhören, die sich durch die Anzahl der zu hörenden Tierarten (neben Vögeln teilweise auch Insekten) und durch die Herkunft (heimisch oder tropisch) unterschieden.
Hier zum Beispiel die Aufnahme aus dem heimischen (deutschen) Wald mit hoher Vielfalt (hören Sie alle Vogelstimmen? Es sind acht an der Zahl):
Und zum Vergleich die Aufnahme aus den Tropen (Panama) ebenfalls mit hoher Vielfalt (Vögel und Insekten):
Die Studentinnen und Studenten gaben jeweils vor und nach dem Hören der Aufnahmen an, wie sich fühlten und wie gestresst sie waren. Damit der Stress und die Müdigkeit etwas erhöht waren, wurde das Experiment in den letzten 20 Minuten der Vorlesung durchgeführt. Auch wurden sie aufgefordert mitzuteilen, was und wie viele Tierarten sie gehört hatten.
Die Auswertung ergab: Alle Aufnahmen wurden als angenehm und erholsam beschrieben, alle führten zu einem besseren Wohlbefinden.
Am besten schnitten jedoch die Aufnahmen aus dem heimischen Wald mit den vertrauten Vogelstimmen ab. Sie hatten nicht nur einen erholsameren Effekt, sondern lösten auch stärkere Gefühle von staunender Ehrfurcht aus als die Aufnahmen aus den Tropen.
Etwas weniger stark ins Gewicht fiel die tatsächliche Anzahl der zu hörenden Tierarten. Beim heimischen Wald jedoch steigerte die höhere Artenzahl das Gefühl staunender Ehrfurcht. Und insgesamt führte die subjektive Wahrnehmung vieler Tierarten zu einem höheren Wohlbefinden.
Das heisst: Besonders wohltuend wirkt ein Waldspaziergang in vertrauter Umgebung mit einem vielstimmigen Vogelkonzert.
Also: nichts wie raus!
© Markus Hofmann