Kuschelig, aber tödlich: Mit Pestiziden kontaminierte Katzen- und Hundehaare schädigen Vögel

Nicht nur Moose werden zum Nestbau verwendet. Auch Tierhaare finden Verwendung – mit potenziell verheerenden Folgen. (Bild: Markus Hofmann)

Kohl- und Blaumeisen mögen ihr Nest weich und kuschelig. Dafür sammeln die Vögel neben Moosen auch Haare, die herumstreifende Tiere wie Hunde und Katzen verloren haben oder die Tierhalter mit besten Absichten für die Vögel im Garten auslegen.

Doch mit den Haustierhaaren gelangen auch Pestizide in die Kinderstube der Vögel. Denn die Hunde- und Katzenhalter behandeln ihre Lieblinge mit Tierarzneimitteln gegen Flöhe und Zecken.

Tote Küken und nicht ausgebrütete Eier

Die Antifloh und -zeckengifte haben das Potenzial, die Vögel zu schädigen, wie eine soeben in „Science of the Total Environment“ publizierte Studie zeigt. In Nestern mit vielen Insektiziden zählten die Forscherinnen und Forscher eine höhere Anzahl an toten Küken oder nicht ausgebrüteten Eiern.

Manche dieser Insektizide sind wegen ihrer bekannten Umweltschädlichkeit in der Landwirtschaft längst verboten. In der Veterinärmedizin finden sie aber noch immer rege Verwendung. Die Autorinnen und Autoren der neuen Studie fordern daher, dass der Einsatz dieser Tierarzneimittel überprüft werden müsse.

Cannelle Tassin de Montaigu, die Erstautorin der Studie von der Universität Sussex, untersuchte insgesamt 103 mit Tierhaaren gepolsterte Nester von Blau- und Kohlmeisen aus ganz Grossbritannien. Ein spezialisiertes Institut der Universität Neuenburg führte die chemische Analysen durch. Insgesamt wurde nach 20 verschiedenen Insektiziden gesucht, 17 davon konnten nachgewiesen werden.

In der Landwirtschaft verboten

Besonders verbreitet sind Fipronil, Imidacloprid und Peremethrin. Fipronil wurde gar in allen Nestern gefunden. In Nestern, in denen diese drei Insektizide eine besonders hohe Konzentration aufwiesen, war auch die Zahl der toten Küken und nicht geschlüpften Eier höher.

Damit liegt die Vermutung nahe, dass der Kontakt von Eiern mit diesen Insektiziden zu höherer Mortalität und geringerem Reproduktionserfolg führt.

Schön weich: ein mit Moosen, Flechten und Tierhaaren gepolstertes Meisennest. (Bild: Markus Hofmann)

Dass diese Insektizide nicht harmlos sind, ist bekannt. Als Pflanzenschutzmittel sind sie daher in Europa seit mehreren Jahren nicht mehr zugelassen.

Geht es um die Prophylaxe gegen Flöhe und Zecken bei Hunden und Katzen, wird hingegen noch immer zu diesen Wirkstoffen gegriffen. In der Schweiz ist etwa Fipronil als Wirkstoff in 16 Tierarzneimitteln zugelassen.

Bundesrat prüft Massnahmen

Erst kürzlich hat der Thurgauer SVP-Ständerat Jakob Stark auf das Problem hingewiesen. Vom Bundesrat wollte er wissen, ob die Verwendung von Fipronil und Imidacloprid eingeschränkt oder gar verboten werden sollte, da diese Gewässerorganismen und somit indirekt auch Fische und Vögel schädigen würden.

Immerhin: Der Bundesrat will „Massnahmen prüfen, um die Gewässerverunreinigung durch Fipronil und Imidacloprid aus deren Anwendungen als Tierarzneimittel zu reduzieren“. Auch soll abgeklärt werden, ob eine Verschreibungspflicht für Tierarzneimittel nötig ist, um „eine zielgerichtete Behandlung unter tierärztlicher Aufsicht“ zu gewährleisten. So sollen auch die Tierhalter über die Umweltrisiken aufgeklärt werden.

Neue Mittel gegen Parasiten sind nötig

Eine solche Überprüfung verlangen auch die Forscherinnen und Forscher. Im Gegensatz zum landwirtschaftlichen Bereich seien die Auswirkungen dieser Pestizide in der Veterinärmedizin wohl unterschätzt worden, schreiben sie. Es brauche neue Arzneimittel gegen Parasiten bei Haustieren.

Auch die Praxis von Hunde- und Katzenhaltern, Tierhaare, die bei der Körperpflege anfallen, im Garten für die Vögel zu verteilen, gebe Anlass zur Besorgnis. Denn was gut gemeint ist, kann tödlich enden.

© Markus Hofmann

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