Grün ist nicht gleich grün: Gesundheitliche Vorteile von Bäumen in Wohngebieten

Bäume vor dem Haus wirken sich positiv auf die Bewohner aus. (Bild: Nicolas DEBRAY/Pixabay)

Im Grünen zu leben, ist gut für die Gesundheit. Dafür, so zeigen Studien, gibt es etliche Hinweise. Insbesondere Herz und Kreislauf profitieren, wenn man sich in naturnaher Umgebung aufhält: Ein Spaziergang im baumreichen Park tut dem gestressten Städter wohl. Oder reicht dafür auch ein Grünstreifen mit etwas Gras vor dem Haus?

Nein, kommen Forscherinnen und Forscher am Beispiel der USA zum Schluss. Gemäss ihrer im Journal „Environmental Epidemiology“ veröffentlichten Studie ist die Beschaffenheit des Grünraums für den gesundheitlichen Effekt durchaus von Belang.

Für ihre Untersuchung griffen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf eine grosse Menge an Daten zu. Bei der Auswertung nahmen sie teilweise KI zu Hilfe.

Detaillierte Karten mit KI erstellt

In den USA läuft seit 1976 eine Studie, die die Gesundheitsdaten weiblicher Pflegekräfte erfasst. Damit werden Risikofaktoren für chronische Erkrankungen bei Frauen erforscht. Die Stichprobe für die Grünraum-Studie umfasst 88’788 Frauen sowie einen Zeitraum von 2000 bis 2018. In dieser Zeit wurden bei den Frauen 6065 kardiovaskuläre Ereignisse verzeichnet.

Diese Daten mussten nun mit den Wohnorten und der entsprechenden Gestaltung des Grünraums verbunden werden. Dafür nutzten die Forscher Google-Street-View-Bilder. Mithilfe einer dafür trainierten KI analysierten sie, was dort an Grünem vorhanden ist: Bäume, Grasstreifen, Rasen, Sträucher usw. So erhielten sie detaillierte Karten städtischer und vorstädtischer Umgebungen. Statt wie in früheren vergleichbaren Studien, in denen die Grünräume mit Satellitenaufnahmen erfasst wurden, konnten sie die Beschaffenheit des Grüns genauer bezeichnen.

Es stellte sich heraus: In Stadtgebieten mit Bäumen 500 Meter rund um den Wohnort ist die Rate an Herz-Kreislauf-Erkrankungen geringer (rund 4 Prozent), während sie in Gebieten, die durch Grassflächen und andere Grünflächen (Blumen, Wiesen) geprägt sind, höher ist (rund 6 Prozent). Die Unterschiede hielten auch Bestand, wenn man Bevölkerungsdichte, Region, Luftverschmutzung oder den sozioökonomischen Status des Wohnviertels berücksichtigte. Diese Korrelationen (nicht Kausalitäten!) deuten also darauf hin: Grün ist nicht gleich grün.

Einladende Atmosphäre dank Bäumen

Ein höherer Anteil an Bäumen im Strassenbild geht also mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher. Gründe dafür könnten folgende Wirkungen von Bäumen sein: Stressreduktion, Lärm- und Hitzeschutz oder die Verminderung der Luftverschmutzung. Auch schaffen baumgesäumte Strassen ein einladendes Umfeld, in dem man gerne spaziert und sich mit Nachbarn austauscht.

Während die positive Wirkung von Bäumen auf die Gesundheit der Menschen nicht neu ist, waren die Wissenschaftlerinnen überrascht von den negativen Auswirkungen der Grasflächen. Mögliche Faktoren dafür könnten der vermehrte Einsatz von Pestiziden, die Auswirkungen des Mähens auf die Luftqualität, Pollen, geringere Kühlwirkung und Fähigkeit zur Filterung von Lärm, höhere Luftverschmutzung sowie weniger Biodiversität sein. Auch sind Grasflächen zwischen betonierten Strassen und Gehwegen nicht besonders anziehend.

Auch Bäume in der Nachbarschaft helfen

Bemerkenswert ist auch, dass die Bäume nicht gleich vor dem Haus stehen müssen, um einen positiven Effekt zu haben. Es genügt, wenn zum Beispiel ein Park mit Bäumen in der Nähe vorhanden ist. Dies zeigen die Daten der Studie. Allerdings müssten diese mit Vorsicht genossen werden, meinen die Forscher. Hier könnten auch andere Faktoren reinspielen, zudem seien die Schätzungen weniger stabil.

Die Hauptaussage aber bleibt: Geht es um die öffentliche Gesundheit in der Stadt, sind Bäume Rasenflächen vorzuziehen.

© Markus Hofmann

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