Botanikerinnen mögen es bunt: Blaue Blütenpflanzen locken Forscher besonders an

Gentiana ligustica: Der Ligurische Glocken-Enzian übt schon fast eine magische Anziehungskraft auf Botanikerinnen und Botaniker aus. (Bild: Di Guy Waterval)

Suchen Botanikerinnen und Botaniker ihre Forschungsobjekt nach streng wissenschaftlichen Gesichtspunkten aus? Die Antwort müsste lauten: nicht nur!

Die Ästhetik der Pflanze, also etwas schlichter ausgedrückt, das Äussere der Pflanze beeinflusst, ob sich ein Forscher ihrer genauer annimmt oder nicht.

Dies hat der Biologe Martino Adamo der Universität Turin zusammen mit Kollegen herausgefunden. Die Untersuchung hat er in Nature Plants veröffentlicht.

Adamo erforschte gerade Tephroseris balbisiana, eine eher unscheinbare, gelbblütige Pflanze, als ihm bei der Literaturrecherche auffiel, dass zu dieser Pflanze vergleischweise wenige Studien vorhanden waren. Ganz anders sah dies im Falle von attraktiveren Pflanzen aus.

Steckt da etwa kein Zufall dahinter? Welche Pflanzen stehen bei seinen Kolleginnen und Kollegen besonders hoch im Kurs? Um dies zu überprüfen, nahme Adamo 113 für die Südalpen typische Pflanzen genauer unter die Lupe.

Dabei stellte sich folgende Präferenz heraus: Am meisten Aufmerksamkeit erfahren blaue Pflanzen wie zum Beispiel die Enziane. Dann folgen weisse und rote bzw. rosarote Pflanzen. Am Ende folgen die „Mauerblümchen“: braune und grüne Pflanzen. Die fallen halt kaum auf.

Ebenso erfahren langstielige Pflanzen die Gunst der Botanikerinnen. Diese überragen schon von Natur aus ihre „kleingewachsenen“ Pflanzengefährtinnen. Ebenfalls Zuneigung erhalten Pflanzen mit kleinen Blüten wie das Cornelias Kohlröschen. Und zu guter Letzt stehen auch Pflanzen, die weit verbreitet sind, weit oben in der Rangliste der Botaniker – aus offensichtlichen Gründen.

Nun könnte man lange über die psychologische Gründe nachdenken, wieso gerade die blauen und langstieligen Pflanzen so eine Anziehungskraft auf den Menschen ausüben. Doch etwas anderes ist noch entscheidender: Die Ästhetik könnte zulasten des Naturschutzes gehen.

Unterliegen die Forscher einem ästhetischen Bias bei der Wahl ihrer Objekte, treten naturschützerische Überlegungen in den Hintergrund. Bedrohte Pflanzenarten, die nicht den „ästhetischen Ansprüchen“ der Botanikerinnen entsprechen, fallen durch die Maschen. Ähnliches kennt man auch aus der Zoologie: Dort dominieren die „attraktiven“ Arten, weniger auffällige Arten bleiben – sozusagen – unterforscht und in der Folge zu wenig geschützt.

Botanikerinnen und Botaniker sollten sich also bei der Wahl ihrer Studienobjekte ihrer Vorurteile gegenüber Pflanzen bewusst sein. Damit die Mauerblümchen nicht auf ewig Mauerblümchen bleiben.

© Markus Hofmann

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